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Orang Utan Help Lëtzebuerg a.s.b.l. und Masarang Österreich besuchen Tasikoki - Reisebericht

13.06.2015
Im März 2015 reisten Beatrice Casagranda und Jim Hardt aus Luxemburg, vom Verein Orang Utan Help Lëtzebuerg a.s.b.l., sowie Gertrud Schuster von der Initiative Masarang Österreich für 2 Wochen nach Nord-Sulawesi. Der Hauptgrund der Reise war eine Hilfslieferung für Tasikoki. Hier der Reisebericht von Gertrud.
 

Vorbereitung der Reise

Die Vorbereitungen zu unserer Reise begannen schon früh im November 2014, denn wir wollten möglichst viele Medikamente und andere dringend benötigte Dinge für die Wildtierrettungsstation Tasikoki besorgen.

Viele eMails flogen zwischen Luxemburg, Österreich und Indonesien hin und her, damit wir uns wegen der Medikamente absprechen: „Was habt ihr schon besorgt, was braucht Tasikoki noch, wie viel Kilo können wir noch wo reinpacken, wer besorgt noch was, haben wir noch Geld für mehr???“

Glücklicherweise habe ich ein paar wirklich großzügige und liebe Kollegen, die sich bis jetzt bei jeder meiner Reisen nach Indonesien an den Medikamentenkäufen beteiligt haben und die mir zu 100% vertrauen. Auch dieses Jahr war es großartig, welche Reaktion auf meine übliche „Bettel-eMail“ kam. Herzlichen Dank Euch allen, Ihr wisst schon, wen ich meine! Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Initiative Masarang Österreich, Karin und Volker beteiligten sich.

Völlig unerwartet vermittelte Tina dann auch noch eine riesen Sachspende von der Tierarztpraxis Günther Buchegger in 3631 Ottenschlag. Tina arbeitete früher selbst in einem Umweltprojekt zum Erhalt der Korallenriffe auf den Malediven und kennt die Nöte und Finanzierungs-Engpässe der kleinen NGOs. Für diese großzügige Spende tausend Dank! Gerade das Nahtmaterial und die Unmengen an Blauspray waren für Tasikoki unschätzbar.


Auch bei Beatrice in Luxemburg stellte sich eine ganz eigene Dynamik ein und Beatrice war ganz glücklich, von welch unerwarteten Stellen und Personen sie noch Spenden für Tasikoki bekam.

Uns allen hat es so schon in der Vorbereitung sehr großen Spaß gemacht, auf diese Weise Tasikoki direkt zu unterstützen.

Der größte Kraftakt aber, den es zu stemmen galt, war das Narkosegerät. Der Verein von Beatrice und Jim, Orang Utan Help Lëtzebuerg a.s.b.l. (OUHL), hat schnell zugestimmt, dieses dringend benötigte Gerät für Tasikoki zu finanzieren, aber wir waren natürlich mit unseren Mitteln begrenzt.

Volker Schäufele, damals brandneuer, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Initiative Masarang Österreich, kontaktierte sage und schreibe mehr als 20 verschiedene Vertreiber von tiermedizinischen Narkosegeräten in Deutschland. Nachdem wir beide alle Informationen und Preise gesichtet und ausgewertet hatten, entschieden wir uns für ein Gerät, das Herr Dr. Koddebusch anbot.

Der Preis war auch im Rahmen. Doch dann fiel uns ein, dass das Gerät ja für sämtliche Tierarten und Tiergrößen vom Lori bis hin zum Orang-Utan geeignet sein musste und wir deshalb noch verschiedene Adapter, Anschlüsse und Allerlei anderes brauchen. Also, wieder überlegen; „Hier statt ein neues, ein gebrauchtes Teil, dann ist wieder mehr Geld da für die ganzen Extras. Brauchen wir wirklich den teuren und schweren Sauerstoff-Konzentrator? Nein! OK, runter von der Liste, dann haben wir wieder einiges eingespart für die Mehrwertsteuer, die noch dazu kommt.“

Es kamen immer mehr Extras dazu, oder fielen weg, da doch nicht so dringend, so dass wir fast verzweifelten und Herr Dr. Koddebusch vermutlich mittlerweile auch mit uns. Ich weiß nicht, wie oft er neu kalkulieren musste, um auf unsere Wünsche einzugehen, oder mit Volker die Pros und Kontras diesen oder jenen Extras durchsprach. Freundlicherweise ließ sich Herr Koddebusch für den guten Zweck von Volker zum Schluss sogar noch auf einen niedrigeren Preis runterhandeln, inklusive einer kurzen Einführung per Skype und 2 Jahren Garantie. Das Gerät ging dann erst einmal auf die Reise von Nord- nach Süd-Deutschland zu Volker, und wir waren ganz glücklich, dass alles in der Woche vor unserem Abflug doch noch so gut geklappt hat.

Beatrice, Jim und ich hatten uns schon vor längerem auf 2 Wochen im März geeinigt und relativ günstige Flüge bei Singapore Airlines gebucht. Die Flüge wie auch alle anderen Ausgaben im Land bezahlten wir selbstverständlich aus eigener Tasche. Wir flogen direkt nach Manado, der Hauptstadt von Nord-Sulawesi. Der Vorteil, neben der kürzeren Flugzeit, ist, dass Simon Purser, der Manager in Tasikoki gleich bereit steht, falls es Probleme mit dem Zoll gibt. Wochen vor dem Abflug hatten wir ihm detaillierte Listen mit unseren Mitbringseln geschickt, mit denen er bei der Zollbehörde eine Genehmigung einholte.

Dass das Narkosegerät aber mit Verpackung und den anderen Zusatzgeräten und Extras mehr als 30 kg wog, machte mir dann doch etwas Sorgen. Singapore Airlines verlangt von Deutschland nach Indonesien 60.- Euro pro Kilogramm Übergepäck, was auf dieser langen Strecke wohl seine Berechtigung hat, für uns aber nicht finanzierbar war.

Volker war wieder ganz in seinem Element und handelte mit Singapore Airlines aus, mir zu dem normalen 30 kg Gepäck noch weitere 30 kg Übergepäck kostenlos zu genehmigen, damit ich das schwere Narkosegerät mit meinem restlichen Gepäck (darunter ca. 12 kg Medikamente) aufgeben konnte. Für Beatrice und Jim gab es auch noch jeweils 10 kg genehmigtes Übergepäck.

An dieser Stelle einen riesengroßen Dank an das Europagremium von Singapore Airlines, die uns so überaus großzügig entgegenkamen und den guten Zweck unterstützten.
 
Abflug mit Übergepäck in München

In München trafen wir uns endlich alle 4 am Abflugtag; Volker kam mit dem Narkosegerät im Auto aus der Nähe von Stuttgart angefahren, Beatrice und Jim mit dem Flugzeug aus Luxemburg und ich aus Wien mit dem Zug über einen kleinen Umweg in den Bayerischen Wald. Dort holte ich weitere Medikamente von einem langjährigen Unterstützer von Tasikoki, Masarang und Willie Smits ab und bekam allmählich Schwierigkeiten meine Gepäckstücke wieder zu verschließen und vor allem zu schleppen.

Dank Volker's Vorarbeit mit der professionellen Verpackung und Beschriftung der Transportbox, lief am Check-in alles absolut glatt über die Bühne. Wir hatten nun noch einige Stunden bis zum Abflug und nutzten die Zeit zu einer bayerischen Jause und zum ausgiebigen Plaudern, bevor wir uns von Volker verabschieden mussten.

       
 
Zollbeamte in Manado

Am Flughafen in Manado wartete Simon schon geduldig auf uns. Wir alle drei waren unglaublich aufgeregt (oder war es vielleicht doch nur ich?), ob mit unserem Gepäck alles klappt. Es gab nur kleinere Probleme; das Narkosegerät musste mit den Zoll-Beamten diskutiert werden, die die Box offensichtlich geöffnet hatten und genau wissen wollten, was das nun ist. Simon sprach mit ihnen und sie gaben das Gerät endlich frei.

Ein junger Beamter nahm mich zur Seite und lies mich meine Mitbringsel auspacken. Eine Prozedur, die ich schon von meinem letzten Besuch 2013 kenne. Er zeigte auf einen Posten auf der Liste und ich musste ihm erklären, was und wofür das ist. Am teuersten sah wohl der Karton mit mehreren Dosen Blauspray aus. Nach der Erklärung, dass dies ein blaues Spray für Tiere, v.a. Krokodile, ist, um deren Wunden zu versorgen, schwand sein Interesse auch an dem Rest zusehends und mein Gepäck war durch den Zoll.

Bei Beatrice und Jim dauerte es etwas länger und Simon musste letztlich dolmetschen. Die beiden waren gut durch den Zoll gekommen. Auf die Frage was im roten Koffer ist, meinte Beatrice nur achselzuckend „Charity!“ und der Beamte lachte. Allerdings war der Koffer mit den Mitbringseln an einer Stelle kaputt und es ging nun um die Versicherungs-Details.

Nachdem alles geklärt war, stiegen wir drei ins bereitstehende Taxi von Anthony, dem Fahrer, der auch die Volontäre abholt. Unser wertvoller Gepäckberg wurde in ein eigenes Fahrzeug geladen und von Simon begleitet.

Ankunft in Tasikoki

Nach unserer Ankunft in Tasikoki wurde als erstes unser privates Gepäck in der Lodge abgeladen und wir bekamen schöne Suiten mit unvergleichlichem Meerblick, um den jedes 5-Sterne Hotel Tasikoki beneiden würde.

  
  
  
  
  

Jim und Beatrice wurden in der wundervollen ‚Babirusa‘ Suite und ich in ‚Sampiri‘ untergebracht. Beides sind Namen von endemischen Tieren, die nur auf Sulawesi bzw. Talaud vorkommen. Die anderen Suiten haben die Namen ‚Anoa‘ (sulawesisches Zwergrind), ‚Maleo‘ (Hammervogel) und ‚Yaki‘ (Schwarzschopfmakak).
 
  
Babirusa                                               Sampiri-Gehege

Anschließend fuhren wir hinten auf dem neuen Rettungsfahrzeug, das zum großen Teil von OUHL gesponsert wurde, mit den Sachspenden zur Klinik. Simon lies es sich, trotz seines verletzten Armes, nicht nehmen, das Narkosegerät mit allen Extras selbst auszupacken.


Wir ordneten unsere anderen Mitbringsel links und rechts davon an und es wurden viele „Beweisfotos“ geschossen für die Spender und Unterstützer Zuhause.


Die Freude war bei allen sehr groß. Einige Mitbringsel wurden noch im gleichen Moment herausgefischt und sofort verwendet. So zum Beispiel ein Vorhängeschloss für Jelly‘s Käfigtür und Critical Care Food für den schwerkranken Kater Manja (sprich: Mandscha), der von Volontären aus Unwissenheit über 3 Tage hinweg mit Hundefutter gefüttert worden war und nun generell Fressen verweigerte und an den Hinterläufen etwas einknickte. Manja hatte v.a. Schmerzen in seinen Nieren durch das falsche Futter. Er erhielt eine Kochsalz-Infusion unter die Haut, damit seine Nieren ordentlich durchgespült werden. Am nächsten Tag ging es ihm schon wieder viel besser.

Manja teilt sich übrigens mit Damri, dem rotweißen Prinzen von Tasikoki, eine wichtige Aufgabe: die beiden kastrierten Kater sind die einzigen Tiere in Tasikoki, die von den Volontären und Besuchern angefasst und gestreichelt werden dürfen - aber nur, wenn die Kater es so wollen!
 
   

Prince Damri                                               Darling Manja

Hier ein kurzes aber anschauliches Video zur Safe Distance Policy in Tasikoki, das von Volontären und Angestellten von Masarang selbst gedreht wurde:


Witzigerweise stieß Angela wahre Freudenschreie aus beim Anblick der Urinröhrchen und Kotsammelbehälter, die Jim und Beatrice mit im Gepäck hatten. Die waren gerade ausgegangen und so kamen wir mit dem Nachschub exakt zum richtigen Zeitpunkt.

So geht es manchmal in Tasikoki: man kann mit den kleinsten Sachen unverhofft Verzückung hervorrufen, seien es Wattestäbchen, Spritzen-Kanülen, oder die berühmten Schweinetränkenippel (d.h. Trinkhähne für Tiere). Es ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, in Nord-Sulawesi Utensilien zu besorgen, die für uns so selbstverständlich sind; selbst solche billigen Dinge wie normale Wattestäbchen, geschweige denn Medikamente für die Tiere. Aus diesem Grund ist Tasikoki fast zu 100% auf Mitbringsel von Besuchern, Unterstützern und Volontären angewiesen.

Wer Tasikoki besuchen oder als Volontär mitarbeiten möchte, kann sich hier eine Liste mit dringend benötigten medizinischen Dingen  oder mit allg. Mitbringseln herunterladen.

Simon nahm uns zuerst mit ins Besucherzentrum, über dem die Volontäre wohnen. Er erzählte uns vieles zur großartigen und schützenswerten Biodiversität in diesem „Wallacea“ genannten Gebiet, in dem Sulawesi die größte Insel ist.

In Wallacea, benannt nach dem Evolutionsforscher Alfred Russel Wallace, überschneiden sich die australische und die indische/asiatische Flora und Fauna, was u.a. bedeutet, dass es hier sowohl Beuteltiere als auch Primaten gibt.

Er sprach auch über einige neue Projekte, die wir noch nicht kannten. Über ein Agroforestry-Projekt am Tulap-Strand und ein weiteres Projekt, bei dem sich die Lokals in ihrer Not an Willie Smits und die Masarang Foundation gewandt haben, um Unterstützung zu bekommen. Weiter südlich von Tasikoki soll ein großes Gebiet vor weiteren Zugriffen von Goldminenbesitzern und Gewürznelkenbaum-Plantagen geschützt werden. Die Bevölkerung, die v.a. an der Küste lebt, hat in den letzten Jahren eine Verschlechterung des Trinkwassers bemerkt, da die Flüsse, an denen sie leben, in den bedrängten Waldgebieten entspringen. Masarang und Tasikoki möchten der Bevölkerung dabei helfen, diesen Regenwald als Schutzgebiet zu erhalten und benötigen hierfür und für Wiederaufforstungs-Massnahmen größere finanzielle Unterstützung über Jahre hinweg.

Zunächst soll aber mit Hilfe von Kamerafallen der Wald monitoriert werden. Der Schutzwert und damit der Druck auf die Behörden wird umso größer, je mehr der endemischen Ikonen wie Schwarzschopfmakaken, Babirusa, Nashornvögel, Hammervögel, Anoas etc. nachweislich in diesem Wald vorkommen. Denn damit wäre dies der letzte Platz auf unserem Planeten, an dem diese Tiere noch gemeinsam leben.


Wir waren sehr beeindruckt von Simon's großem Wissen und seiner profunden Einsicht in die Zusammenhänge. Es war wirklich eine Freude und Inspiration ihm zuzuhören. Sein ungebrochenes, professionelles Engagement trotz vieler Widerstände und geringer Ressourcen hat bei uns allen dreien den Vorsatz, Tasikoki zu helfen, nur noch verstärkt.


Vor dem Besucherzentrum hat Tasikoki eine kleine Baumschule mit Fruchtbäumen angelegt. Diese Bäumchen werden regelmäßig auf dem Gebiet in Tasikoki ausgepflanzt, um möglichst viel Futter für die Tiere selbst ernten zu können. So sollen die Kosten beim Zukauf von Futter geringer gehalten werden. Dies ist für Tasikoki durch die stetig steigende Anzahl der Tiere, die nach Tasikoki gebracht werden, überlebensnotwendig.

Als Gäste durften wir uns nur sehr eingeschränkt auf dem Gelände der Tierrettungsstation bewegen und nicht in die Nähe der Tiere, ohne jemanden vom Personal als Begleitung. Damit die Tiere möglichst ungestört sind, ist es auch den Volontären nicht erlaubt, außerhalb der Arbeitszeit die Tiere zu „besuchen“ oder auf dem Gelände in der Nähe der Tiere, v.a. der Primaten, herumzulaufen. Tasikoki ist eine Wildtier-Rettungs- und Wiederauswilderungsstation und kein Park oder Zoo. Die Wildtiere sollen sich ab Nachmittags um 16 Uhr auch auf ihre Nachtruhe vorbereiten können. Tasikoki lieg nah am Äquator und hier wird es rund um das Jahr so gegen 18 Uhr dunkel.

Nach seinen Erklärungen machte Simon mit uns eine kleine Führung über das Gelände von Tasikoki und wir durften sogar einen kurzen Blick auf Jelly werfen. Jelly ist ein ca. 3-jähriger männlicher Malaienbär aus Sumatra, der wenige Wochen zuvor zusammen mit einem Wallaby konfisziert wurde, kurz bevor sie aus dem Land geschmuggelt werden sollten.

Das Wallaby hat etwas versteckt auf dem Gelände sein kleines Gehege mit Unterschlupf, der liebevoll von den Volontären angelegt wurde.


 
Im Bärengehege von Binbin und Bonbon waren die Volontäre fleißig am renovieren und begrünen. Es war an der Zeit, wieder mehr Äste und anderes Grün einzubringen und auch das Tunnelsystem wieder zu erneuern. Gottseidank waren etliche sportliche junge Männer und Frauen in Tasikoki, die dies mit großem Engagement in Angriff nahmen.
 

Jelly, der Malaienbär

Jelly ist noch immer im selben Käfig untergebracht, in dem er in Bitung am Hafen aufgefunden wurde. Der Käfig ist exakt so groß, dass er in einen Fracht-Kontainer passt und wurde gleich als Beweismittel konfisziert. Zu den beiden anderen Malaienbären Binbin und Bonbon kann Jelly nicht einfach ins Gehege gesteckt werden, da es sonst innerhalb kurzer Zeit mindestens einen toten Bären gibt. Die Bären würden ihr kleines Revier gegen den unbekannten Außenseiter massiv verteidigen. Jelly kann auch nicht nach Sumatra zurück gebracht werden, da es zumindest meines Wissens auf Sumatra keine Wiederauswilderungsprojekte gibt, die ihn aufnehmen könnten.

Also harrt Jelly nun in seinem Käfig aus, bis genügend Spendengelder für ein kleines Gehege vorhanden sind und er langsam an Binbin und Bonbon gewöhnt werden kann. Zwei Volontäre hatten sich spontan im März dazu entschlossen, etliches von ihrem Urlaubsgeld abzugeben, und so den Spenden-Grundstein für das Gehege zu legen.

  
 
Links: (Copyright: Tasikoki Wildlife)  Jelly bei seiner Konfiszierung durch die Polizei in Bitung. Alles war für seine Verschiffung  nach Übersee vorbereitet. 
 
Rechts: Jelly in Tasikoki mit Enrichment im Käfig

Hoffentlich können wir hier bald Bilder von Jelly in seinem neuen Gehege zeigen, das direkt neben dem von Binbin und Bonbon entstehen soll. Nachdem durch Fundraising der beiden Volontäre Boonie & Michelle und mir bis Anfang Juni genügend Gelder zusammen kamen, konnte in der zweiten Juniwoche der erste Spatenstich gemacht werden. Es fehlen allerdings noch 500.- bis 1000.- Euro, um den vollständigen Ausbau des Geheges zu gewährleisten. Eine holländische Volontärin versucht diese Gelder mittels Fundraising im privaten Bereich aufzutreiben. Drücken wir Rowena goes Ape die Daumen!

Am Tulap-Schildkrötenstrand

Auf unseren Wunsch hin arrangierte es Simon, dass wir mit Billy Gustafianto Lolowang, dem neuen Education Officer von Tasikoki, an den Tulap-Schildkrötenstrand fahren konnten. Der ca. 2 km lange Strand ist ein Ei-Ablageplatz von 5 geschützten Meeresschildkrötenarten und ist Teil der Masarang Foundation. Er wird oft von Eierdieben aufgesucht, die die Schildkröteneier für gutes Geld u.a. an Restaurants verkaufen und damit ihr karges Einkommen aufbessern.


Einer dieser Eierdiebe war Melky Kansil. Melky war so gut, dass er am Abend nur die Luft riechen und das Meer und den Sternenhimmel beobachten musste, um zu wissen, ob die Schildkröten in dieser Nacht zur Eiablage an Land kommen oder nicht. Schon als Kind war Melky von den Schildkröten fasziniert und weinte oft, wenn er sie beim Eierlegen vor Schmerzen weinen sah.

Dann bemerkte Melky, dass im Laufe der Zeit immer weniger Schildkröten zur Eiablage an den Strand kommen. Diese Beobachtung hat seine Einstellung grundlegend verändert. Er schwor sich, dass seine Kinder und Enkel Meeresschildkröten nicht mehr nur aus Büchern kennen sollen, sondern sie noch selbst erleben dürfen. Seither setzt er sich und sein Wissen im Kampf für das Überleben der Meeresschildkröten ein. Anfangs tat er dies aus eigenem Antrieb und ohne finanzielle Unterstützung. Jetzt hilft er der Masarang Foundation, die Sicherheit der Schildkröten und deren Eier am Tulap-Strand zu gewährleisten und vor allem zusammen mit Billy aus Tasikoki und anderen die Bevölkerung aufzuklären. Ein Projekt, das von der US Regierung mitfinanziert wird.

 

Melky wurde für Mongabay interviewet, ist mittlerweile eine Berühmtheit und soll demnächst eine Ehrung als Hero of Indonesia erhalten.

  


Land und Leute

Für Beatrice und Jim war es der erste Besuch auf N-Sulawesi. Deswegen nutzten wir ‚Boule‘ (so werden Weiße in Indonesien genannt, was gar nicht mal böse gemeint ist) die Zeit, um uns die Umgebung von Tasikoki und das Minahasa Hochland anzusehen.

Taxis sind auf N-Sulawesi eine Klasse für sich. Alle gut in Schuss und sehr gepflegt, aber besonders die jungen Fahrer geben ihren Autos gerne eine persönliche Note. Ein ganz besonderes Highlight sind auch die kleinen, am Straßenrand verstreuten Tankstellen. Um sie zu entdecken, muss man allerdings genau wissen, wonach man sucht. An diesen kleinen, privaten Tankstellen gibt es Gas-Kartuschen, Plastikbehälter mit Wasser und 1 Liter Cola-Flaschen mit Benzin.

 

Der zunehmende Mangel an Kraftstoff in ganz Indonesien, führt oft zu sehr langen Auto-Schlangen vor den großen Tankstellen und immer höheren Sprit-Preisen.

Sulawesi und besonders Nord-Sulawesi sind touristisch noch wenig erschlossen. So brachten wir unseren jungen Taxifahrer fast zur Verzweiflung, weil wir unbedingt irgendwelche kleineren, handwerklichen Gegenstände kaufen wollten. Wir dachten an ‚Souvenirs‘ damit Beatrice und Jim etwas für ihre Verkaufsstände haben. Souvenirs, also Dinge, die man nicht zum eigenen Gebrauch benötigt, war ein Konzept, das unserem Taxifahrer völlig unverständlich war. Er führte uns dann auf den Gemüsemarkt, inklusive Fischhalle, am nächsten Tag nochmal durch die Fischhalle und zu den Booten im Hafen.

  


Anderer Tag, anderer Fahrer, gleiches Problem, und wir landeten fast in einer Keramikwerkstatt und hätten kiloschwere Blumentöpfe mitnehmen können.

Unser junger Taxifahrer hat wohl die Enttäuschung in unseren Gesichtern gesehen und als besonderes Highlight brachte er uns dann an einen vulkanschwarzen Strand bei Bitung, an dem seine Familie lebt. Ein bisschen wollte er wohl auch mit uns „exotischen“ Boule, oder ‚Blonde‘, wie Anthony, der andere Taxifahrer, uns nennt, angeben. Noch sind westliche und v.a. großgewachsene Besucher wie Beatrice und Jim auf N-Sulawesi eine ziemliche Rarität.

  

  

Es bleibt nur zu hoffen, dass die überaus freundlichen Menschen und das Land nicht zu schnell von Touristen überrannt werden und sich der ursprüngliche Charme noch lange erhält.


Im Folgenden ein paar Eindrücke von unseren Ausflugszielen ins Minahasa-Hochland

 
 

Warugas (Steinsarkophage der Minahasa) in Airmaddidi
 
 

Linow-See und der erloschene Mahawu-Vulkan

 
 
Tondanosee

Enrichment im Orang-Utan Gehege

Von unserem Ausflug ins Minahasa-Hochland kamen wir mit einem großen Packen an Durianfrüchten zurück. Ich selbst liebe Durian, die die Königin der Früchte genannt wird, während andere, meist Westler, sie als „Stinkfrucht“ verunglimpfen. Es sollen nur ca. 5% der Westler den Geschmack toll finden, während die meisten Asiaten ihn lieben. Danke an dieser Stelle an meine Eltern für die Durian-Leckerschmecker-Gene! Vielleicht war ich aber auch in einem früheren Leben ein Orang Asli [indonesisch für Ureinwohner] oder gar ein Orang-Utan?

Bento und Is, die beiden Orang-Utans in Tasikoki jedenfalls essen diese Früchte mit großer Begeisterung. Deshalb aßen wir Menschen am Abend nur 2 von den 7 Durians und hoben die restlichen 5 auf für die Bären (Jelly, Binbin und Bonbon) und Bento und Is. Beatrice und Jim waren tapfer und haben die Frucht zumindest probiert, werden aber wohl keine großen Durian-Fans, während Simon, Angela und ich unseren Anteil genossen. Die Durian-Samen wurden von Simon gleich für die kleine Baumschule eingesammelt .

 
 
Weil wir nun schon eine ganze Weile in Tasikoki waren ohne irgendwelche Erkältungsanzeichen oder sonstige Krankheits-Symptome zu zeigen, durften wir am nächsten Tag mit ein paar Volontären aus Singapur beim Enrichment des unteren Gehegeteils für Bento und Is helfen. Was für eine wunderschöne Aussicht für den kommenden Tag und welch grandioser Abschluss unserer Reise!
 
 
 
 

Mitten in unserer Arbeit wurden wir von einem ganz besonderen Besucher überrascht. Ein ca. 1,20 m langer Bindenwaran lief uns über den Weg. Bindenwarane sind ein sehr gutes Beispiel für die erstaunliche Biodiversität auf Sulawesi. Jede andere Insel in Indonesien beherbergt maximal eine Art von Bindenwaranen. Auf Sulawesi dagegen tummeln sich 4 bis 5 verschiedene Arten. Dies liegt daran, dass Sulawesi in früheren Zeiten, bei höherem Meeresspiegel, in mehrere kleinere Inseln zerfiel, auf denen sich die unterschiedlichen Arten ausbilden konnten.


Als Bento und Is dann ins Gehege zurück durften, waren sie einige Minuten lang beschäftigt, alles an Enrichment, was wir 8 Personen über Stunden gebastelt hatten, wieder auseinander zu nehmen, bzw. umzudekorieren. Aber Hauptsache, die Jungs hatten ihren Spaß und so war es ja auch gedacht.

  
 
Futter-Enrichment auch außerhalb des Käfigs. Aber Bento und Is wären keine Orang-Utans, wenn ihnen zu diesem Problem nicht schnell eine Lösung einfallen würde.
 
  
  
  
  
 
Es ist Durianzeit
 
  
  
  

Es gäbe noch so vieles zu erzählen.



Wir waren bei der Masarang Zuckerfabrik,



bei Willie’s Amphitheater,



besuchten Opa und Oma unserer kleinen Übersetzerin Jolina,



sahen die älteste Kirche in Manado mit dem Mahnmal für die Toten, die im 2. Weltkrieg im pazifischen Raum fielen,



sahen die drittgrößte Christusstatue der Welt,

  

sammelten einen Nachmittag lang am Strand mehrere Säcke voll Müll ein,

  
  
  
besuchten das Fischerdorf am Strand bei Tasikoki, wo uns der Regen überraschte und wir bei einer sehr netten Dame, die gut Englisch sprach, in ihrem Dorfladen Unterschlupf fanden.
 
Wir waren auch auf dem schrecklichen Tiermarkt in Tomohon, der Stadt der Blumen. Einen Eindruck von diesem Markt konnte jeder bekommen, der sich die Sendung „Elstner’s Reisen: Die Retter der Orang-Utans“ angesehen hat.
 
An einem Tag waren wir mit ein paar der Volontäre im Tangkoko Naturpark und begegneten einer Gruppe von ca. 40 wildlebenden Schopfmakaken mit Babies, sowie Bärenkuskus hoch in den Bäumen und Koboldmakis in einer Würgerfeige. Dies war ein einmaliges Erlebnis und zeigte uns, wie die Tiere wirklich in Freiheit und Sicherheit leben sollen und wie einige der Tiere, die in Tasikoki sind, hoffentlich in der Zukunft wieder leben können. Leider hatte ich in der Vorfreude darauf meine Kamera vergessen.
 
Kurz vor unserer Abreise hatten wir auch noch das Glück Willie Smits zu treffen. Der ‚Fliegende Holländer‘ kam von einer seiner Reisen direkt vom Flughafen nach Tasikoki gefahren, um sich mit uns noch am Abend für 2 Stunden zu treffen und zu plaudern.

Abflug

Welche Überraschung in Manado beim Einchecken! Volker und Singapore Airlines hatten es so arrangiert, dass wir unser freies Übergepäck auch beim Rückflug in Anspruch hätten nehmen können. Statt erlaubter 60 kg hatte ich allerdings nur noch 16 kg Gesamtgepäck. War es vielleicht doch ein Fehler gewesen, bei der Keramik-Werkstatt nicht zuzuschlagen und keine Souvenir-Blumentöpfe mitzunehmen?

Damit zumindest das Handgepäck noch etwas zulegt, haben wir alle drei in den Shops am Flughafen noch einiges erstanden und so die indonesische Wirtschaft angekurbelt.

Beatrice kaufte wunderschöne, handgemachte Schlüsselanhänger und anderes, was sich zu Gunsten von Tasikoki auf Märkten an ihrem Stand gut verkaufen lässt. Irgendwann verloren wir uns alle drei aus den Augen und sahen uns erst vollgepackt beim Check-in wieder.

Glücklich mit unserer „Beute“ an Souvenirs (endlich!), Fotos und vor allem vielen Eindrücken und Gedanken, flogen wir zurück ins kalte Europa, mit dem festen Vorsatz, alles Erdenkliche zu tun, um Tasikoki und Masarang in jeder Hinsicht zu unterstützen beim Kampf gegen den Wildhandel und die Entwaldung und bei der Umwelt-Bildung der Bevölkerung vor Ort.

Lieben Dank auch an Selina, Michael, Winda, die Köchinnen und das Sicherheitspersonal für die tolle Betreuung, die Hilfe bei der Organisation unserer Tagesausflüge und für die leckere vegane Verpflegung in der Lodge. Terima kasih.

Gertrud Schuster, Wien den 13.Juni 2015

Nachtrag vom 19. Juli 2015:
Da wir als langjährige Unterstützer von Masarang und Tasikoki kostenlos in der wunderschönen Ökolodge untergebracht wurden, haben wir alle drei Tasikoki eine großzügige Spende zukommen lassen. Beatrice und Jim gaben ihren (recht großzügig bemessenen) Anteil für die allgemeinen Kosten in Tasikoki, wie Strom, Löhne und Erhaltung der Anlage. Ich sponserte 5 Kamerafallen für das neue Projekt, sowie einen Teil von Jellies Gehege.

Man muss nicht immer riesengroße Summen investieren. Mit gezielten Spenden, die direkt und ohne Umwege in die Projekte fließen kann man sehr viel erreichen. Für größere Summen erstellen Masarang International und auch Tasikoki (Simon Purser) Kostenvoranschläge und Projektübersichten, deren Ziele auch vertraglich vereinbart werden können.
 


Und hier ein kleiner Blick auf den Fortschritt von Jellys neuem Gehege, in das er hoffentlich schon im August einziehen kann:

  
 
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