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Willie's Blog: Mimi

Willie's Blog: Mimi

 Mimi

"Guten Morgen, pak Willie, wie geht es dir heute?“ ruft eine helle Stimme von der anderen Seite des kleinen Teiches hinter dem Haus, in dem ich momentan Gast bin. Ich bin in einem kleinen Dayak Dorf in Tembak, das aus 60 Familien besteht, die Stimme gehört Mimi. Mimi lebt nebenan. Und Mimi ist inspirierend.

Ich sitze auf einer Holzbank auf der Terrasse, die das alte und das neue Haus von Nayau verbindet. Nayau ist ein Nachkomme der Gründer von Tembak. Er gehört dem Stamm der Seberuang Dayaks an, einer Gruppe, die vor einigen hundert Jahren hier in diese Region gesiedelt sind, hunderte Kilometer südlich von Sedjiram, der Region aus der sie ursprünglich stammten. Das gehört zur Kultur der Dayak, wenn deren Dorf zu groß wird, und die Geh-Distanz zum Feld zu lange wird, dann übersiedelt entweder das ganze Dorf oder sie teilen sich in mehrere neue Gruppen auf.

Zu übersiedeln ist nichts Besonderes für die früheren Kopfjäger von Borneo. Der Wald ist ihr Zuhause und ihre Küche, und früher war überall noch Wald. Wenn der Boden rund um ihre Gemeinschaft weniger produktiv wird, weil er von zu vielen Menschen bearbeitet wird und die Abstände zwischen Abbrennen und Neupflanzen zu kurz werden, und der Weg zu weniger kultiviertem Land zu weit wird, dann nehmen sie einfach das Langhaus auseinander, stapeln die Balken aus Eisenholz und ziehen in eine neue Gegend, wo der Wald noch existiert  der Boden fruchtbar und das Wild und Fische immer noch vorhanden sind.

Ein typisches Dayak Langhaus, wo jeder die Freuden und Sorgen des Lebens teilt. Dieses Haus hier in Ensait Panjang, eine Autostunde nördlich von Sintang, wurde von Pater Jacques Maessen, einem früheren holländischen Priester,  der mittlerweile seit mehr als 45 Jahren mit den Dayaks lebt und arbeitet, vor der Zerstörung bewahrt.
 
Nun bauen sie ihr neues Langhaus aus dem alten Eisenholz, unterstützt durch Pfeiler und Brücken mit neu gesammeltem Material für den Boden und das Dach. Die alte Behausung wird ziemlich rasch vom zurückkehrenden Dschungel überwachsen und alles was bleibt, sind die kleinen toten Häuser aus Eisenholz, das die Knochen derer Vorfahren hält. Nach 200 Jahren gibt es keine Spur von dem Dorf, das es einmal war. Wie auch immer, die Dayak glauben, dass die Stimmen der Vorfahren immer noch dort sind und die Bäume, die sie pflanzten, immer noch Zeugen dessen, dass sie Teil dieses Waldes waren und eines Tages vielleicht wieder zurückkehren, wenn das neue Land erschöpft ist. 

Aber die neuen „Herren von Außen“ und die indonesischen Gesetze erkennen das Eigentum dieses, in deren Augen, stillgelegten Wald nicht an. Und somit beginnt die langsam immer schlimmer werdende Geschichte für viele der Dayaks.

Mimi lebt im Dorf von Tembak. Tembak ist immer noch sehr abgeschieden und hat immer noch sehr schlechte Straßenverbindungen. Es liegt cirka drei Stunden südlich der Stadt Sintang, die in der Vergangenheit der Hauptschauplatz für den Handel mit den Chinesen war, die Güter mit den Dayak austauschten. Die Dayak mussten tagelange Reisen flussaufwärts per Boot auf Indonesiens längstem Fluss, dem Kapuas, auf sich nehmen. Porzellanschalen und Salz gegen andere Dinge wurden gegen Rattan, Vogelnester, seltenes Harzmaterial und das Garaus Parfümholz, besser bekannt als Agar Holz, der „geheime“ Parfüm-Bestandteil, getauscht.
Ein Stück des kostbaren Agar-Holzes
 
Das Volk der Seberuang hat seine eigene Straße ins Dorf gebaut, welches zwar kein Langhaus mehr hat, aber es fließt der kristallklare Wasser des Jengkuat Flusses dahinter vorbei, der vom nahegelegenen Saran Berg herunterkommt. Der 1758m hohe Saran Berg, der immer noch mit dem ursprünglichen Dschungel bedeckt ist, den Mimi so gut kennt.
 
Mimi ist nur neun Jahre jung, aber sie kümmert sich um ihre sieben Jahre junge Schwester Pet. Die beiden leben in einem 2,5 x 3,5m großen Haus neben meiner Unterkunft bei Nayau. Diese Hütte, mit einem Dach aus altem Eisenholz-Schindeln und übergelassenem Material, um den Regen abzuwehren, ein paar ausrangierte Platten und Baumstämme als Wände, das ist ihr Wohnzimmer, ihr Schlafzimmer, ihre Küche - ihr ALLES. Mimi und ihre Schwester lebten früher in einem anderen Dorf, noch tiefer im Dschungel. Aber dann trennten sich ihre Eltern und sie wurden hier her gebracht, in die Gemeinschaft von Tembak. Tembak hat eine Schule, und Mimi musste erwachsen werden, als sie gerade erst sechs Jahre alt war...

Mimi hat langes, glänzendes, schwarzes Haar und ihr Lächeln strahlt über Meilen hinweg, wenn sie mich um 6:30 Uhr in der Früh von hinter dem Teich grüßt. Die Hähne krähen und die noch sehr schläfrigen Hunde strecken sich, während sie langsam in ihrer eigenen Welt erwachen. Die ersten Kinder spielen bereits vor dem Haus von Nayau. Seilhüpfen, Verstecken spielen, manchmal spielen sie mit kleinen Katzen. Kein Bedarf an Elektronik, einfach nur vergnügliches Interagieren der Kinder hier. Die Kleinen hier kämpfen nicht, sie teilen automatisch, das ist so normal hier wie Wasser trinken. Aber Mimi hat nicht viel Zeit, um mit den Kindern in ihrem Alter zu spielen. Sie ist der Familienvorstand und sie hat wichtige Aufgaben zu erfüllen.

 Das Haus von pak Nayau. Links das alte und rechts das neue Haus mit der Terrasse dazwischen, auf der ich während vieler nächtlicher Stunden schrieb. Mimi’s Hütte ist hinter dem Parabola rechts vom neuen Haus. Auf dem Feld vorne spielen die Kinder immer.   
 
Noch bevor das Licht aufgeht, nicht einmal fünf Uhr Früh, ist Mimi bereits aufgewacht von dem Bambusboden auf dem sie schläft, und der dünnen Matte, die sich selbst gebastelt hatte. Sie hat bereits Feuer gemacht an der Stelle von gestern, und sie gibt noch frisches, getrocknetes Holz dazu. Dann holt sie frisches Wasser aus dem Fluss und kocht es für den heutigen Tag. Wenn das Wasser kocht, füllt sie es in frisch gewaschene Flaschen - und das Trinkwasser für heute ist fertig. Dann kocht sie Reis mit dem Rest des Wassers und während der langsam köchelt, geht sie zum Teich, um sich selbst zu waschen, und von dort grüßt sie mich dann mit ihrer unglaublich positiven Stimme.
 
Mimi ist immer fröhlich. Genauso wie ihre Schwester Pet, die immer hinter Mimi her geht zu dem Badeplatz, den sie sich mit der Nayau Familie teilen dürfen. Diese beiden Kinder sind eine Familie, die kleinste im Dorf von Tembak. Mimis Vater kommt bestenfalls einmal im Jahr vorbei, und üblicherweise gibt er ihr dann ein bisschen Geld. Er ist ein Schweinejäger und lebt immer noch in der Gegend von Serpang, in einer Gruppe von Häusern, Pulau genannt. Seine Hütte liegt am Fuße des Saran Berges und grenzt direkt an die Wälder, wo er auf die Jagd geht nach wilden Ebern und manchmal einem Reh.

Ihre Mutter kommt normalerweise zweimal im Jahr und auch sie bringt manchmal Geld und Gewand für Mimi. Sie lebt in einem Goldgräber Camp weit weg, wo sie für die Männer kocht, und den Sand durchsiebt um den Goldstaub herauszufiltern, wo sie sich mit Quecksilber selbst langsam vergiftet…. Manchmal geht Mimi mit ihrer Schwester auch in das Dorf, wo ihr Vater wohnt, ca. 30 Kilometer entfernt, über alte, schlechte Straßen. Die Mädchen gehen barfuß, damit sie ihre Schuhe, die sie für die Schule brauchen, nicht zu sehr abgenützt werden. Mimi hat keine Angst, hier zu gehen, sie geht nicht alleine, sondern mit ein paar Menschen aus einem nahegelegenen Dorf. Aber selbstbewusst sagt sie, sie könnte das auch alleine. Eines Tages gingen Mimi und ihre Schwester sogar alleine über die Berge, aber sie verirrten sich, als sie ihre Mutter suchten, weil sie wirklich Hilfe brauchten. Glücklicherweise, nachdem sie bereits zehn Stunden unterwegs waren, half ihnen jemand, und die beiden Mädchen fanden schließlich das Goldgräberdorf, wo ihre Mutter lebt.
 
 
Dies ist Mimi’s Hütte zwischen den Bäumen auf einem kleinen Stückchen Land hinter dem Haus des Nachbarn, auf dem die Gemeinschaft in Tembak es Mimi erlaubt zu wohnen.(August 2014)

Nach dem Bad in der Früh ist es Zeit, den gekochten Reis zu essen, nebst ein bisschen gesalzenen Fisch. Mimi kocht auch ein paar Farnblätter, die sie am Weg gepflückt hatte, gemeinsam mit dem Reis. Manchmal findet Mimi auch die eigenartig lila gefärbten Samen der Kletterpflanze, die die Dayak „Remudang“ nennen. Die schmecken sehr gut, und Mimi weiß auch, welche Pilze nicht giftig sind. Der Reis, der Fisch und ganz selten auch ein kleines Stück Fleisch, das ihr Dorfbewohner geben, das ist ihre tägliche Routine. Genauso wie das Waschen der Wäsche der beiden Mädchen. Mimi und Pet schauen immer sehr sauber und gepflegt aus. Neben dem Fluss wachsen Bäume, mit deren Blättern sie die Wäsche reinigen kann.

Als Familie haben Mimi und Pet auch das Recht das Land zu nutzen, aber Mimi ist nicht stark genug, um ihr eigenes Feld zu bestellen, niederzubrennen, Reis anzubauen und sie muss ja auch in die Schule gehen. Aber sie pflanzt ein bisschen Chilli Pfeffer hinter dem Haus, den sie mit der Asche aus ihrem Feuer düngt. Sie ist gut darin, essbare Pflanzen im Wald zu sammeln und an die Dorfbewohner zu verkaufen, um ihr Schulgeld bezahlen zu können. Sie kennt bereits ein paar Medikamente aus dem Wald, wenn sie krank ist. Und sie kennt auch Pflanzen, die das Wasser ohne Zucker süß machen. Sie kennt die Vögel im Dschungel, Mimi ist bereits eine echte Dayak.


Mimi und ihre Scchwester Pet, bereit für die Schule in ihren frisch gewaschenen Grundschuluniformen. (März 2011)

Während ich immer noch tippe an diesem inspirierendem Platz hier, wo die Sonnenstrahlen durch den Rauch des Morgenkaffees strahlen, kommt Mimi beim Haus vorbei, wieder makellos in ihrer rot-weißen Schuluniform, und gleich hinter ihr - Pet. „Hab einen schönen Tag, Herr Willie!“ ruft sie mit ihrer immerwährenden Fröhlichkeit.
 
Mimi nimmt an den Dorf Treffen sein, so jung wie ist, als Leiterin einer kleinen Familie. Sie ist dort, als wir das Zuckerpalmenprojekt diskutieren, sie hört aufmerksam zu, wenn wir über die Orang Utans sprechen und die Klinik. Mimi möchte gerne Tierärztin werden und den Tieren helfen. Sie nimmt an der Ernte-Zeremonie teil mit den Dorfältesten, und sie ist in der nahegelegenen Schule sehr erfolgreich. 

Mehr noch, sie unterrichtet mittlerweile eine kleine Gruppe jüngerer Kinder!! Dieses kleine, hübsche Wesen ist eine solche Inspiration. An den Abenden lernt sie und macht ihre Hausaufgaben, während eine Kerze oder Bambus mit Harz gefüllt die ganze Nacht brennt, und Moskitos fern hält. 

Als ich anbot, dass Mimi in ein Internat in Sintang gehen könnte, organisierten die Dorfältesten ein Meeting. Das Ergebnis war, dass es besser für Mimi ist, hier zu bleiben, im Dorf, wo sie eine gute Position hat, alle könnten zusammen helfen und ein Auge auf Mimi haben, wenn sie Hilfe braucht. Es kam heraus, dass Mimi von den Dorfbewohnern Tee, Löffel, Fisch, Gemüse und Obst bekommen würde. Und das Geld, das sie von ihren Eltern bekommt, reicht für das bisschen Gewand, das sie und ihre Schwester brauchen. Ich erkannte, dass es nicht nötig war, dass ich mich hier einbrächte, und Dinge verändert wollte. Diese Dayak Gemeinschaft kommt auch gut ohne mich zurecht. Deren Art zu leben bringt so viel Fröhlichkeit für die Kinder hier und die Familien, mehr, als jeder moderne Komfort würde fähig sein, zu geben. Hier, im Dorf von Tembak ist das Leben schön und das Wasser ist sauber. Sie haben sich sogar ihr eigenes Wasserkraftwerk. Aber das Wichtigste: sie haben einander!!

Harte Arbeit ist keine Strafe. Sie kann Befriedigung geben und das Gefühl von Weiterentwicklung. Die Dayak sind glücklich, Mimi ist glücklich. Wenn ich viele dieser Dayak Gemeinschaften besuche, im Inneren von Borneo, dann macht es mich so wütend zu sehen, wenn die Menschen von „außen“ kommen und glauben, sie bringen den Menschen dort das „Vergnügen von Entwicklung“. Sie sagen „wir bringen euch Jobs mit unseren Öl-Palmen“, „Straßen, die euch den Zugang zur modernen Welt ermöglichen“, „eure Kinder können in den Städten studieren!“ Aber 90% der Dayak versagen nach dem ersten Jahr in einer städtischen Schule. Alkohol, Drogen, Handys, die Wunder des modernen Lebens…. Bald sind sie gebrochen. Und ausgelacht. Sehr oft kommen sie dann zurück in die Dörfer, erzählen ihren Eltern, sie sollen doch ihr Land verkaufen, dann können sie auch das Nachtleben in den Städten genießen.
 
Die vorangegangenen Absätze schrieb ich in etwa vor drei Jahren. Heute habe ich Mimi wieder getroffen. Ihre Hütte sieht immer noch gleich aus, aber sie hat sich ein bisschen vergrößert, es gibt ein paar Kochstellen mehr, und sie hat sogar eine Matratze. Sie und ihre um eineinhalb Jahre jüngere Schwester, 13 und 12 jetzt, kümmern sich um Indun, ihre kranke Mutter, die die Goldminen verlassen hat mit Fieber, und offenbar mit Mimi leben möchte. Letztes Jahr brachten sie noch zwei andere Kinder aus Mimis Geburtsort, aber die sind mittlerweile wieder woanders. So kümmert sich Mimi nun um eine vierköpfige Familie….


Mimi in ihrer kleinen Hütte im August 2014. Mehr Töpfe und Pfannen als damals als sie und ihre Schwester vor 7 Jahren anfingen als unabhängige Familie in dieser Hütte zu leben. Aber Mimi’s Lächeln, ihr Selbstvertrauen und ihre Freude hat sich kein bisschen verändert.

Ihre Mutter Indun, die nicht mehr arbeitet, ist nur 37 Jahre alt und heiratete, als sie gerade 12 Jahre war. Ihre älteste Tochter Onuk ist nun 23, und ihr ältester Sohn Dian ist nun 10 Jahre. Und nun lebt auch Dian unter der Obhut von Mimi, weil es in Pulau keine Schule gibt! Mimis Verantwortung ist um einiges gewachsen. Zwei Australische Lehrer, die unsere Projekte besucht hatten, haben einen Fond gegründet, sodass Mimi sich sogar neue Schuhe kaufen kann, was sie natürlich sehr glücklich macht. Sie ist nun 13 Jahre, und sie muss auch die Gummibäume neben der Schule anzapfen. Während der Schulferien verdiente sie 10 US Dollar in sieben Tagen harter Arbeit. Und sie ist stolz, ihrem kranken Vater und drei älteren Geschwistern helfen zu können, die im weit entfernten Pulau wohnen.
Mit ihrem wundervollen Lächeln und ihrer Zuversicht erzählt Mimi, wie schwierig es geworden ist, Gemüse im Wald zu finden, aber sie findet immer noch Zeit, um nach der Schule Volleyball zu spielen. Und sie liebt Singen und Tanzen. In zwei Wochen wird sie mit einer Tanzgruppe an einem Event teilnehmen, das im Dorf stattfinden wird, so sind die acht Mädchen damit beschäftigt, nachmittags zu trainieren. Mimi kann sogar Schach spielen. Sie ist so vif, und immer noch davon überzeugt, dass sie Tierärztin werden möchte, und mittlerweile spricht sie sogar Englisch, so kann sie die wissenschaftlichen Bücher auch lesen. 
 
 
Mimi und ihre Freunde üben für das aufregende Abenteuer in ein anderes Dorf zu gehen und zum ersten Mal vor Publikum zu tanzen.

Manchmal besucht Mimi unsere Orang-Utan Klinik. Mimi wird langsam auch Geschäftsfrau. Als Agung, der Sohn von Apui heiratete, eröffnete Mimi einen kleinen Getränkestand, wo sie den Besuchern Getränke verkaufte.

Sie erzählte mir, dass einer der Besucher sie gefragt hatte, ob sie nicht mit in die Stadt kommen möchte, um mit einer Familie zu leben, aber sie lehnte ab, weil sie hier glücklich sei in Tembak. Ihr Haar ist nun kürzer und sie ist um einiges gewachsen. Aber ihr Lächeln und ihre Fröhlichkeit haben sich kein bisschen verändert. Heute Abend, nach 21 Uhr, nachdem sie das Geschirr abgewaschen hatte, kochte sie für ihre Familie und sie backte sogar Kekse mit Dara, der neuen Ehefrau von Nayau, die einen kleinen Metallofen besitzt, den man über das Feuer stellen kann. Bald wird Mimi glücklich aber müde einschlafen.

Mimi gesteht mir, dass ihrem Vater Sanggung, und ihrem 18 Jahre alten Bruder gesagt hatte, sie sollen keine Tiere mehr töten, und seit drei Jahren folgen die Männer ihrer Bitte! Sie fühlt sich natürlich gut deswegen. Jetzt bauen sie Reis und Gemüse an, und fangen ab und zu einmal Fisch im Fluss. Aber sie weiß auch, dass die Palmöl Firmen auch Leute nach Pulau geschickt haben, die den Einheimischen erklärten, sie sollen doch ihr Land aufgeben. Glücklicherweise können diese aber nun die Illipe-Nüsse verkaufen an die kleine Fabrik in Tembak. So ist ihnen bewusst, wie wertvoll ihr Wald und ihr Land ist. Und irgendjemand hat auch Garaus Holz von deren Wald gesammelt, weniger als ein Kilogramm schwer, aber ca. 10.000 US Dollar wert. Ihr Vater weiß nun, wie man dieses Holz findet, so findet er möglicherweise auch bald ein kleines Stück und kann dadurch viel Geld verdienen. Und das noch dazu direkt, und nicht von den vielen Hinter- und Mittelsmännern geprellt zu werden, die diesen Handel kontrollieren. Und bald werden acht Rafflesia Blumen hier wachsen, und möglicherweise können die Menschen bald kommen, und diese im Saran Wald bewundern. 

Mimi wird ihrem Dorf erzählen, dass sie den Palmöl Konzernen keinen Glauben schenken sollen, und ihr Land nicht verkaufen dürfen.

Ich weiß, wir können manche Entwicklung nicht stoppen, aber ich kann nicht aufhören daran zu denken, dass das nicht richtig ist. Wir erschöpfen die Ressourcen der Erde und wir verletzen damit jeden. Für mich sieht es so aus, als wären die Menschen in der modernen Welt so gelangweilt, dass sie Sensationen brauchen, immer mehr von verschiedenen Dingen brauchen. Dummheit, Unzufriedenheit…. Robin Williams. Ich traf ihn kurz bei einer TED Ansprache 2009. Nun lese ich von seiner Depression und seinem Selbstmord. Ein Mann, der so viel gegeben hat. 

Mimis Lachen kommt aus ihrem Herzen, ihrer Gesamtheit.

Ich fühle mich privilegiert, dass ich ein paar Menschen zum Lachen bringen kann. Ich hoffe, dass unsere Arbeit mit „ Masarang" und "Orang Utan Rescue" viel davon bringen wird. Terima Kasih. Das ist „Danke Schön“ auf Indonesisch. Wörtlich heißt es so viel wie „erhalte, was du gibst“. Ich träume davon, dass wir alle geben können, dass wir alle etwas davon haben, die Welt einen besseren Platz werden zu lassen. Der Traum existiert immer noch an Plätzen wie Tembak. Und am allermeisten in Herzen von Personen wie Mimi.
 
Willie Smits
Tembak Village, 20. August 2014



Eine zuversichtlich blickende Mimi und ihre jüngere Schwester Pet. Eine kleine, unabhängige Familie seit bereits 7 Jahren. Tembak, August, 2014.