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Ein neues Jahr und neue Entwicklungen

Ein neues Jahr und neue Entwicklungen


(Hier der Blog als pdf Dokument: Neues-Jahr.pdf)

Ich kam an diesem Morgen, den 15. Januar 2011, zurück nach Nord-Sulawesi, nachdem ich Jakarta um 4 Uhr morgens verlassen hatte, um sofort nach der Landung in Manado das Tasikoki Tierrettungs­zentrum zu besuchen. Hier habe ich mich mit Simon Purser beraten, wie wir die Freilassung einer Gruppe von Sulawesi-Makkaken in den Masarang-Wald, die für den kommenden Montag geplant ist, vorbereiten können. Dann die üblichen, organisatorischen Treffen, finanzielle Angelegenheiten, gefolgt von einer Zeremonie mit Schulkindern, die etwa 5000 Fische in Gewässer freiließen, die wegen unserer Wieder­aufforstung höher oben in den Bergen besser und besser wurden. Diese Freilassung von Fischen war ein Teil der Zeremonien rund um den 10. Jahrestag der Masarang Foundation in Nord-Sulawesi, die das Tasikoki Tierrettungs­zentrum umfasst, wo immer noch meine beiden Freunde Bento und Is leben. Bento und Is, zwei Borneo Orang-Utans, die in Nord-Sulawesi konfisziert wurden. Sie sollten in die Philippinen geschmuggelt werden zusammen mit einer Gruppe von Sonnenbären, Gibbons, einem Java-Leopard und anderen Tieren von überall her aus Indonesien. Die beiden sind nun schon zu lange in Tasikoki. Aber ich hoffe, dass sie bald in unser Orangutan Outreach Programm, das wir zusammen mit dem Sultan von Yogyakarta durchführen, aufgenommen werden, und von dort aus zurück nach Borneo in den Dschungel können. Dann hatte ich ein paar mehr Meetings, und jetzt, am Samstag Abend, nachdem ich meine Zuckerpalmen besichtigt habe, ist es an der Zeit, dass ich euch wieder einmal informiere über den letzten Stand dessen, was sich so bei den Projekten, die ihr über Orangutan Outreach unterstützt, getan hat.

Diese Reise nach Borneo began für mich mit Treffen in Bogor und Jakarta. Der deutsche Botschafter, Dr. Norbert Baas, hatte mich eingeladen vor Mitgliedern des deutschen Parlaments zu sprechen, die Malaysia und Indonesien besuchen, um etwas über die Palmöl-Problematik zu lernen. Ich war sehr glücklich über diese Gelegenheit!

Einige Mitglieder der Delegation hatten großes Lob für die wundervollen Ölpalmen, die sie in Malaysia gesehen hatten und von denen ihnen berichtet wurde... Als ich anfing, ein paar sehr grundsätzliche Dinge zu hinterfragen, wie die 1760 Kilogramm an Dünger, die pro Hektar und Jahr gebraucht werden, um diese wundervolle Produktivität zu erreichen und der aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Und was ist mit den Pestiziden, die lange Zeit überdauern und in großen Mengen ausgebracht werden, die das Trinkwasser der kommenden Generationen beeinflussen? Was ist mit der Biodiversität, und was mit den wenigen, gering bezahlten, lokalen Jobs, die geschaffen wurden und für die die einheimische Bevölkerung ihr Land hergeben muss? Und was ist dann, wenn die maschinelle Ernte erfolgt? Was wird dann? Diese wenigen Jobs gehen verloren und [diese Menschen, Anm.] haben nur die Alternative der Brandrodung, was zu einer noch schnelleren Ausbreitung der Ölplamen führt, hinein in die durch diese armen Bauern neu degradierten Wälder. Wälder, die “produktiv” gemacht werden müssen, wieder mit neuen Ölpalmen! Nun ja, ich konnte etliche von ihnen dazu bringen, mir Aufmerksamkeit zu schenken und sich Notizen zu machen!

Nach dem Meeting und dem Abendessen-Empfang in der Residenz des Botschafters, ging ich zum kleinen Haus von Ulla von Mengden, mitten auf dem Zoogelände.

Als ich den Zaun öffnete, wachte Tono auf, ein männlicher Sumatra Orang-Utan, den ich seit vielen Jahren kenne und der schon ganz schön groß geworden ist. Er hat glücklich gequietscht und bettelte um eine Schultermassage durch die Stäbe seines Käfigs am Eingang. Als ich an den Käfigen mit den Gibbons vorbeikam, hat Ullas Hund mein Kommen gehört und gebellt. Ulla war bereits zu Bett gegangen aber war noch nicht eingeschlafen. Ihre Hörhilfe lag bereits neben ihrem Bett und ich fasste mich kurz und ging geradewegs in mein kleines Zimmer, wo eine 25 Zentimer dicke Wand, gegen die mein Bett stand, mich von den schlafenden Orang-Utans auf der anderen Seite trennte. Ich arbeitete noch ein paar Stunden an einigen Dokumenten und versuchte, soweit als möglich, die zahlreichen Moskitos zu erschlagen, dann ging ich schlafen.

Am Morgen gab es wie gewöhnlich um 6 Uhr Frühstück auf ihrer einladenden Terasse. Ulla sah völlig erschöpft aus und viel älter als bei meinem letzten Besuch vor einem Monat. Sie ist einsam und unsicher was sie machen soll, wohin sie gehen soll und sie sorgt sich um “ihre” Orang-Utans. Sie zeigte mir einige Artikel, die über sie in den letzten Monaten geschrieben wurden und in einem davon erwähnt sie, dass sie 2011 zurück nach Deutschland gehen will. Wir hoffen, dass Alfred, ein loyaler Orang-Utan Schützer und Unterstützer aus Deutschland bald ankommt, um Ulla zu helfen. Alfred ist jemand, der im Hintergrund wirkt, still, fleißig, geduldig. Und er ist ein guter Zuhörer, und das ist definitv eine Voraussetzung, wenn man mit Ulla zusammenlebt. Ich hoffe, dass er Ullas viele Abenteuer an den Abenden auf dieser kleinen Terrasse von Ulla's Haus mitten im Zoo aufnehmen kann.



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Und soweit kam ich, als dieser Blog unfertig in meinem Dokumenten-Folder hängenblieb, bis jetzt um 4 Uhr morgens in Borneo am 06. März 2011. Ich habe angefangen öfter Twitter Messages zu verschicken, angeregt durch Richard Zimmermann und Steven Smit. Vielleicht hatte ich deswegen den Eindruck, dass ich euch auf dem Laufenden gehalten habe. Ich habe wirklich keine Idee, wer “ihr” seid oder wieviele es von “euch” da draußen gibt, die wirklich meine Gedankengänge und meine Geschichten von draußen im Feld lesen. Aber ich habe das Gefühl, dass ihr wirklich existiert und so werde ich damit weitermachen. Es ist nicht leicht, bei so vielen Aktivitäten und so wenig Stunden pro Tag.

Da soviel Zeit verstrichen ist, werde ich nicht einmal versuchen, eine chronologische Beschreibung der Ereignisse zu geben. Lasst mich euch statt dessen nur einen Überblick über ein paar Dinge geben.

Seit dem 15. Januar habe ich an die 36 Flüge hinter mich gebracht, etwa 300.000 Bäume produziert, 10 Länder besucht, ungefähr 40 Vorträge gehalten an so prestige­trächtigen Orten wie der Universität von Hong-Kong bis hin zu den Veranden von Langhäusern mit Gruppen von einheimischen Leuten, die begierig etwas über die Zuckerpalmen lernen möchten, konnte tausende Mails nicht beantworten, arbeitete viel mit Richard Zimmermann bei DeforestAction, feierte 10 Jahre Masarang Foundation, beschleunigte den Prozess, die neuen Zuckerpalmen auszusenden, erfand drei sehr interessante neue Maschinen und gewann neue Einsichten darin, wie Bäume wachsen. Leider hatte ich zuwenig Zeit für Sport, da ich durch Halsentzündung und Sinusitis (Nasennebenhölen-Entzündung) und mehr als einen Monat Antibiotika-Einnahme eingeschränkt war, und durch die Notwendigkeit, einer ganzen Anzahl an Menschen in Nöten zu helfen.

Jetzt sitze ich hier auf der Terrasse der Kobus Foundation, schaue über den wunderschönen Garten und den Dschungel über der Strasse hinter dem Haus. Hinter diesen Büschen sind die Orang-Utans, wo ich, um es ganz ehrlich zu sagen, lieber Zeit verbringen würde, anstatt Berichte zu versenden. Aber ich kann es verstehen, dass nur über diesen Weg die Menschen wenigstens eine kleine Ahnung davon bekommen, was mit den Orang-Utans passiert, den Wäldern, den Einheimischen und was wir machen, um die Dinge zu verbessern. Und was man nicht kennt, das liebt man nicht, deswegen muss ich die Not der Orang-Utans und der Umwelt auf eine Art beschreiben, dass die Menschen “es verstehen” können und vielleicht sogar helfen. Und dann, wer weiss... Eines Tages habe ich vielleicht wieder Zeit für mich und meine rothaarigen Freunde. Dann sitze ich nur im Wald mit ihnen, sie kommen einzeln gelegentlich auf einen kleinen Schwatz und eine Rückenmassage herunter, zeigen mir ein paar interessante Blätter und ich fühle den Frieden in diesem wundervollen Netz der Natur, ohne Worte, schaue auf die Wunder um mich herum und genieße dieses Gefühl der Zugehörigkeit.

Ich fühle mich wie ein Moskito in einem Nudisten Camp... wo soll ich anfangen! Ein Witz, den Dr. Salleh Nor einst machte, um seine PROSEA Vorlesung in Jakarta vor 20 Jahren einzuleiten. Aber es ist so passend. Jetzt will ich nur über DeforestAction schreiben und was mit dem DeforestActionTeam gerade passiert.

DeforestAction

Es fing alles damit an, dass Richard Zimmermann, der Gründer von Orangutan Outreach, Cathy Henkel kontaktierte. Cathy ist eine preisgekrönte Dokumentarfilmerin aus Australien, die neben anderem durch ihren Film “The Burning Season” bekannt wurde. Gleichzeitig machte Microsoft Partners in Learning Program, die mit dem weltgrößten, non-profit sozialen Netzwerk TakingItGlobal zusammen arbeiten, eine Umfrage bei vielen jungen Menschen, was sie am liebsten tun würden, um der Welt zu helfen. Und die jungen Menschen antworteten: Stoppt die Entwaldung! Und jetzt ist das Jahr des Waldes. Deshalb brachte Cathy Richard, Microsoft und mich zusammen an einen Tisch in San Francisco und da war Magie vom ersten Moment an als wir uns trafen. Es machte Klick zwischen uns. Pures Glück; dies konnte kein Zufall sein.
 
Ich präsentierte ein Programm für DeforestAction, das Millionen von jungen Menschen dazu befähigen soll, direkt mitzuhelfen in Realzeit die Wälder Borneos zu erhalten, während sie gleichzeitig Orang-Utans retten und den einheimischen Menschen helfen eine nachhaltige Lebensweise zu erhalten. Viel an Kommunikation über emails, Skype, und Treffen vor Ort und National Geographic kam an Bord. Meine Freunde von Geodan kamen auch dazu, und die Leo Burnett Werbeagentur boten auch ihre Dienste an. Was für eine tatkräftige Truppe! Preisgekrönte Filmemacher, Multiplikatoren, Marketing-Experten, Social-Networker, Lehrer, Satelliten- und Landkarten-Spezialisten, Naturschützer und 10 Millionen junger Menschen rund um den Globus schließen sich zusammen!

DeforestAction

Nun, worum geht es bei dem Programm? Die Entwaldung zu stoppen. Aufzuzeigen, dass man es kann und dass es für unseren Planeten nicht zu spät ist; dass junge Menschen, die nicht in Situationen feststecken in denen sie den Status quo erhalten müssen, eine Änderung für uns alle bewirken können. Wunderschöne Worte, aber wie kann das in der Realität funktionieren? Das Bild auf der linken Seite zeigt die Programme und wie sie alle miteinander verbunden sind.

Bei DeforestAction geht es um das Bauen von Brücken. Brücken, zwischen den jungen Menschen rund um den Globus, zwischen den Menschen auf Borneo und dem Rest der Welt, zwischen den Orang-Utans, die die Natur repräsentieren und den Menschen. Wir bauen Brücken unter Nutzung von neuer Software, Technologie und zukünftigen Lernmöglichkeiten. Wir möchten, dass jeder dazulernt, indem er/sie direkt in die wirkliche Aktion vor Ort involviert ist und Spass dabei hat.

Das gesamte Programm wird auf der Homepage von DeforestAction erklärt. Aber lasst mich zunächst kurz auf die wichtigsten Programmpunkte eingehen und wie sie miteinander zusammenhängen.

Earth Watchers (Erdwächter/Erdbeobachter)

Es wird bald ein kleines Programm geben, das sich diejenigen, die sich für die Teilnahme registrieren, von unseren Homepages herrunterladen können. Einmal heruntergeladen, wird dem registrierten Nutzer ein 9 Hektar großes Gebiet von Borneo zugewiesen. Alle 5 bis 9 Tage, wenn die neuesten Satellitenbilder verfügbar sind, bekommt der Nutzer eine email mit den neuesten Bildern und den Ergebnissen, wie die Arbeit der anderen Nutzer während der letzten Wochen die Entwaldung beeinflussten. Mit Hilfe einer GIS Software (siehe z.B. www.edugis.nl), sollen sie untersuchen, ob es in ihrem Gebiet von Borneo irgendwelche Anomalitäten gab. Wenn sie Veränderungen entdecken, können sie diese auf den zentralen Server hochladen. Das Geodan Team bewertet dann mit einer speziellen Software die gefundene Änderung und sieht, ob es eine Anhäufung von Veränderungen in den angrenzenden Gebieten von jeweils 9 Hektar gibt, oder ob es nur eine Anomalität ist, weil sich z.B. durch einen natürlichen Baumfall ein offener Raum gebildet hat oder eine Überflutung ein anderes Bild ergeben hat. Wenn es eine Anhäufung oder etwas Signifikantes gibt, dann wird eine Nachricht zurück an den Erdwächter geschickt.

Dann ist es Zeit, das Ganze zu untersuchen. Sie können herausfinden, wer ihre Nachbarn sind und mit ihnen checken was in deren Teilstück passiert ist. Wenn zum Beispiel eine Strasse durch ihr Gebiet geht, muss sie von einem anderen Teilstück kommen. Wann wurde sie gemacht? Wie schnell? Sind Bäume entlang dieser Strasse verschwunden? Durch Teamwork kommen die Erdwächter dann zu einem Ergebnis und der Teamleader schickt eine email mit den Befunden an die Action Heroes. Lasst mich zuerst erklären, was es mit den 10 Action Heroes auf sich hat!

Action Heroes

Wir sind gerade dabei, Bewerbungen von 50 abenteuerlustigen Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die eine gute körperliche Konstitution haben und gut Englisch sprechen, auszusuchen. Sie müssen 90 Sekunden lange Spots auf youtube stellen, in denen sie beschreiben, warum man sie unterstützen sollte, damit sie mit mir für 5 Monate in Borneo Wälder und Orang-Utans retten, einen neuen Wald pflanzen und der lokalen Bevölkerung helfen, während sie etwas über die grundsätzlichen Dinge erfahren und ihre Erkenntnisse in wöchentlichen Video-Blogs den 10 Millionen Jugendlichen mitteilen, die an DeforestAction teilnehmen. Zehn von diesen ausgewählten 50 Menschen, werden mich in Borneo für wirkliche Action begleiten, in einem Langhaus leben, mich bei Übersichts-Reisen und Rettungsaktionen begleiten und Brücken bilden zwischen den einheimischen Dajak und dem Rest der Welt. Diese 10 Menschen werden mit den anderen Erdwächtern direkt aus dem Dschungel via Satelliten-basierter Kommunikation verbunden sein.

Hier kommt also die email mit den Karten und Daten über die entdeckten Veränderungen. Einer unserer Action Heroes wird dann die Aufgabe übernehmen, herauszufinden, was passiert ist. Ein Team wird entweder mit dem Auto, Boot, oder kleinen Amphibien-Flugzeugen zu den gemeldeten Koordinaten ausschwärmen und die Situation im Feld untersuchen. Falls sie (illegale) Aktivitäten vorfinden, die die Daten bestätigen, werden sie sich mit den lokalen Behörden in Verbindung setzen. Ist diese Aktivität bekannt? Ist sie legal? Falls nicht, dann wird ein spezielles Team zur Strafverfolgung losgeschickt! Wir werden die Aktion filmen und all dies an die Erdwächter zurückmelden.

Die Action Heroes werden auch bei speziellen Teams mitmachen, die Orang-Utans und andere Wildtiere retten. Sie werden sich um sie kümmern und über ihre Fortschritte in den Rehabilitations­zentren berichten. Diese Orang-Utans können durch die Unterstützer von DeforestAction [symbolisch, Anm.] adoptiert werden und auf diese Weise bis zu ihrer Auswilderung in den neuen Sintang Lestari Wald, über den ich bald berichten werde, rehabilitiert werden. Die Paten werden regelmäßige Updates darüber bekommen, was ihr Orang-Utan gerade macht und werden so viel über sie lernen. Sie werden sogar in der Lage sein, ihre Orang-Utans live online zu sehen und können so eine persönliche Verbindung zu ihnen herstellen. Dadurch möchten sie vielleicht mehr über Orang-Utans mit Hilfe einer Anzahl von spezieller Software lernen.

Der Orangudome

Weit weg von Borneo, auf der Insel Java, tun sich gerade auch sehr wichtige Dinge. Einige unserer Action Heroes werden mit dem O-Team dorthin gehen. Von unserem Orang-Utan Center in Yogyakarta werden Teams Rettungen von Orang-Utans durchführen, die immer noch illegal von Leuten in ihren Häusern gehalten werden. Diese Orang-Utans werden in den Orangudom kommen. Eine riesige, 2 Fussballfelder große, offene Kuppel mit sieben getrennten 3D-Welten inklusive dem weltgrößten Baum (schaut euch wirklich große Bäume an) wird eine Heimat für diese verwaisten Orang-Utans sein. Hier werden sie auf Krankheiten untersucht, genetische Proben werden genommen, um herauszufinden von woher auf Borneo sie kamen. Und hier werden sie lernen wie man klettert, wie sie ihren Weg finden, werden wieder natürliches Futter essen, sich mit anderen Opfern sozialisieren und sich vorbereiten für ihre Rückführung nach Borneo oder Sumatra. Einige von ihnen werden zu unserem neuen Sinatng Lestari Wald in West-Kalimantan gehen. Wieder werden die Paten ihre Fortschritte verfolgen können, den ganzen Weg bis hin in die Freiheit.

Aber der Orangudome ist sehr viel mehr als nur eine Zwischenstation mit der die Konfiszierungen all der gefangenen Orang-Utans auf Java möglich gemacht werden soll. Einige dieser Orang-Utans werden nicht mehr in der Lage sein, in die Wildnis zurückzukehren. Nehmen wir zum Beispiel Johnny in Rangunan, einen erwachsenen Cheekpadder, der wegen einer Kugel, die sein Rückgrad ruiniert hat, halb lahm ist. Und einige blinde Orang-Utans und andere, denen Gliedmaßen fehlen. Für diese wird der Orangudome ein Platz werden, wo sie sich von all den Leiden erholen können. Sie werden mit anderen Orang-Utans in der ganzen Welt interagieren können, mithilfe von Touch Screens. Und manchmal können die Teilnehmer an DeforestAction mit ihnen über das Internet Kontakt aufnehmen, wenn die Orang-Utans es wollen, denn sie werden nie dazu gezwungen! Zusammen mit Prof. Paul Ekman werden wir eine Software entwickeln, die ihre Gesichtsausdrücke erkennen kann und werden so Brücken bilden. Denn sie zu kennen und zu verstehen ist die Grundlage dafür diese wundervollen Kreaturen zu respektieren.

Der Orangudome wird auch neue Standards für das Wohlbefinden von Orang-Utans in Gefangenschaft setzen und wir hoffen, dass viele Orang-Utan Halter aus der ganzen Welt kommen werden und mit diesen Opfern arbeiten werden, die die dauerhaften Bewohner der Orangudoms werden. Wir hoffen, dass sie Erfahrungen austauschen und gemeinsam bessere Standards ausarbeiten, für alle Orang-Utans in allen Zoos der Welt.

Zusätzlich zu dem allen, wird der Orangudome mit einem Informationszentrum verbunden, das wir nach Ulla von Mengden bennen werden, einer deutschen Lady, die 60 Jahre ihres Lebens der Pflege von Orang-Utans im Ragunan Zoo´in Jakarta gewidmet hat. Einige von “ihren” Orang-Utans, wie Johnny, der die letzten 30 Jahre seines Lebens in einem dunklen Beton-Käfig lebte, wird ein Bewohner des Orangudoms sein. Das Informationszentrum wird interaktive Lernmethoden beinhalten, die sich auf meine vielen Erfindungen vom Schmutzer Primaten Zentrum stützen und diese weiterentwickeln.

So wird der Orangudome und all die Aktivitäten einschließlich des Studiums der Orang-Utans und der Bereicherung ihres Lebens, wie auch der Information über die adoptierten Orang-Utans und der Möglichkeit mit ihnen zu interagieren, den jungen Menschen in der Welt die einzigartige Möglichkeit bieten, Orang-Utan Fähigkeiten kennenzulernen und das Orang-Utan Überlebensspiel zu spielen. Das Orang-Utan Überlebensspiel wird jetzt gerade vorbereitet und wird ein aufregendes Abenteuerspiel sein, bei dem die Teilnehmer/Spieler zum Orang-Utan werden, der im Dschungel überleben muss. Und in diesem Fall ist es nicht nur ein Dschungel, es ist ein realer, wie der in dem gerade noch die Orang-Utans leben. Die Spieler werden also lernen zu klettern, die Arme auf eine Art zu schwingen, die so wenig Kalorien als möglich verbrennt, Futter und Nestbäume und andere Orang-Utans zu erreichen. Sie müssen lernen welche Pflanzen essbar sind und wie man sie erkennt, welche Dschungelmedizin es gibt und wann welcher Baum blüht und fruchtet, etc.

GAME OVER!

Während die Spieler Punkte im Orang-Utan Überlebensspiel sammeln und vielleicht Preise wie eine Reise nach Borneo zu mir gewinnen können, gibt es eine Falle... Sie leben im Spiel an einem Ort, an dem wilde Orang-Utans leben. Das bedeutet, ihr Schicksal ist von Unsicherheit bestimmt, genauso wie es die Orang-Utans jeden Tag erleben, draußen in Borneo. Wenn nun also eine Palmöl-Plantage deinen speziellen Teil des Waldes niederholzt, heisst es “Game over!” Sehr ungerecht! Du hast alles richtig gemacht, du warst vielleicht kurz davor zu gewinnen, aber das passiert ständig mit den Orang-Utans und der einheimischen Bevölkerung... Und diese Information kommt von den Erdwächtern. Erdwächter, Orang-Utans, Spieler, Einheimische, Action Heroes, wir alle interagieren und wir arbeiten zusammen. Wir bauen Brücken!

Village Hub (Fabrik für’s Dorf)

Wenn sich also Ärger zusammenbraut, werden wir es durch die wöchentlichen Berichte der Erdwächter erfahren. Teilnehmer/Spieler werden gebeten, die Action Heroes zu kontaktieren und herauszufinden, wie man andere Spieler davor bewahren kann, genauso zum Opfer zu werden und auf diese Weise den Orang-Utans und den Einheimischen zu helfen. Wir werden auch die Einheimischen mit Projekten wie der Fabrik für’s Dorf versorgen. Der Village Hub ist eine alleinstehende, schlüsselfertige Miniatur-Fabrik ohne Abfall, die nur Zuckerpalmsaft nutzt und die Menschen mit Jobs, Elektrizität, Treibstoff, Dünger, Viehfutter, Trinkwasser und eine Reihe von Services versorgt, die auf Telekommuni-kation basieren, darunter auch Fernunterricht und Gesundheitsvorsorge. Indem wir den Einheimischen helfen, werden sie uns helfen. Dies ist bereits ein Wunsch der Dajak nahe Putussibau, worüber ich schon früher schrieb, wo sie uns einen wunderschönen Wald geben möchten, der ideal für die Freilassung von Orang-Utans ist. Im Austausch dafür, dass wir mit ihnen und den Zuckerpalmen, die sie bereits haben, arbeiten.
Sintang Lestari
Wenn wir uns all das, was ich hier geschrieben habe, anschauen, kann man erkennen, dass es ein schlüssiges und hochmotivierendes Programm ist, um junge Menschen auf der ganzen Welt dazu zu verlocken, zu lernen und Zusammenhänge zu verstehen und miteinander und auch mit den Einheimischen zusammenzuarbeiten. Aber ein wichtiges Stück bei dem Ganzen fehlt noch. Sintang Lestari! Lasst uns nun also auf das Bild unten schauen und sehen, was es mit Sintang Lestari auf sich hat.

Sintang Lestari

Sintang Lestari ist ein Wiederaufforstungsprogramm im autonomen Sintang Distrikt, wo uns die Regierung und die Einheimischen ein Gebiet über 50.000 Hektar gegeben haben, damit wir es wiederaufforsten. Das Areal besteht größtenteils aus zerstörtem Waldhabitat, aber auch etwas Sumpfland, in das die Orang-Utans bereits freigelassen werden können. Es gibt auch etwas guten Wald, wo wir lernen können, worin der wirkliche Wert der primären Regenwälder liegt und in dem wir wilde Orang-Utans beobachten können.