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Willie's Borneo Blog Januar/Februar 2012 - Teil 2

Willie's Borneo Blog Januar/Februar 2012 - Teil 2


 Borneo-Blog-2012-Teil-2.pdf (mit Bildern)

Simpang Ampar, ist der Name des Halts an der Straße von Sintang nach Pontianak, wo ich gerade sitze und diesen Blog weiterschreibe, in einem Straßenrestaurant an dem ständig Lastwagen und Busse vorbeifahren. Der Fahrer, Jamin, hat Grippe und schläft auf dem hölzernen Aufsatz, der speziell für die Nachtfahrer gemacht wurde. Ich bin der einzige Passagier heute Nacht. Er erzählte mir, es sind im besten Fall vier bis fünf Passagiere. Dann kommt man immer noch gut über die Bodenwellen und die Schlaglöcher in der Straße während das Auto in den Kurven stabiler ist und schneller, auf den wenigen Teilen der Reise, wo dies überhaupt möglich ist.

Wir haben Sintang um 9:30 am Abend verlassen, jetzt ist es 3 Uhr früh und Jamin braucht dringend eine Pause. Dies ist die 28.te Fahrt innerhalb von 30 Tagen! Jede Nacht fährt er die 450 Kilometer über grauenhafte Straßen. Jede Nacht schluckt er den Staub und schaut in die Lichter der vielen Lastwagen, die Güter in das Innere bringen, wo die Preise so viel höher sind und die chinesischen Händler große Häuser besitzen. Jamin ist ein 24-jähriger Dajak und er bekommt 100.000 Rupiah pro Fahrt. Mr. Abbas, der Besitzer des Autos bekommt 1.000.000 pro Fahrt. Wenn man 250.000 Rupiah für Benzin und Öl abzieht, macht er einen ordentlichen Profit, auch wenn die Autos nur 3 Jahre lang halten durch den dauernden Gebrauch auf dieser Route.

Jamin fährt jede Nacht, er hat also keine Zeit für eine Freundin. Ich frage ihn, was willst du tun, wenn du nicht mehr fit genug dafür bist? Ich weiß es nicht, ist die einfache Antwort. Ich hoffe, er spart sich etwas Geld für die Zukunft… Er möchte bis 4 Uhr morgens schlafen, dann werden wir auf dem guten Teil der Straße zum Flughafen fahren, was nur zwei weitere Stunden braucht. Ich sollte gerade rechtzeitig da sein, um meinen Fug nach Jakarta zu erwischen und Jamin kann nach Hause in die Stadt gehen und mehr schlafen. Nun, diese Pause verschafft mir etwas Zeit, um da wieder anzuschließen, wo ich mit meinem letzten Blog aufgehört habe, den ich am Straßenrand bei Putussibau geschrieben hatte, als unser Auto auf zwei Reifen gleichzeitig einen Platten hatte. So lasst uns mit dem 26ten Januar 2012 weitermachen.

Der hilfsbereite Fahrer eines Toyota Kijang hielt an und erkannte Pater Jacques, Pater Gunarto und Pater Arifin, so dass wir seinen Ersatzreifen ausleihen konnten, bis zur nächsten Stelle, wo wir die platten Reifen reparieren konnten. Ein Kettensägen-Arbeiter kam vorbei, an seiner Säge waren alle Sicherheitseinrichtungen entfernt und natürlich hatte er auch keinen anderen Körperschutz. Bäume stehlen also, fragte ich. „Nein, nur Feuerholz!“ meinte er. Ein paar Minuten später hörten wir denn nur allzu bekannten Lärm der Kettensäge in einem Stück guten Waldes.

Dann fuhren wir nach Putussibau und hielten an der Werkstatt von wo aus uns Pater Gunarto das Haus eines katholischen Mitglieds des Parlamentes zeigte, Herrn Gupung. Er war der erste Dajak seines Unterstammes, der getauft wurde. Seine Frau erkannte sofort Pater Jacques und rief ihren Mann an, der 10 Minuten später kam und uns freudig begrüßte. Pater Jacques hatte sie vor 38 Jahren miteinander verheiratet! Pater Jacques bemerkte, dass die Fotokopierer in Gupung’s kleinem Bücherladen auf hohen Tischen standen und zeigte dann auf die unglaublich hohen Schlammspuren an der Wand von den letzten Überflutungen…

Ich wanderte durch seinen kleinen Garten und finde ein paar Schildkröten und ein Maus-Reh in einem beschatteten Areal mit Blumen… Sie sehen gut aus, aber man muss sich bald um sie kümmern… Gupung ist ein Mitglied des Parlamentes und sollte mit gutem Beispiel vorangehen.

Uns wurde süße Milch zum Trinken angeboten, aber ich bevorzuge es, eine Cempedak-Frucht zu essen. Dies ist eine lange, zylindrische Frucht mit einer reptilartigen, dicken Lederhaut. Ein lokaler Dschungelbaum, benannt nach seinem lokalen Namen: Artocarpus cempedak. In der Frucht befindet sich ein Stengel, an dem sich viele gelbliche, streng riechende aber wundervoll süßschmeckende Früchte befinden. Es erinnert Jean an Durian, die er nicht mag, er ist also nicht scharf darauf sie zu probieren. Wie immer zieht er es vor, die vielen Kinder zu fotografieren. Wir bekommen ein paar kleine Bücher von Herrn Gupung über die Kultur und Gesetze der Dajak und ihre Nutzung des Waldes. Ich mag es wegen der Fakten, weniger wegen der furchtbaren bürokratischen Sprache wie sie so typisch für Beamte ist. Und zwei Tage später hatte ich dann im Haus von Pak Abeng, dem Dajak-Führer, die Gelegenheit, Mali, das Gesetz und die Bestrafung für Inzest, anzubringen! Es war für die Leute dort ein richtiger Schock… Pater Jacques ist bekannt dafür, dass er mehr über die lokale Kultur weiß als die meisten der Dajak selbst und er arbeitet hart daran, das Wissen zu erhalten, durch das Museum, das er initiiert hat und die Aufnahme all der speziellen mündlich weitergegebenen Geschichten.

Wir verlassen Herrn Gupung und seine Familie und gehen zur Kirche in Putussibau. Eine große neue Kirche, die es offensichtlich darauf anlegt, die zweitgrößte der Welt zu werden, wird neben der alten, hölzernen gebaut, mit ihren Bleiglasfenstern. Pater Jacques fragt sich, ob das Palmöl daran beteiligt ist… Einige Priester sind bekannt dafür, dass sie dankbar Zuwendungen für solche neuen Kirchen annehmen…

Ein Mietauto kommt an und wir sagen Auf Widersehen zu Pater Gunarto und Arifin, und wir starten unsere nächste 9,5 Stunden Fahrt nach Sintang. Phantastisch geformte Berge und lausige Straßen unterhalten uns solange noch Tageslicht ist. Aber dann, wieder ein platter Reifen! Und aus dem Nichts tauchen noch mehr Menschen auf, um Pater Jacques zu umarmen! „Erinnere Dich, du hast uns in Sedjiram getauft, deiner ersten Stelle hier!“ Das ist mehr als 40 Jahre her und natürlich sehen sie jetzt anders aus als damals, aber Pater Jacques erinnert sich noch sehr gut an ihre Eltern. Natürlich müssen wir bei diesen netten Leuten etwas essen und wir brauchen nicht für die Reparatur zu bezahlen. Fotos werden gemacht und es wird versprochen, sie zu schicken, und wir setzen unsere Reise fort. Vor Sintang halten wir an da der Fahrer „durstig“ ist, aber merkwürdigerweise befindet sich seine Schwester in dem Restaurant an der Straße, mit all ihrem Gepäck und bereit, mit uns nach Sintang zu fahren! Pater Jacques wird wieder im Restaurant erkannt und wird fast erdrückt von einer Frau, von der er sagt, dass sie einst sehr schön war. Später in der Nacht durchgeschüttelt und müde, erreichen wir Kobus und nach einem Glas mit gutem Reiswein sind wir alle bereit uns schlafen zu legen.
 
27. Januar 2012
Pater Jacques und Tierarzt Dr. Sri nehmen im Konferenzraum Kontakt auf mit den Eco-Warriors aus aller Welt
Nachdem ich Jojo und Juvi besucht habe, denen es sehr gut geht, haben wir gefrühstückt. Dann war es Zeit für eine 2-stündige Telefonkonferenz mit den Eco-Warriors. Wunderbarerweise hielt die Verbindung. Es ist schön, soviele der Eco-Warriors online zu sehen. Dr. Sri berichtet von Jojo, die nun genau doppelt so viel wiegt wie die 6,5 Kilogramm bei ihrer Ankunft und ein Energiebündel ist und herumhüpft als ob die Welt auseinanderbricht. Ich mag es, wenn sie mir ihren neuesten Trick zeigt. Sie geht zur gegenüberliegenden Seite, nimmt sich eine Handvoll Blätter, packt sie auf ihr Gesicht und dann rollt sie sich wie ein Ball zu mir herüber, während sie die Blätter im Gesicht behält.

Dann, im letzten Moment, wenn sie schon sehr nahe ist, nimmt sie die Maske ab und lächelt über ihren Trick, wie aus dem Nichts zu erscheinen! Während der Telefon-Konferenz schaut Jojo auf den Computer und zieht manchmal gleichzeitig an meinen Haaren. Wundervoll! Juvi hat nun genau das gleiche Gewicht und die beiden sehen fast wie Zwillinge aus!
Wir nahmen den Computer mit zu Jojo und sie war erstaunt über die Stimmen, die aus dem Lautsprecher kamen und über die Bilder von Cathy Henkel, die sich auf dem Bildschirm bewegten. Viele der Eco-Warrior schrieben, wie sehr es sie freute, Jojo so gesund und aktiv und voller Tricks zu sehen!  
 
Nun, das Treffen ist vorbei und aufgenommen, ich gehe also zum Nachmittag über, als wir das Zuckerpalmen-Dorf Tertung besuchten. Die Reise auf dem Boot zum Dorf, das nicht über Straßen erreicht werden kann, ist schön. Das Schnellboot ist zu schwer, sodass der Bug nach unten gedrückt werden muss und ich entscheide, mich genau dahin zu setzen und es zu genießen, dass mir der Wind durch die Haare fährt, während ich auf die schwimmenden Waschräume und die Zuckerpalmen an Land schaue.

Wir treffen uns mit Nico und Harry aus Tomohon, die speziell ausgewählte Plus Bäume zu diesem Dorf und zur Kobus Foundation mitgebracht haben. Harry hat ein Baumschulentraining abgehalten und die Kultur der Zuckerpalmen im Wald diskutiert. Nico hat Daten zur Produktivität der Palmen in Tertung aufgenommen. Es zeigte sich, dass sie im Durchschnitt 13 Liter Zuckersaft pro Tag mit einer Zuckerkonzentration von 13% produzieren, was mehr als 1,5 Kilogramm Zucker pro Palme und pro Tag entspricht. Es ist nicht großartig, aber auch nicht gerade wenig. Immerhin zapfen sie nur Palmen an, die spontan angewachsen sind und haben nie, wie die Leute auf Nord-Sulawesi, Samen der mehr produzierenden Palmen ausgesät. Sie können also 1 Liter 98%iges Ethanol pro Palme und Tag bekommen, was die Palmen sehr wertvoll macht, da Benzin für Generatoren, Motorräder und Kochen hier ein Vermögen kostet!

Training durch die Masarang Experten Harry Kaunang und Nico Tatontos im Dorf Tertung

Zuerst fragen die Menschen, wie wir den Zucker von ihnen kaufen wollen, wenn sie mehr Palmen anzapfen. Dann stelle ich eine einfache Rechnung mit ihnen auf. Wie viel Brennstoff braucht ihr, um euer Essen und Wasser zu kochen? Zwei Liter pro Tag? Okay. Das bedeutet, dass ihr 2 Zuckerpalmen dafür braucht, was euch gerademal eine Stunde am Tag zum Zapfen kostet. Und wenn ihr mehr Palmen habt, dann wird es sogar noch effizienter, weil ihr nicht mehr pro Palme so viel rauf- und runtergehen müsst.
Die Dorfbewohner fangen an mit den Preisen zu rechnen und beschließen, es ist besser, das Ethanol lokal zu nutzen, anstatt Brennstoff zu kaufen, oder Zucker herzustellen, für den man auch noch Feuerholz braucht. Nico zeigt mir die Daten für den Ofen, den er für die Zapfer hier schon gemacht hat. Die Einheimischen benutzten Ölfässer, um mehr Hitze für die Pfannen mit dem Zuckersaft zu bekommen. Sie brauchen 4 Stunden für eine Pfanne und 6 Stücke gutes Holz. Nico’s Ofen schafft es in 2 Stunden! Und das sogar mit nur 3 Stücken guten Holzes! Der Besuch unserer Masarang Foundation in Tertung hat bereits jetzt nur deswegen einen großen Erfolg gebracht! Dann erzählen die Dorfbewohner wie Nico ihnen gezeigt hat, wie sie die Zapflebensdauer eines einzigen Blütenstandes um 6 Wochen verlängern können! Ich schätze, mit dieser Unterweisung haben wir es den Dorfbewohner doppelt so leicht gemacht, die Zuckerpalmen zu nutzen!

Welch einen Unterschied hat dieses erste Training schon nach Tertung gebracht! Die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Setzlingen und die Experten wurden von der Sirtema Foundation aus den Niederlanden finanziert. Dies zeigt also, dass man nicht immer große Investitionen braucht, um wichtige Ergebnisse zu erzielen. Und dieses Modell kann nun für viele Dörfer mehr implementiert werden in West Kalimantan als geprüfte Methode! Sooft, wenn man mit Ideen ankommt, die noch nicht geprüft sind, bekommt man die ungläubige Reaktion „wenn man es nicht kennt, kann es nicht möglich sein!“ Was für eine traurige Welt. Aber glücklicherweise ist nicht jeder so.

Denn Pater Jacques, Dwi und ich selbst erklären die Teile des Übereinkommens, das wir für die Dorfbewohner vorbereitet haben, damit sie mehr Setzlinge bekommen, um die Baumschule zu führen, Trainings abzuhalten für die Dajak hier in diesem muslimischen Dorf, und wie man das Ganze ehrlich und transparent durchführt. Wir reden darüber, dass Palmzucker viel gesünder ist und die Frauen rechnen sich schnell aus, dass sie dann zum Palmzucker wechseln sollten! Es kommt dann dazu, dass diese Berechnungen in der Gruppe gemacht werden und jeder kapiert es. „Es geht um's Geld, Dummerchen!“

Wir gehen zum Land für die Baumschule, das vom Busch befreit wurde, um es zu vermessen. Orang-Utan Pfleger Danny ersetzt uns den GPS Spezialisten und bringt uns die exakten Ausmaße. 1,3 Hektar, überflutungsfrei, guter Boden, perfekt! Die Dorfbewohner versprechen ihre Kooperative-Struktur in den nächsten Tagen fertigzustellen und dann kann der Vertrag unterzeichnet werden und wir können anfangen, die die neue Baumschule hier zu machen, wo wir vielen Dajak mit den Zuckerpalmensetzlingen helfen können! Wundervoll!

Zurück nach Kobus. Eine Gruppe von Bauern, die sich selber „Shopping“ nennen. Bereitmachen, um verschiedene chinesische Familien zum chinesischen Neuen Jahr zu besuchen. Überall dieselbe Art von Kuchen und viele Snacks und Getränke. Sie bieten verschiedene alkoholische Getränke an, die Pater Jacques „zögerlich“ akzeptiert. Die Häuser sind groß, einige komplett, leuchtend pink, andere mit Säulen wie Schlösser und einige zusammen mit ihren Geschäften, was bedeutet, dass das ganze Haus mit Waren angefüllt ist, bis in den kleinsten Winkel hinein.
  Besuche die chinesische Gemeinde für ihre Feierlichkeiten zum chinesischen Neuen Jahr, indem ich von Haus zu Haus gehe. Sehr seltene und interessante Einblicke in ihr Leben. Pater Jacques ist ein großartiger Netzwerker, der eine friedliche Koexistenz aller auf der Basis von Respekt und einem nachhaltigen Ansatz für die Zukunft unseres Planeten. Draußen gehen die Feuerwerke weiter, sogar sieben Tage nach der offiziellen Feier zum Neuen Jahr.  
            
       
 
 
Etliche der Chinesen, die wir besuchen, sind bei der Freiwilligen Feuerwehr, die Pater Jacques zusammen mit ein paar Piloten-Freunden aus Holland ins Leben gerufen hat, und sie haben vieles an Ausrüstung von der Maastrichter Feuerwehr bekommen. Pater Jacques macht seine geschickten Motivations-Runden, um sicherzugehen, dass sie ihre gute Arbeit fortsetzen. Arthur, ein etwas untersetzter Schweinehändler mit einer lauten Stimme, besteht darauf, dass jeder betrunken wird, aber ich bin der Fahrer und so kann ich unbeschadet entkommen. Spät am Abend stelle ich den ersten Blog fertig und bearbeite Massen an emails und SMS.

28. Januar 2012

Verschiedene Treffen mit Dajak-Gruppen aus Ketunggau, von Tembak, Serawai, Ambalau, sie alle haben gehört, dass ich hier bin und kommen, um Pater Jacques um Zuckerpalmen-Setzlinge zu bitten. Der Anführer vom Umwelteinfluss-Untersuchungsteam kam um die letzten Unterschriften von Pater Jacques zu bekommen. Ich verbringe Zeit mit Juvi und Jojo. Ein paar Bilder mit Bildbeschreibungen werden euch ein Gefühl dafür geben wie es ist:

Ketunggau Bauern Kooperative                                              Formale Papierarbeit für Pater Jacques

Oben: Treffen für das Setup der Ethanol-Einheiten für West-Kalimantan. Da die Technologie ziemlich komplex ist und die Menschen die Prinzipien sehr gut verstehen müssen, wird eine Trainingsschule auf dem Besitz des lokal hochangesehenen Technologie-Experten Piet van Hoof in Sintang gegründet. Wenn die Menschen aus dem Dorf einmal mit seiner Einheit gut zurechtkommen, können wir sie mit einer kompletten Einheit losschicken. Menschen müssen über Viehhaltung lernen, über Fermentation, über Destillation, über Bio-Digester, etc. Wir gehen davon aus, dass die Trainingseinheit etwa 6 Wochen benötigen wird, bevor die Dorfbewohner selbst eine Ethanol-Einheit betreiben können.

29. Januar 2012

Ich bearbeite meine mails und eine Stunde später um 5:30 Uhr in der Früh, kann ich hören, wie Pater Jacques aufwacht. Wir müssen früher als gewöhnlich raus, da wir im Dorf Tembak eingeladen sind, den Gouverneur zu treffen, der zum Ende eines Fußball-Wettbewerbs kommen wird, der von diesem abgelegenen Dorf organisiert wurde. Sehr klug eingefädelt durch die einflussreichen Brüder Nayau und Lambung! Sie gehören zum Seberuang Dajak-Stamm, zu dem auch Dwi, die Sekretärin der Kobus Foundation, gehört. Dieser Stamm lebte einst nahe bei Martinus, weit im Norden der Provinz, aber sie wurden von den Iban vor mehr als 200 Jahren vertrieben und ließen sich dann in der abgelegenen Compong Bergregion im Tempunak Distrikt nieder. Für mich ist dieses Dort einer der am vielversprechendsten Orte in Indonesien. Die Menschen haben in der Vergangenheit eine Holzfällerfirma vertrieben, die zur Suharto Familie gehörte und sie haben sich andauernd dagegen gewehrt, dass Palmöl-Firmen in ihr Gebiet kommen. Gerade erst letzte Woche gab es zwei „Einladungen“ von 2 Palmöl-Firmen, an Treffen in Jakarta, Balikpapan und Samarinda teilzunehmen. Aber sie sagten, sie würden nur dann reden, wenn jeder aus dem Dorf anwesend ist und das in ihrem eigenen Dorf. Keine der Palmöl-Firmen hat es gewagt, angesichts des wilden Widerstandes, den diese Menschen aufgebracht haben, um den Wald zu schützen!

Es werden also ein paar interessante Tage in Tembak werden! Wir gehen von der Kobus Foundation zum offiziellen Haus des Vize-Bupati, wo der Gouverneur die Nacht verbracht hat und wo wir frühstücken. D
Der Bupati selbst ist nicht da?... Nun, er will sich gegen seinen Dajak-Kollegen, den Amtsinhaber Gouverneur Bapak Cornelis, zur Wahl als Gouverneur aufstellen lassen… Jede Menge wichtige Bürokraten und Frauen auf High Heels begleiten den ketterauchenden Dajak Gouverneur mit seinem tiefschwarz gefärbten Haar. Pater Jacques und ich mischen uns unter die Anwesenden zum Networking.

Der Gouverneur erzählt mir, er mag Zuckerpalmen. Dann ist der lange Konvoi von ca. 60 Autos abfahrbereit. Der Gouverneur fährt einen Hummer! Ein großes rotes Auto mit einem leisen, röhrenden Sound und den dunkelsten Fenstern, die ich je gesehen habe. Er erklärt mir, dass ein reicher Freund ihm dies ausgeliehen habe.

Pater Jacques, Jean Kern und ich zusammen mit ein paar anderen Menschen, steigen in den Toyota-Bus ein, in dem ein einäugiger Fahrer sitzt… Und wie soll es anderes sein, wir treffen viele Straßenlöcher und fahren fast in die anderen Autos vor uns hinein! Der Fahrer fährt auch so langsam, dass sogar Pater Jacques verärgert wegen der riskanten Überholmanöver der anderen Autos wird und er weist den Fahrer an, schneller zu fahren. Sein Auto schaffte es nicht durch den Morast und so mussten wir unser Gepäck in Tembak zurücklassen und es mit Motorrädern zum Dorf bringen lassen. Nun, solche Fahrer halten einen wach!

Sehr bald nachdem wir die Brücke im Süden des Kapuas-Flusses überquert haben, beginnen die endlosen Ölpalm-Plantagen. Ein langer Konvoi mit 60 Autos schlängelt sich seinen Weg durch die meist verlassenen Bäume. Sie tragen nahezu keinerlei nennenswerte Früchte! Hier ist die Stelle, an der die Dajak-Jugend das Camp der Firma niedergebrannt hat und als die Spannungen anstiegen, nachdem 39 von ihnen länger eingesperrt wurden, bis der Gouverneur sie frei lies. Es lässt sich zeigen, dass die Ölpalmen nur dann produzieren, wenn man jede Menge an Dünger einbringt, etwa 1760 Kilogramm pro Hektar und Jahr! Und nicht zu reden von all den Pestiziden, Nagetiervernichtungs­mitteln, Fungizide, Herbizide etc.!
Aber ich habe bemerkt, dass sie wieder angefangen haben, die toten Blätter abzuschlagen… Sie müssen ihre Rückkehr planen…

Als wir schließlich durch die Palmöl-Plantagen kommen, finden wir die Straße in einem furchtbaren Zustand an. Für die letzten 6 Kilometer benötigen wir genauso lange, wie für die vorherigen 100 und sogar der Hummer des Gouverneurs bleibt im Schlamm stecken, obwohl es in den letzten 2 Tagen keinen wirklichen Regen gab! Unser Toyota Van hat keine Chance und ich hänge buchstäblich auf dem Rückteil des Autos des Gouverneurs, das einen kleinen Pickup-Teil hat, der mit delikat riechenden Durians gefüllt ist… Was für eine Übung in Selbstkontrolle! Obwohl es die meisten Menschen nicht besonders schätzen würden, wenn sie heftigst auf steilen Straßen mit tiefen Rinnen und Schlammlöchern herumgeworfen werden, während sie ungefähr 50 sehr gute Durians riechen! Aber so ist halt meine Liebe zu dieser Königin der Früchte… Der Gouverneur gibt auf, schnappt sich ein Motorrad und fährt die letzte Meile selbst ins Dorf. Als ich das Dorf erreiche, teils gehend, teils wurde ich auf einem Motorrad von einem Dorfbewohner mitgenommen, ist die Zeremonie des Bambusschneidens und auf Eier Treten bereits beendet. Pater Jacques hat es irgendwie geschafft auch an ein Motorrad zu kommen und unterhält sich gerade mit dem Gouverneur und allen anderen auf der Terrasse des größten Hauses in dem kleinen Dorf, darauf wartend, dass die Damen mit den lächerlich hohen Schuhabsätzen und weniger athletische Mitglieder seiner Gruppe sich uns anschließen vor dem offiziellen Teil des Tages.
 
 
 
 
Der Gouverneur steht vor seinem Hummer mit all den Autos, die im Schlamm stecken blieben. Die Frauen mit den High Heels stehen unter einigen Schals im Wald an der Seite der Straße. Schließlich nahm der Gouverneur ein Motorrad und fuhr selbst die restlichen 2 Kilometer zum Dorf.

Ich sehe eine Fahne mit einem Stier darauf… Hmmm, Sportveranstaltung? Sieht mehr nach einer politischen Veranstaltung aus… Und tatsächlich, 90% des ganzen Events, der auf dem Fussballfeld stattfindet wo die Athleten in der brennenden Sonne stehen während eindeutig weniger athletisch geformte wichtige Personen, einschließlich meiner selbst, sich damit abwechseln Reden zu halten, wobei nur meine Präsentation keine Ermunterung für die Wiederwahl des Gouverneurs enthält! Offiziell ist das strengstens verboten.

 
 
 
 
 
 
Diese Seite wurde 2 Tage später in der größten Zeitung veröffentlicht. Das sorgfältig choreographierte Bild zeigt mich und Pater Jacques in einer ernsthaften Diskussion mit dem Gouverneur. Gutes Zeichen…
 
 
 
 

 
 
Wir sitzen auf einem provisorischen Podium mit Snacks und Getränken und sogar Reiswein. Ich sehe meinen Freund Apui in der Menge, der mit seiner Nashornvogelfeder auf seinem traditionellen Anführerhut über allen anderen Köpfen hervorragt. Ich gehe zu ihm hinunter und nehme ihn mit mir auf die Bühne. Komisch, dass sie dem Hüter der Traditionen während eines solchen Ereignisses nicht erlauben sollten, auf der Bühne zu sitzen? Später lernte ich mehr über das Kastensystem unter den Dajak… Meine Aktion führte zu einigen hochgezogenen Augenbrauen, aber Apui ist sehr glücklich und die „Zeremonie“ beginnt.

Obwohl ich vorher gebeten wurde, eine Präsentation zu halten, nach Pater Jacques, stellt es sich heraus, dass weder Pater Jacques noch ich im Programm vorkommen! Sehr merkwürdig… Während der Eröffnungsrede spreche ich mit dem Gouverneur darüber, wie gut es ist, dass die Dorfbewohner hier die Orangutans beschützen wollen. „Orangutans? Ich esse sie! Sie schmecken sehr gut!“ ist seine grobe Antwort, während er sich eine Zigarette von seiner neuen Packung anzündet. Dann werde ich plötzlich zur Überraschung des Gouverneurs und meiner selbst, dazu aufgefordert, zur Menge zu sprechen. Pater Jacques, von dem mir gesagt wurde, dass er vor mir sprechen würde, zuckt nur mit seinen Schultern und signalisiert mir, runter zum kleinen Sprechpodium zu gehen.

Zum Schreien komisch. Natürlich passe ich mit meiner europäischen Größe nicht unter das kleine Dach und beginne damit zu sagen, dass ich es bevorzuge dieselbe Sonne zu teilen wie die Athleten, was zum ersten Applaus führt. Nun, nicht ganz richtig, da es zu jeder Aussage über die Wiederwahl des Gouverneurs höflichen Applaus gab. Dann habe ich meine Wertschätzung für die Menschen von Tembak ausgedrückt, die ihre Wälder für die Güter und das Wasser aus ihnen geschützt haben. Sie haben sogar verschiedene Mini-Hydro Fabriken selbst gemacht. Ich spreche darüber, dass sie mit großem Mut die Holzfäller- und Palmöl-Firmen aufgehalten haben, was jedesmal zu lautem Applaus der Menschen führt, aber nicht vom Podium, wo der Gouverneur sitzt mit seinen Bürokraten… Er dreht sich beständig um zu seinen Beratern hinter sich und scheint ziemlich aufgeregt zu sein.

Ich erkläre, dass die Menschen hier Zuckerpalmen möchten (Applaus) und dass diese besser sind als die Ölpalmen. Dass wir mit dem ökologischen Langhaus hier in Tembak angefangen haben und dass ich hoffe, dass es ein Beispiel wird für andere Dajak-Gemeinschaften, wie man in Harmonie mit der Natur lebt.

Tatsächlich stellen die Menschen ein Banner auf, auf dem steht Willkommen zu in Globale Gemeinschaft, Bitte lebt in Harmonie. Dies ist ein anderes, großartiges Banner der Dorfbewohner, von ihnen selbst gemacht! Ich erinnere mich, als wir vor ein paar Monaten mit den Eco Warriors hier waren und das extra gefertigte Banner damals zeigte Willkommen ökonomische Warriors! Fantastisch! Pak Nayau erklärt mir, dass sie diesen Slogan von meinem Motto Leben in Harmonie für Samboja Lestari genommen haben.

Er erzählt mir eine verblüffende und kaum zu glaubende Geschichte, dass sie sich bereits vor 10 Jahren nach Alternativen umgesehen hatten, um die Ölpalmen fernzuhalten und über meine Arbeit gestolpert sind. Vor ein paar Jahren entschieden sie dann, dass mein Ansatz der richtige sei und begannen mit ihrer sorgfältigen Untersuchung über mich! Erstaunlich! Sie haben eine große Menge an Daten aus dem Internet gezogen und haben sogar Leute nach Balikpapan und Tomohon geschickt, um mit den Einheimischen zu reden und herauszufinden, ob es mich wirklich gibt!! Ich konnte meinen Augen kaum glauben, als ich diese Dokumente und Berichte sah! Nun, sie entschieden, dass es mich gab und begannen Pater Jacques zu bearbeiten, dass er mich in ihr abgelegenes Dorf bringt, was er tat… Sie boten sogar einen Helikopter an, solange ich nur kommen würde. Nun, ich bevorzuge die Straßenfahrzeuge und Motorräder, ich kam und ich verliebte mich ernsthaft in diese ganz besondere Dajak-Gemeinschaft.

Wie auch immer, ich beendete meine Präsentation mit ein paar netten Worten und einem großen Applaus und ging zurück zum Podium. Der Gouverneur blies einen großen Stoß von Zigaretten-Rauch aus und lehnte sich zu mir. „Warte mal, ich muss diesem Herrn etwas sagen!“ Hmmm, ich habe bereits bemerkt, dass er mir kaum Aufmerksamkeit schenke und vielmehr damit beschäftigt war, zu seinen Beratern hinter sich auf dem Podium zu reden, was vermutlich schlechte Nachrichten bedeutete. Und wirklich, als er dran war, ist er explodiert!

„Seit dreihundert Jahren kommen diese fremden Kolonialherren, um unsere Schätze zu nehmen und uns auszubeuten, wir brauchen so etwas nicht noch einmal!“ Ich rief sehr unhöflich hinter seinem Rücken „Entschuldigung, Gouverneur, aber ich bin indonesischer Staatsbürger, bitte!“ Er dreht sich herum und fragt „Stimmt das wirklich?“ Und er sieht von Pater Jacques und anderen, dass dies wirklich der Fall ist. Dann beginnt er darüber zu sprechen, dass die Menschen sehr viel wichtiger sind als die Orangutans und dass es ihn nicht kümmert, wenn diese Orangutans aussterben. Und diese Zuckerpalmen? Palmen! Genau das Gleiche wie Ölpalmen! Beides Palmen! Er ist ganz offensichtlich verärgert über die Resonanz, die ich bekam, aber seine wohlformulierten Worte bekommen nur lauwarme Reaktionen von den Dorfbewohnern. Der Rest der Ansprache geht über Politik, aber wenn sie jetzt noch keine Straße haben, dann fragt einfach nur euren Bupati, etc.

Dann treten vier Unterdistrikt-Chefs vor und kündigen drei Dinge an, die sie entschieden haben. Das Erste ist, dass sie, alle Stämme rund um den Saran-Bergrücken, entschieden haben, dass die 20.000 Hektar an Wald auf diesem Berg für immer geschützt werden müssen, für das Wasser, die natürlichen Ressourcen und die Wildtiere! Dass es einen Wert hat als Ökotourismus- Wald mit seinen Höhlen, Wasserfällen und tausend farbigen Blumen. Hier folgt die Übersetzung ihrer offiziellen Erklärung:
Erklärung:
Heute, am 29. Januar 2012, erklären wir, das Volk des Saran-Bergrücken Gebietes und der benachbarten Gebiete:

     1.       Der Saran Berg, als der Ursprung der Quellen der Belimbing, Tempunak und Sepauk Flüsse,
               wird unser Naturschutzgebiet werden.
     2.       Das Gebiet des Saran Berges und die Umgebungen, die aus den Unterdistrikten Belimbing
               Hulu, Tempukan, Sungai Tebelian und Sepauk bestehen, bereiten sich darauf vor, der
               autonome Distrikt „Saran Berg“ zu werden.
     3.       Wir sind bereit Drs. Cornelis, MH, zu unterstützen, damit er für eine zweite Amtsperiode
               Gouverneur von West-Kalimantan wird.
 
Als sich der Gouverneur wieder hinsetzt, seine nächste Zigarette rauszieht, sage ich ihm „Sie können sehr gut mit Worten umgehen, Gouverneur!“, was er als großes Kompliment nimmt. Während es noch mehr Präsentationen gibt, beginnen Pater Jacques und ich eine ernsthafte Diskussion mit dem Gouverneur. Dass wir genau deswegen hier sind, um den Menschen zu helfen und dass die Menschen verstehen, worum es geht und dass sie uns gebeten haben, herzukommen und ihnen zu helfen. Zuckerpalmen, keine Dünger? Ich habe Experten, die sich mit organischem Dünger auskennen! Sie kennen sich nicht aus mit Bürokratie! Oh, Sie waren mehrere Jahre in der Regierung? Aber Sie wissen nichts über Politik! Verheiratet mit einer Politikerin in einer hohen Position? Was?!! Zuckerpalmen können mehr Profit bringen als Ölpalmen?... Stille… Aber das ist ein gesunder Wettbewerb, ich unterstütze das. In der Tat hat mein eigenes Dorf die Ölpalmen abgelehnt. Wir sollten uns noch näher unterhalten pak Willie. Später fragte mich der Chef des Planungsbüros, Dr. Robin, wann wir uns treffen können und uns noch weiter unterhalten können.

Die Einheimischen kommen sehr traurig auf mich zu und entschuldigen sich für die Worte des Gouverneurs. Und bekräftigen, dass sie sich an unseren Plan halten werden und es den Ölpalmen nicht erlauben werden, einzudringen. Später an diesem Nachmittag, gehe ich mit den Dorfältesten herum, um den Ort für das ökologische Langhaus zu sehen. Ich finde schnell heraus, dass das Treffen, das Arjen Spijkerman und Tim mit den Dorfbewohnern hatten, in einem unmöglichen Ort resultierte. Und der Chef der Traditionen, pak Apui, zeigt ein Gebiet auf, das nicht überflutet wird und wo das Langhaus vor dem majestätischen Hintergrund von großen Waldbäumen stehen kann und wenn man es aus einiger Entfernung betrachtet, mit dem Sarang Berg, der sich im Hintergrund aufrichtet.

Zurück zum Computer und wir überarbeiten den Plan. Eine zweite Inspektion und wir entscheiden, dass wir die richtige Stelle gefunden haben. Die Anlage passt wunderschön und alle Komponenten sind an den richtigen Plätzen. Dann ist es Zeit, um im Fluss mit den Dorfbewohnern für das abendliche Bad zu schwimmen. Nach dem Bad essen wir zu Abend, gefolgt von einem Treffen mit den Dorfälteren wegen des verbesserten Entwurfs und jeder ist glücklich, ganz besonders der Architekt Arjen. Dann werden Getränke hereingebracht und die Stimmung wird richtig festlich. Es stellt sich heraus, dass es der Geburtstag von Tim’s Freundin ist!

In dem Dorf neben der Stelle, an der die Zeremonie statt fand, versammeln sich alle einheimischen Menschen von weither und machen eine Open Air Disco mit dem klarsten Sternenhimmel, den man sich nur vorstellen kann, über uns. Es wird viele getanzt, getrunken und gesungen. Die Band schafft es fast jeden in Bewegung zu bringen. Sie bitten mich ein Lied zu singen, und während ich darauf warte, dass der Keyboarder die richtigen Einstellungen findet, erzähle ich einen Witz, den nur wenige zu verstehen scheinen. Naja, das traditionelle, indonesische Liebeslied, das ich singe, dringt zu ihnen durch. Nach ein paar zu vielen Umarmungen von betrunkenen, liebenswerten Dajak, ziehe ich mich in das Haus von pak Nayau zurück.

30-Januar-2012

Am Morgen begleite ich pak Nayau zu den Nachbarn des 1,3 Hektar-großen Gebietes für das Langhaus und sie alle stimmten zu und sind mit der Entscheidung der Älteren glücklich. Dann bereiten wir eine Zeremonie vor, um den ersten Pfosten des kleineren Langhauses zu setzen, in dem 32 Personen viel besser schlafen können und das am 20. März fertig sein muss. Pak Apui rennt los, um etwas guten Reiswein zu holen und pak Niat spricht die Dajak Gebete. Er ruft die 20 Götter des Waldes, der Flüsse, der Berge etc. an. Am Schluss bittet er sogar um die Unterstützung der neuen Götter, einschließlich des Gottes der Autos und Motorräder! Das führt zu ein paar Lachern! Ich muss zuerst den Reiswein trinken, dann wird etwas davon in das Loch für den Eisenholz-Pfosten gegossen und dann trinken wir alle, wonach Arjen stolz den ersten Pfosten seines ersten Langhauses setzt!

Pak Apui kommt mit dem Reiswein angerannt. Man kann deutlich erkennen, dass er dieses Ritual mit ihren Göttern genießen wird!

Pak Nayau tröpfelt etwas Reiswein in das Loch für den ersten Pfosten des kleinen Langhauses. Nachdem wir alle tranken. Pak Niat im Hintergrund hat gerade seine Gebete zu mehr als 20 Göttern beendet!

Dann gehen wir zu einem Spaziergang durch den 70 Hektar Schatzwald von pak Niat. Erstaunlich, was dieser Bienenhonig-Sammler erreicht hat! Er hat dieses frühere Grasland mit einem erstaunlichen Mix an lokalen Baumarten wiederaufgeforstet! Und wie sie wachsen! Er weiß genau, wann er welchen Baum gepflanzt hat! Mehr Überraschungen! Eine überwachsene Baumschule mit tausenden von sehr großen Setzlingen? Es stellt sich heraus, dass pak Niat einst von einigen Regierungsbeamten des Umweltministeriums besucht wurde und dass sie ihm sagten, dass er den Kalpataru bekommen sollte, den höchsten Umweltpreis in der Republik Indonesien, falls er nur noch eines mehr macht, wie eine Baumschule und noch mehr Setzlinge zieht, die woanders gepflanzt werden. So hat pak Niat mit seinem wenigen Geld Polybags gekauft und ging los um genau dies zu tun. Nun erzählt er traurig, dass diese Leute nie wieder zurück kamen… Und er hatte nicht das Geld diese Baumschule am Laufen zu halten! Nun, jetzt hat er es. Auf der Stelle stellen wir Agung ein, einen guten, hart arbeitenden, gescheiten jungen Dajak, der sehr erfreut ist, diese Herausforderung anzunehmen!

Mit pak Niat in seiner überwachsenen Baumschule. Pak Niat ist 65 Jahre und klettert einmal im Monat auf seine Honigbäume, um wirklichen Dschungel-Honig zu ernten.

Zusammen mit unserem Palmzucker-Experten aus Tomohon, Nico Tatontos, besuchen wir viele der Zuckerpalmen im gemischten Wald von pak Niat. Gutes Wachstum, aber kein Anzapfen? Nein! Im letzten Jahr hat er 300 Zuckerpalmen weggegeben, die als Gemüse bei großen Parties genutzt wurden! Wie schade! Aber er hat viele übrig und will diese schützen, damit sie eine der Hauptquellen zur Produktion von Ethanol für das ökologische Langhaus werden.

Nico schaut auf eine sechs Jahre alte Zuckerpalme. Sie wachsen extrem gut, gemischt mit dem Bambus und den Dschungelbäumen.

Wir gehen zurück auf etwas Kaffee und dann sagen wir auf Wiedersehen zur Schule. Als wir in die Schule gehen, ist gerade Biologie-Stunde. Ich entscheide also, mit Erlaubnis des Schulvorsitzenden, die Stunde zu übernehmen und frage die Kinder ob sie den grundsätzlichen Unterschied zwischen einem Orangutan und sich selbst nennen können. Sie können 50.000 Rupiah verdienen! Wow, Wissen ist Geld wert! Und dann fangen sie an. Sie kommen ganz nah ran, aber nicht nah genug. Ich hätte noch ein oder zwei Stunden weitermachen können, aber entscheiden dann, Kekse für alle zu kaufen, weil sie sich so sehr bemüht haben. Die Hauptlektion?  Wenn es so schwer ist, den wirklichen Unterschied zu benennen… haben wir dann das Recht, die Heimat der Orangutans zu zerstören? NEIN!!! ist die direkte und laute Antwort! Es lässt mein Herz jubeln! Hat der Gouverneur also Recht, wenn er sagt, lass doch diese Orangutans aussterben? NEIN!!! Wieder eine ganz klare Antwort. Wir gehen nach draußen für ein paar Fotos und die Schüler kommen alle, einer nach dem anderen, welch großartige Energie von diesen wundervollen Lächeln!

Es ist Zeit, um zu dem speziellen Badefluss im Osten des Dorfes zu gehen. Auf dem Weg dahin essen wir Cempedak. Pak Apui trifft seine Nichte und wir machen einige Fotos von ihnen mit uns. Der Fluss ist wundervoll. Besondere Tristaniopsis Bäume mit einer roten Rinde säumen das Flussufer. Das Wasser ist klar und schnell fließend. Sie wollen jemanden von Bandung bitten, ihnen zu helfen, eine Mini-Wasseranlage auch hier zu bauen. Dann ein sehr gutes Zeichen! Pak Apui zeigt mir eine hell gefärbte orange Spinne mit besonders langen Fortsätzen auf ihrem Rücken! Dies ist die Verbindungsspinne sagt er. Wenn besondere Gäste kommen, werden sie mit Glück für uns verbunden! Dies ist ein sehr gutes Zeichen! Alles wird gut! Wir machen Bilder von der wundervollen Spinne und dem Fluss und dann ist es Zeit für uns nach Sintang zurück zu kehren. Zeit für den Abschied.

Tim und Arjen werden dieses Dorf für lange Zeit verlassen. Es ist wirklich ein emotionaler Abschied für Tim, für den die Nayau Familie zu seiner eigenen Familie und kleinem Haus für 5 Monate wurde! Wie viel Liebe diese Menschen mit jedem, der sie besucht, teilen. Welch wunderbare, vertrauensvolle Kinder!
Das Auto kommt an aber pak Apui fragt, ob man nicht ein paar Bilder machen kann von seiner Tochter, die in einer wunderschönen Dajak-Tracht hier zu Besuch ist. Wir machen viele Bilder mit ihr und dem stolzen Pater und dann steigen wir in unser 4-Radantrieb-Fahrzeug zum mühsamen Trip zu den Palmöl-Plantagen. Entlang des ganzen Weges stehen Kinder und winken, während sie rufen „Auf Wiedersehen Mr. Joe“, Mr Joe, alias Jean Kern       was alles an Jean Kern gerichtet ist, der seine
                                                Heimat unter den wundervollen Dajak gefunden hat.   Glücksspinne


Nico Tatontos, unser Masarang Zuckerpalmzapfer geniest seine Zeit mit dem Dajak-Volk von Tembak. Er gab sogar sein Hemd an den Traditionschef pak Apui.

Als wir endlich im Kobus ankamen nach vielen Stunden Fahrtzeit, wollte Pater Jacques sofort alles über die neuesten Entwicklungen wissen. Und ich denke, es ist phantastisch, wie er so viele Dinge in den historischen und interpersonellen Gesamtzusammenhang bringt. Was für ein Hort des Wissens Pater Jacques doch ist. Manchmal braucht er etwas Zeit, um die richtigen Worte und Namen zu finden, aber er ist scharfsinnig wie immer. Er weiß genau was er will und wen er braucht, um es zu bekommen, was ich persönlich bestätigen kann…

Und ich liebe es, wenn seine Augen spitzbübisch leuchten, wenn er seine Abenteuer aus der Jugend erzählt. Wie er die Fußball-liebenden Studenten am Seminar unterstützte mit einem clever versteckten illegalen Radio, damit sie die neuesten Fußball-Ergebnisse hören konnten. Die Supervisors hatten nie den Verdacht, dass Jacques darin verwickelt war, da er Fußball überhaupt nicht mochte! Wie er 1957, als 18-Jähriger während der Sommerferien seinen Führerschein bekam. Und wie er das Fliegen lernte und seine Pilotenlizenz bekam. Und wie er eine Weltreise machte.

Das Letztere wurde bezahlt von dem Geld, das seine Mutter als Geschenk von den Gästen bei seiner Initiation zum Priester erbat. Sie wollte dass ihr Priestersohn wenigstens einmal etwas von der Welt sieht, bevor er in das dunkle und immer noch teilweise unbekannte Borneo geschickt wird. Es war also seine Mutter, die hinter dem Führerschein und der Pilotenlizenz steckte. Pater Jacques erinnert sich auch gerne an das Weihnachtslied „Die Herden lagen bei Nacht…“ welches er etwas mit einem Kassettenrekorder bei höherer Geschwindigkeit veränderte, was ihm fast den Platz im Seminar kostete, wegen der großen Entrüstung, die die älteren Mitglieder des Ordens bei der Weihnachtsfeier empfanden!

Ja, Pater Jacques ist ein Rebell, aber genauso wie mein verstorbener Freund Prinz Bernhard einer mit goldenem Herzen. Immer glücklich und fröhlich und bereit jedem zu helfen, unabhängig von Status, Einkommen, Rasse, Alter oder Geschlecht. Die Früchte in seinem Garten sind dazu da, um von den kleinen Gören gegenüber der Straße gestohlen zu werden, weil er genau das Selbe tat als er ein Kind war! Und er kann vergeben, jedem, sogar der Person, die immer noch versucht, alle seine guten Werke zu zerstören, nur wegen der großen Abneigung gegen seine Sekretärin. Was für ein erstaunlicher Mensch.

Ich wurde ganz besonders auf seinen Einfluss auf die lokale Bevölkerung aufmerksam und auf ihre Liebe zu ihm während unseres mehr als 12-stündigen Trips zurück von Martinus, als wir vier ungeplante Halts machten und an jeder Stelle die Menschen wie aus dem Nichts auftauchten, um ihn enthusiastisch zu begrüßen und ihn zu umarmen. Und sie erzählten aus der Zeit von vor 30 oder 40 Jahren, als er sie miteinander verheiratete, ihnen bei einem kranken Kind half etc. Ich war so berührt über diese Liebe, die diese Menschen so frei für diesen heiteren Priester ausdrückten. Der Taxifahrer sagte mir, jetzt würde er erkennen, dass er gerade eine sehr wichtige und berühmte Person fährt!

Jacques ist immer noch sehr fit. Sicherlich braucht er sein Nachmittags-Nickerchen, oder am Abend, wenn er entscheidet, dass es Zeit ist, schlafen zu gehen, völlig egal, wer gerade da ist, er geht einfach. Er arbeitet jeden Tag mit seinen eigenen Händen, bis er schwitzt in seinem wundervollen Garten hinter dem Kobus Haus. Und stundenlange Spaziergänge im Wald machen ihm nichts aus, er hat mehr Kondition als junge Menschen. Ich bin sicher, es hat etwas mit seiner positiven Einstellung zum Leben zu tun, mit dem Wissen, dass er soviel Gutes tut für die lokale Bevölkerung und die Natur. Auch sein selbst-ironischer Humor und die tiefen Einsichten, wie auch das großartige Sozialleben, das er führt mit all den Gästen und emails aus aller Welt, müssen zu seiner perfekten Gesundheit beitragen. Jedem wurde sein berühmter lokaler Tuak Reiswein serviert, jeden Tag liebevoll gebraut für ihn von einer Gruppe von alten Dajak Frauen, auf der Terrasse, die den Garten überblickt und den Dschungel hinter seinem Haus. Pater Jacques inspiriert die Menschen dazu, zusammenzuarbeiten und Lösungen für Probleme zu finden, bei denen es keine Verlierer gibt. Er ist hier wirklich die einzige Person, die zu den Chinesen, den Muslimen, allen Dajak-Stämmen, den Bürokraten und Menschen wie mir selber reden kann. Er hört zu und teilt und ist streng bei seinem Rat, keine Gewalt einzusetzen. Er ist ein wundervoller Mann und er ist mein Freund.

Nachdem Pater Jacques die ganze Information aufgenommen hat und analysiert hat, gehen wir zu dem nahegelegenen Hügel und untersuchen den Friedhof mit den sehr alten Bäumen, für den Pater Jacques bereits einen genialen Plan skizziert! Ich besuche auch zusammen mit Dudung, das Land von Pater Piet. Ich arbeite mich mit ihm durch die Zeichnungen des kleinen Langhauses und dann arbeiten wir weiter an dem Design der Mini Ethanol-Fabrik. Er weiß ganz genau die Stelle, wo sie hin soll, und er hat recht! Wir vermessen es und setzen Markierungen wo sie hin soll. Perfekte Steigung, genügend großes offenes Areal, sicher. Von hier ausgehend werden wir viele Menschen darin trainieren, wie sie dies selbständig zum Laufen bringen und werden die Technologie und die qualitativ hochwertigen Setzlinge zu ihren Dörfern bringen.

Am Abend noch mehr Besuche zum Networking und als seltene Gelegenheit Pater Piet, dessen Augen eine Operation benötigen. Morgen werden wir ein Treffen mit dem Bupati und allen Offiziellen des Sintang Distrikts haben. Mein guter Freund letcol Firly wurde vor ein paar Wochen befördert und wurde aufgefordert sich mit einer besonders unruhigen Region zu beschäftigen. Ich hoffe, ich werde seinen Nachfolger, letcol Oktavianus kennenlernen. Es ist 2 Uhr, als ich das Licht ausdrehe.

31-Januar 2012

Frühes Frühstück auf der wunderschönen Kobus Terrasse. Man kann dies nicht in Geld ausdrücken! Dr. Sri kommt an und wir bringen Juvi und Jojo zusammen. Augenblicklich haben sie nur noch Augen füreinander und nichts anderes. Es ist so gut, dass Juvi alle Tests bestanden hat und nun parasitenfrei ist! Nach einer Stunde erlauben wir Jojo, der sein Gegenstück gefunden hat, in einen eigenen, benachbarten Käfig zu gehen. Jean hat wundervolle Bilder von diesem ersten Zusammentreffen gemacht!

Pater Jacques mit all den Gesetzeshütern des Sintang Distrikts

Dann ist es Zeit zum Bupati zu gehen. Reihe um Reihe Beamte, einige Athleten stehen auf dem Rasen und dann ertönt die formelle Sequenz der Nationalhymne, die 5 Grundprinzipien der Pancasila und der Moment der Stille zum Gedenken an die Gefallenen. Der Bupati hat Gewicht verloren, aber ein paar seiner Angestellten haben deutlich zugelegt, wie ich bemerke… Gutes Networking mit dem neuen Polizei-Chef Drs. Oktavianus, mit dem Vorsitzenden des Parlaments, dem Armee-Chef und natürlich dem Bupati selbst. Weitere Treffen werden ausgemacht. Ich muss nun zurück eilen und das Flugzeug nach Pontianak und Jakarta bekommen.

Während ich in Kobus packe… Kein Flug, sorry, das Flugzeug ist noch nicht fertig! Awwww. Ich habe morgen ein paar wichtige Treffen in Jakarta, neben anderem mit dem britischen Botschafter. Nicht gut. Ich buche also ein Ticket für eine Autofahrt nach Pontianak, was mich eine Nacht ohne Schlaf kosten wird und empfange noch ein paar mehr Gruppen von Menschen, um über die Zuckerpalmen zu reden! Ein nettes letztes Abendessen unter dem Gemälde des letzten Abendmals in der Kobus Foundation und dann nach einem letzten Besuch bei einem Mr. Hendra, der während des chinesischen Neujahrs nicht hier war, steige ich ins Auto. Und das bringt mich wieder zu der Straßenseite, von wo aus ich einen Teil dieses Blogs schreibe.

Nun, viel aufzuholen in Jakarta, und in Samboja Lestari, wohin ich als nächstes fliegen werde. In Jakarta freue ich mich ganz besonders auf ein Treffen mit Wisnu, meinem früheren Assistenten, der wieder in den Dienst beim Forstministerium gerufen wurde. Danke dafür, dass Sie diese Momente aus einem Leben für den Umweltschutz im fernen Indonesien gelesen und verfolgt haben. Es folgen noch ein paar Bilder mehr.

Willie Smits



Treffen mit Pater Piet in der Mitte, der Konstrukteur des Langhauses links und Arjen Spijkerman rechts. Diskutieren die erste Phase der Konstruktion.

Dies ist die Stelle, an der das Langhaus gebaut werden wird, zwischen den großen Waldbäumen und an der Seite eines kühlen Teichs. Umgeben von Dschungelgeräuschen und fließendem Wasser.

So wird das neue Langhaus aussehen. Eine Kooperation zwischen dem indonesischen preisgekrönten Architekten Yori und dem holländischen Landschafts-Architekten Arjen Spijkerman.

Das Poster über der Straße für den Besuch des Gouverneurs zeigt das Logo einer politischen Partei… Auf der rechten Seite der majestätische Saran Berg über den viele Geschichten existieren.

Vorne Arjen Spijkerman und Tim van Gorkum oben rechts, der im Haus von pak Nayau (rechts von mir, Nico links) und seiner Familie wohnte. Auch im Bild pak Apui und seine Tochter.
 

Diese Bilder wurden von einem der Dorfkinder geschossen mit der großen Kamera von Jean Kern. Es ist wirklich interessant, was die Kinder selbst fotografieren!