Neng

Neng


Montag, 05-Juli-2010
 
Ein weiteres wundervolles Frühstück auf der unteren Terrasse des Kobus Centers mit Vater Jacques und Dwi und dem ganzen Team. Es gibt ein paar holländische Köstlichkeiten auf dem Tisch und sogar etwas von dem wundervollen holländischen Käse, den Vater Jacques manchmal von seinen Besuchern bekommt. Wenn wir nun noch braunes Brot bekommen könnten, statt diesem bröseligem weißen Zeugs, das wir hier in Sintang kaufen. Dann gibt es einige Früchte und Eier von den Dorfhühnern und natürlich zahlreichen Nachschub an lokalem Kaffe, meinem persönlichen Biosprit.
 
Wir machen unsere Morgeninspektion durch die Gebäude, besuchen die Orang-Utans und bereiten das Team für die heutige Rettungsoperation vor. Dann ist es Zeit zum örtlichen Naturschutzbüro zu gehen. Es gibt einen Forstpolizisten im Büro, der uns herzlich grüßt. Er kam vor wenigen Wochen zur Operation. Er ruft nach Pak Arif, seinem Vorgesetzten, der uns sagt, dass Pak Suparto, der Chef des Ministry of Forestry Nature Conservation Büros in Sintang (namens KSDA), in Pontianak ist. Wir erzählen ihm, dass der General-Direktor herkommen wird, nur um die Orang-Utan Problematik von West-Kalimantan zu besprechen in einem Treffen, das wir durch das O-Team und die guten Verbindungen von Dr. Togu Manurung, dem Geschäftsführer von BOS, organisiert haben.
 
Als wir über eine Rettung reden, ändert Arif die Geschichte und frustriert sie mit der Tatsache, dass wir die Babies im Banim Wald hinter dem Kobus-Zentrum spielen lassen! Sie haben noch keine Erlaubnis dafür erteilt! Wie immer kommt die Bürokratie hoch! Vater Jacques erklärt, dass wir bereits einen Brief vom örtlichen Tourismus-Ministerium haben, der besagt, dass sie offiziell dazu berechtigt sind, diesen Wald zu managen und dass wir eine schriftliche Erlaubnis von ihnen haben, dass wir den Wald im nicht-Besucher Teil haben, in dem wir die Orang-Utans trainieren können. Und Sie haben eine Kopie dieses Briefes erhalten. Aber das ist nicht fair! Unsere Forstuniform bedeutet etwas! Wir haben ihnen nicht gesagt, dass wir zustimmen! Aber, frage ich, stimmen Sie nicht zu, dass diesen Orang-Utans geholfen werden muss? Und welchen möglichen Einwand können sie haben? Was kann daran schlecht sein, ein paar Orang-Utans im Wald wo sie hingehören spielen zu lassen? Aber egal Pak Arif, unterbreche ich, wenn es ein Missverständnis zwischen den Institutionen gegeben hat und wenn Sie denken, dass wir Teil daran haben, entschuldige ich mich. Können wir uns nun auf den eigentlichen Zweck unseres heutigen Besuches konzentrieren?
 
Ich erkläre, dass COP einen Orang-Utan namens Neng gefunden hat, im Danau Sentarum Gebiet, das unter KSDA’s Jurisdiktion steht. Sie ist seit Jahren unter schlimmen Bedingungen angekettet und Hardi und sein Team haben lange mit dem „Besitzer“ gesprochen und er hat gesagt, wenn es offiziell ist, dass er nicht bestraft wird, und der Orang-Utan offiziell übergeben wird, dann wird er sie loslassen. „Ich habe einst in diesem Dorf gearbeitet!“ sagt Arif, ein stämmiger Mann mit einem jener Schnauzbärte, die ihn noch beeindruckender machen und der laut Vater Jacques immer Ärger macht. Weshalb fahren wir denn dann nicht zusammen, schlage ich vor, und sie machen eine nostalgische Reise. Er wird spaßig und es ist einfach, also keine Probleme von der Seite, nur ein paar Unterschriften unter ein paar Papiere damit der Orang-Utan an Sie übergeben wird. Nun, aber der Typ, der den Brief schrieben muss ist noch nicht hier… Und vielleicht habe ich auch noch anderes zu tun… Was ist mit ihm (sorry, aber ich hae seinen Namen vergessen…), frage ich. Nun ich bin dazu eingeteilt, die Feuerwache heute zu  halten… Aber wir haben jeden Tag Sturmregen!! Ich rufe von welchem Feuer sprechen Sie denn???!!! Naja, Sie wissen, es ist meine Pflicht und wir müssen ohnehin auf den Schreiber warten. Aber Sie können es mit der Hand schreiben! Haben Sie keine fertigen Kopien? Die Regularien legen ganz klar fest, welche Information gesammelt werden muss, wenn ein Orang-Utan übergeben wird, aber nicht auf welchem Formblatt das stehen muss! Es muss nur unterschrieben sein!
 
Pak Arif sagt dann, naja okay, ich werde die Forstpolizei finden, die euch dann begleitet und wir werden den Brief fertig haben. Großartig! Danke, Danke! Mit einem Gefühl der Erleichterung mieten wir augenblicklich den Pick-up an, machen den Transportkäfig fertig, die Ärztin inspiziert ihre Ausrüstung noch einmal, das Narkosemittel wird für alle Fälle vorbereitet da dieser Orang-Utan bereits 7 Jahre alt ist, das zweite Auto in dem das Team fährt kommt an und bald fahren wir zurück zum Forstbüro.
 
Niemand!!! Aber im Gebäude links neben der Tür, das Teil des Forstkomplexes ist, sehen wir Pak Arif Billard spielen. Wir rufen ihn also. Wir werden gebeten zu warten. Als er kommt sagt er, er hat gerade mit dem Chief in Pontianak gesprochen und ihm wurde gesagt, dass sie nicht mitkommen. Was???!!! Aber das ist ihr Routine-Job! Nein, der Boss sagt, wir warten auf noch mehr Papiere und Verträge, die zuerst gemacht werden müssen in Pontianak und Jakarta. Aber diese Orang-Utans draußen, die sterben! Ich koche und bin extrem wütend! Gebt mir Pak Parto’s Telefonnummer! Er macht es, aber als ich die Nummer wähle, stelle ich fest, dass es genau in diesem Augenblick ausgeschaltet ist! Ich versuche einen anderen Beamten in Pontianak, dasselbe, Telefon aus! Warum probieren Sie es nicht über Ihr Telefon Pak Arif, schlage ich heftig vor, finden Sie jemanden, der mit mir spricht. Nun, mein Telefon hat keine Batterien mehr, und bevor ich es testen kann, nimmt er seine Batterien aus seinem Telefon! Ich sage ihm unzweideutig, dass dies Konsequenzen haben wird. Ich werde dies offiziell nachverfolgen!
 
Dann macht er einen schweren Fehler! Na, warum regt ihr euch denn so auf!? Wenn die Orang-Utans in einem genug großen Käfig sind und gut gefüttert werden, was ist daran falsch? Jetzt werde ich erst richtig wütend. Wissen Sie Arif, dass der Orang-Utan den höchsten Schutzstatus von allen nicht-menschlichen Lebensformen in ganz Indonesien genießt? Wissen Sie, dass der Orang-Utan bereits seit dem „Wildordonnantie“ aus dem Jahr 1921 geschützt ist? Wissen Sie, dass nur der Präsident mit seiner persönlichen Unterschrift jemandem das Recht geben kann, einen Orang-Utan zu besitzen? Wissen Sie was mit den Wäldern ohne das Vorhandensein von Orang-Utans geschehen wird? Realisieren Sie, dass unabhängig von den Käfigen, die Orang-Utans selbst langsam aussterben?!!! Kennen Sie das Dekret Nummer 280 des Forstministeriums von 1995 über die Orang-Utans? Arif, der höherrangige Forstbeamte erkennt klar, dass er einen Fehler gemacht hat und dass er sich besser um die gesetzliche Grundlage kümmert, bevor er wieder so etwas sagt.
 
Ich bin wütend, aber es gibt keinen Weg, wie ich von diesem Büro in Sintang Hilfe bekommen kann. Ich muss wieder ein offizielles Verfahren gegen das Naturschutzbüro beginnen. Warum können diese Jungs nicht einfach tun, wofür sie bezahlt werden! Verärgert gehe ich zurück zu den Autos wo die anderen warten. Los! sage ich. Lasst uns gehen, ich erkläre es euch später. Als wir die Grenzen von Sintang verlassen haben, diskutiere ich mit Hardi was wir tun. Auf gar keinen Fall werden wir, nachdem wir soweit gekommen sind, Neng noch länger leiden lassen! Hardi sagt, dass wir, wie meistens, die örtliche Polizei und den Dorfhäuptling um Hilfe bitten müssen. Sie können uns ebenfalls offiziell helfen, die Orang-Utans zu bekommen. Ich erinnere mich, wie wir einmal in Nord-Sulawesi nur die Wasser-Polizei hatten, die bereit war mit uns Holzdiebe zu fangen! Das ist so frustrierend… Okay, wir fahren weiter auf den immer schlechter werdenden Straßen.
 
Nach 1 Stunde Fahrt, werden die Straßen schlechter und schlechter, und die Zahl der Ölpalm-Trcucks steigt stetig an, die die korrupten Straßen ruinieren. Korrupte Straßen? Ja, wirklich. An manchen Stellen ist der Asphalt nur 1 Zentimeter dick! Offiziell soll er 5 Zentimeter haben. Ein netter quantitativer Beweis wie 80% des Geldes auf illegalem Weg verloren geht! Und an manchen Stellen gibt es nicht einmal Grundgestein! Sie haben nur den Dreck eingeebnet, ihn verdichtet und eine super dünne Asphalt-Schicht direkt oben drauf gepackt! Die Trucks sind schwer beladen mit Ölpalmbündeln oder gestohlenem Hartholz und haben kein Problem damit, solche Oberflächen zu zerstören, sehr zum Schaden aller.
 
Wir fahren an einer Gruppe von Holztransportern vorbei und halten an. Ein paar Kilometer zuvor sahen wir, wie Bulldozer das Terrain komplett bloß legen für Ölpalmen, auf viel zu steilen Hängen und in viel zu guten Wald! Wir machen viele Bilder. Von diesem Punkt aus sehen kann man die großen gestohlenen Stämme, die Entwaldung von qualitativ hochwertigem Wald und die Ölpalmen erkennen! Ein Typ namens Agus aus Flores, der aber bereits seit 20 Jahren hier mitten im Nirgendwo lebt, kommt zu uns und fragt von wo wir her sind. Hardi spricht ihn geschickt an und findet heraus, dass die Palmölfirma, die das Holz stielt, RAP oder RAB heißt und dass sie es in der Tat aus Schutzwald nimmt. Er beschwert sich, dass diese großen Jungs machen können was sie wollen und „wir das arme Volk können nicht mal totes Holz nehmen um uns ein Haus zu bauen!“ Hardi denkt, er weiß zu welcher Firma diese RAP oder RAB gehört, aber ich will warten, bis wir das bestätigt haben. Wir haben das Ganze auf Video!
 
Ein Schwein und ein paar Hühner streifen die Straße entlang auf der etliche Palmölfrüchte liegen. Ich nehme ein paar der reifen Früchte für Fotos. Hardi erzählt mir, dass es viele arme, landlose Menschen gibt auf Sumatra, die wie die Orang-Utans auch keine andere Wahl haben, als diese öligen Früchte zu essen, um zu überleben. Ich beschließe deshalb ein paar der Früchte zu essen. Zunächst schmecken sie gar nicht so schlecht. Irgendwie nussig, aber die fette Substanz hat eine nette Textur, die Fasern sind weiniger angenehm zwischen meinen Zähnen. Als wir weiter zu unserem Ziel fahren, der Befreiung Nengs, merke ich wie es anfängt in meinem Hals zu brennen und wenige Minuten später wird es schlimmer und nun spüre ich ein sehr adstringierendes Gefühl das mir den Hals zusammenschnürt. Meine Stimme fängt an rau zu werden und bald kann ich kaum noch sprechen und habe auch Atemprobleme. Ich kann jetzt das Brennen den ganzen Weg runter in meine Speiseröhre spüren und der Magen fühlt sich auch nicht gut an. Dann Kopfschmerzen im vorderen Teil meines Kopfes. Nach ungefähr 1 Stunde wird das Gefühl weniger und nach 3 Stunden ist alles wieder normal, auch meine Stimme. Wie können Menschen und Orang-Utans so etwas essen? Nur aus reiner Verzweiflung! Oder vielleicht gewöhnen sich ihre Körper mit der Zeit daran? Keine Ahnung, aber ich habe Mitgefühl für sie.
 
Und weiter geht’s. Wir halten an einer Polizei-Station, aber Hardi kommt schnell wieder zurück. Wir brauchen einen Polizisten, der näher an unserem Ziel ist. Ich frage den Fahrer, ob es noch weit ist und er bejaht. Aber später, als Hardi fragt, sagt er, nein, wir sind ganz nah. Doch dann kommt heraus, wir sind noch Stunden entfernt!! Warum sollte er einer weißen Person eine andere Antwort geben? Wir bleiben mit den Autos im Dreck stecken, aber nach einigen Versuchen schaffen wir es bis zum Dorf, unserem Ziel. Aber nein… wir müssen immer noch einige Schnellboote bekommen, um den Käfig aufzuladen und eine weitere Stunde über den Kapuas-Fluss bis zum Danau Sentarum Gebiet. Es ist erstaunlich, wie Hardi und sein Team die Orang-Utans in diesen abgelegenen Plätzen findet!
 
Wir fahren an einem Friedhof vorbei, vor dem ein Schild steht “Kümmert euch um eure Umwelt für die Zukunft eurer Kinder und Enkel”. Wir senken den Käfig ab, vorne ins Schnellboot. Es wird bald dunkel und wieder wird uns die Polizei hier nicht treffen, weil ein neuer Posten im Dorf von Limbau wohin wir fahren eingerichtet wurde. Mit viel Mühen schafft es das Boot, die „Flug-“Geschwindigkeit zu erreichen und seinen Körper über das Wasser zu heben. Ich beobachte unseren Weg mit dem iPhone und Google Earth. Schließlich, während die Sonne bereits anfängt unterzugehen erreichen wir das Dorf. Unser Boot mit dem Käfig kommt zuerst an. Sofort führt uns unser Informant vor Ort durch das Labyrinth von hölzernen Stegen und dort sehe ich Neng! Sie sitzt am Ende dieser Holzstege über dem Wasser, eine Kette um ihren Hals, die ihre Bewegungen einschränkt auf höchstens einen Meter, gemessen von dem Eisenholz-Poller an dem die Kette dauerhaft festgemacht ist! Sechs Jahre! Sechs Jahre in der stechenden Sonne, im strömenden Regen, ausgesetzt den Kindern, die sie quälen! Sie ist wie Pingki aus Sintang schwarz von der Sonne und dünn wegen dem falschen Futter.
 
Ich gehe sofort zu Neng hin, die versucht auszuweichen, aber meine Qietschlaute interessieren sie und sie lässt mich ihre Hand anfassen. Dann bewege ich mich zu ihr hin, lasse sie in meine Hand beißen und dann macht es klick! Kein schlechter Kerl! Ich fange an sie zu streicheln, was ich die nächsten Stunden non-stop mache. Neng kann es nicht glauben. Ich sitze auf einem einzelnen Holzbrett und dann erscheint Herr Saparudin. Er ist der ältere Bruder der Person, die den Orang-Utan besitzt und sagt, dass er ihr manchmal eine Banane gibt. Was sonst? Nun, sie bekommt Reis… dreimal am Tag. Und manchmal wenn von Fang etwas Fisch übrig ist. Saparudin setzt sich etwas weg von mir und Neng und jedesmal, wenn er Neng anschaut, versucht sie sich hinter meinem Rücken zu verstecken. Milch? Sir, wir können uns nicht mal selbst Milch leisten, wir sind nur arme Fischerleute. Jedes Jahr gibt es weniger Fisch wegen der Verschmutzung und immer mehr Leute, um sich den Fisch zu teilen.
 
Es fängt an zu regnen, Richard und Robin beobachten, wie ich mit Neng dasitze. Hardi ist weg beim lokalen Polizist und dem Dorf-Häuptling. Mein Hintern und mein Rücken tun weh, aber ich habe nicht die Absicht Neng auch nur eine einzige Sekunde alleine zu lassen. Ich beuge meinen Oberkörper zu ihr hinunter so dass ich sie vor dem regen beschützen kann und sie legt ihren Kopf in meinen Schoß und bedeckt ihn mit ihren Händen, und bald schläft sie… während ich sie weiterhin sanft streichle. Saparudin erzählt, wie sein Bruder Neng bekam, was Mädchen in ihrer Sprache bedeutet, im Lanjak Gebiet etwa 4 Stunden per Boot von hier entfernt. Er hat sie von einem lokalen Jäger gekauft, der, wie kann es anders sein, ihre Mutter aufgegessen hat. In den ersten Monaten war Neng immer noch niedlich und klein und hat im Haus auf den Holzstelzen über dem Wasser, im Bett der Kinder seines Bruders geschlafen. Aber sechs Jahre später ist sie hier angekettet, weil sie irgendetwas Hässliches getan hat. Der Schlüssel? Nein, es gibt keinen Schlüssel mehr. Ohne uns hätte Neng hier angekettet an dieses Holzbrett sterben müssen...
 
Es ist nicht leicht, die Fassung zu bewahren. Ich habe so Mitleid mit Neng. Mein Rücken schmerzt mehr und mehr, aber Hardi arbeitet immer noch an den Papieren, was wie ich weiß nicht leicht ist, da wir niemals Bestechungsgelder bezahlen, etwas was für die Leute so logisch ist. Saparudin spricht auch über eine Kompensation. Ich erkläre, dass wir wegen ihnen einige 100 Millionen Rupiah für Neng bezahlen müssen, bevor sie wieder frei leben kann. Ich spreche über die Regularien, die Krankheiten, die ganze Sache… Dann endlich höre ich wie Hardi kommt! Ja! Er hat die Papiere von der Polizei und dem Dorf-Häuptling! Aber der “Besitzer” ist noch nicht da! Ich sage Richard, er soll mir jetzt den vorbereiteten Eisenschneider geben um nun die Kette durchzuschneiden. Wir hatten Spaß dabei, das Gerät im Center bei Vater Jacques auszuprobieren, in dem wir so taten als ob wir einen Zahn aus Richards Mund ziehen… aber nun ist es verdammt ernst und traurig. Ich habe Schwierigkeiten das Ding auszubalancieren, während ich versuche es richtig zu positionieren, damit ich das Schloss zerschneiden kann. Endlich schnappt das Schloss und mit Schwierigkeiten erhebe ich mich und führe Neng zu der Plattform am dem Haus auf Stelzen. 
 
Menschen kommen von überall her. Ich habe Richard gebeten einige Früchte und Erdnüsse zu besorgen und Neng isst nun mit Eifer ihre beste Mahlzeit seit sechs Jahren… Wir können nicht weggehen, so lange der „Besitzer“ angerufen wird und gesagt wird, er sei auf dem Weg. Es ist nun völlig dunkel und ziemlich kalt über dem Wasser des Sees. Schließlich zeigt sich Mashuni. Ich bin recht kurz angebunden mit ihm, da ich nach 7 Stunden auf der Straße hierher müde bin und dann auf ihn gewartet habe. Er versucht Neng zu berühren, aber Neng versucht ihn zu beißen und schlägt nach ihm. Als er wieder seinen Arm ausstreckt, schmiegt sie sich komplett in meinen Schoß und schleißt meine Arme um sich herum. Sie hat all ihr Vertrauen in mich gelegt! Hardi hilft und bringt den Mann dazu das Papier zu unterzeichnen und wir können nun gehen. Die Ärztin fragt, ob wir Neng schlafen legen sollen, aber ich verneine. Ich stehe auf und bitte Neng mitzukommen während ich die Kette halte, die immer noch locker um ihren Hals liegt. Und sie kommt! Sie folgt mir auf den Holzbohlen, möchte nichts anfassen, möchte nicht weglaufen, sie möchte mit mir mit kommen! Mit einiger Schwierigkeit kraxelt sie zum Boot. Dort bekommt sie Angst vom Holzsteg zum Boot zu gehen und ich trage sie, balanciere mich und Neng sehr vorsichtig ins Boot.
 
Schließlich legt das Boot ab! Es regnet und es gibt keinen Schutz. Neng entdeckt, dass es hinter dem Plexiglasschirm des Bootes weniger Wind und Regen gibt. Wir werden alle völlig durchnässt und sehr kalt durch den Wind des schnell fahrenden Speed-Boots. Ich habe gebeten uns direkt nach Sintang zu bringen, aber der Fahrer hält in Suwai. Ein anderes Boot wird uns aufnehmen. Der Preis ist wieder angestiegen… Ich rufe Hardi an, aber er steckt fest, ihr Boot ist kaputt, es regnet heftig und das Licht am Boot funktioniert auch nicht. Als das andere Boot kommt, noch mehr Gespräche… Neng versteht nicht, was los ist. Nachdem wir den Treibstoff bekommen vom einzigen Platz, der noch offen hat, wechseln wir mit Neng das Boot, die das gut mitmacht. Und los geht’s. Zumindest denken wir das. Das Boot kommt nicht aus dem Wasser. Zu schwer. Nach fast 1 Stunde verschwendeter Zeit, sind wir da zurück wo wir herkamen und ich beschließe auszusteigen und Richard, Robin und die Tierärztin Neng nach Sintang über den Fluss zu nehmen. Ich bezahle, telefoniere mit Vater Jacques und Dudung und los geht’s mit ihnen. Sie schaffen es gerade so aus dem Wasser zu kommen. Bald gibt es etwas mehr Treibstoff und das Boot wird besser fliegen.
 
Ich finde meinen Weg zurück wo wir die Autos geparkt haben und treffe die Fahrer unter einem kleinen Dach. Der Direktor der lokalen Schule kommt zu uns. Ein schlauer Bursche namens Eddy. Er will mir ein paar chinesische Antiquitäten verkaufen. Dann zeigt er mir ein paar Bilder auf seinem Telefon von einer merkwürdigen Eidechse mit einem roten Kopf. Er sagt, dass es die einzige ihrer Art ist, die je gefangen wurde und dass ich zugeben muss, dass ich sie auch nicht kenne. Ich biete allen hier Kaffee an und der Lehrer lädt mich in sein Haus und zeigt mir die Eidechse. Dann, während ich in seinem Haus bin, bekomme ich einen Anruf von der Talk Show „Kick Andy“. Ich habe keine Ahnung was das ist, aber jeder hier erklärt mir, dass es etwas sehr Besonderes ist. Sie interviewen mich zu meinem Hintergrund und der Lehrer und seine dazu gestoßenen Freunde hören mit großem Interesse zu. Ich bekomme frischen Kaffee in dem mittelgroßen Haus während ich das Interview beende. Sie möchten, dass ich nach Jakarta komme in die Talk-Show.
 
Dann gehen wir zurück zum Hafen. Es ist nun fast 1 Uhr morgens. Immer noch unterhalten sich ein paar Leute. Und Hardi kommt endlich und wir starten unsere grausame Tour zurück nach Sintang. Der Fahrer ist unglaublich. Wir fahren wieder an den silberscheinenden Zäunen der Arwana-Fischteiche vorbei. Große Häuser, aber nicht mehr länger wie ich höre. Die Pestizide im Wasser scheinen die Fischproduktion zu beeinträchtigen. Der Arwana ist ein wunderschöner Fisch aus den Sümpfen Borneos. Die aus West-Kalimantan sind besonders begehrt. Ich bekomme eine SMS von Simon, dass das Boot sicher angekommen ist. Die Crew ist fast verfroren. Am Center wurde Neng’s Kette abgenommen und sie bekommt einen großen Käfig mit Blättern und gutem Futter. Wir kommen um 4 oder 5 Uhr an, ich habe es vergessen, da ich so müde war. Dudung öffnet die Tür und Vater Jacques wacht auch auf. Wir teilen uns eine Flasche Palmwein und dann kann ich endlich zusammenbrechen. Ich bemerke noch vage, dass Hardi ein Problem mit seinem Fuß hat, aber ich bin wirklich fertig für heute.