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Bericht - Sintang: Pinoh’s Geschichte... mit einem Happy End!

Bericht - Sintang: Pinoh’s Geschichte... mit einem Happy End!


Sintang: Pinoh’s Geschichte... mit einem Happy End!


24 September 2010
 
Diese Geschichte kommt direkt von unserer freiwilligen Tierärztin in Sintang, Frau Rosalie Dench, die sich vor kurzem ganz besonders mit Pinoh, einem der Orang-Utan Babys am Zentrum beschäftigte…
 
Pinoh wurde vom O-Team aus absolut grauenhaften Bedingungen gerettet. Was ihre Situation ganz besonders heimtückisch machte, war, dass ihr Besitzer nicht einfach nur ein Jäger oder Tierschmuggler war, wie das so oft der Fall ist: Pinoh war im Besitz des lokalen Bupati (Bürgermeisters) in der Nachbarstadt von Nangah Pinoh.
 
Sie können mehr über Willie Smits’ grauenhafte Erfahrung bei der Rettung von Pinoh lesen auf „Willie’s Blog".
 
Der gesundheitliche Zustand, in dem die Orang-Utans sind, wenn wir sie nach Sintang bringen, ist nie gut. In der Tat ist es meist die Frage, ob die armen Orang-Utans einfach nur sehr ungesund, katastrophal ungesund oder so unterernährt und krank sind, dass sie buchstäblich dem Tode nahe sind. Einige dieser kleinen Orang-Utans – so wie die kleine arme Neng, ein anderes Weibchen, das wir retteten – werden dazu gezwungen, sich von nichts anderem zu ernähren als Reis, und das ihr ganzes Leben lang… Und in der Tat überleben sie kaum…
 
Wenn die Orang-Utans dann ans Zentrum kommen, muss man ihnen schrittweise eine geeignete Ernährung nahe bringen, und in den ersten Tagen, Wochen oder sogar Monaten kann es ziemlich wild in ihren Eingeweiden zugehen. Das war der Fall bei Pinoh…
 
Hier erzählen wird Ihnen die Geschichte wie Rosalie – zusammen mit der Rund-um-die-Uhr-Unterstützung des ausgezeichneten Teams in Sintang – es geschafft hat, Pinoh zurück ins Leben zu holen.
 
Wir freuen uns, dass wir hiermit bekannt geben können, dass es Pinoh jetzt besser geht!
 
Danke an alle, die dabei mitgeholfen haben, dass sie durchkommt {:(|}
 
Orang-Utan Zentrum in Sintang
 
Diese Woche hatten wir einen sehr armen Orang-Utan in unserer Obhut. Am Dienstagmorgen sind wir um 06:30 Uhr zu den Käfigen gegangen und haben eine sehr gebändigte Pinoh vorgefunden, ein 3-jähriges Weibchen, das auf uns herabsah von den oberen Kletterstäben. Sie hat sich geweigert, für Futter oder etwas zu Trinken herunter zu kommen. Deshalb musste Paulinus, einer der Pfleger, raufklettern und sie herunter holen. Sie hat ein bisschen Milch akzeptiert und aß einen Mund voll Süßkartoffeln. Sie war aber sehr lethargisch und anklammernd und ihr Bauch war sehr gespannt und geschwollen, als ob ihre Eingeweide voll mit Gas und Flüssigkeit sind.
 
Wir brachten sie in die Klinik in einen Isolierkäfig, damit wir sie beobachten konnten. Ihre Atemzüge und Herzschläge waren sehr schnell und schienen mit den Schmerzen in ihrem Bauch zusammenzuhängen. Wir sprachen mit dem Regierungs-Tierarzt vor Ort, der sehr hilfreich war und uns etwas Tramadol aufgetrieben hat, damit wir etwas zur Behandlung von Schmerzen hatten. Das scheint den Schmerz gelindert zu haben, aber sie hat immer noch Futter und Wasser verweigert. Wir versuchten ihr Milch, Elektrolyte und Fruchtsaft anzubieten – aber sie hat alles von sich weggestoßen. Als wir versuchten, sie über eine Schlundsonde zu ernähren, spie sie die Flüssigkeit gewaltsam wieder aus.
 
Um die Mittagszeit herum hat sie ein wenig Flüssigkeit erbrochen. Wir haben uns entschieden, ihr zu diesem Zeitpunkt keine Nahrung zu geben. Wir haben es geschafft, ihr ein bisschen Metoclopramid [Medikament, zur Behandlung von Erbrechen und Übelkeit, Anm.] zu geben, aber sie hat immer noch nicht auf die Behandlung angesprochen. Es ist unwahrscheinlich, dass ein intravenöser Katheter drinnenbleiben würde. Wir haben ihren Blutdruck gemessen und eine kleine Untersuchung ihres Urins gemacht; beides war normal.
 
Wir haben es geschafft, ein bisschen Blut für das Labor vor Ort abzunehmen. Sie hat kein Malaria oder Thyphus. Als weitere mögliche Diagnose blieb nur noch Vergiftung durch Essen. Man kann niemals sicher sein, dass sie nicht von einer giftigen Frucht oder einem Blatt abgebissen haben, wenn sie in der Waldschule ganz oben in den Bäumen herum klettern. Es könnte auch eine Reaktion auf die lange Behandlung mit Antibiotika für E. coli sein, oder was am schlimmsten wäre, ein Fremdkörper. Dann müssten wir operieren. Ohne Zugang zu einem Röntgengerät, besteht unsere einzige Möglichkeit darin, sie unterstützend zu behandeln – und das bei einem Tier, das immer noch stark genug ist und sich gegen alle unsere Behandlungen wehrt.
 
Am Nachmittag ging es mit ihr bergauf und bergab. Manchmal saß sie aufrecht in ihrem Käfig und schaute umher, und manchmal war sie schläfrig und desinteressiert. Um 6:00 Uhr abends hat sie wieder angefangen, sich zu erbrechen. Diesmal war es eine große Menge an Flüssigkeit und die Reste der Süßkartoffel, die sie fast 12 Stunden vorher gegessen hatte. Wir entschieden, sie an einen Tropf mit Laktat-Ringer und Glukose zu hängen. Diesmal hat sie sich nicht gewehrt. Die Pfleger und ich haben uns bereit gemacht für eine Nacht zur Beobachtung und haben Matratzen in der Klinik ausgelegt. Paulinus und Michel haben sich abwechselnd neben Pinoh gelegt, um zu verhindern, dass sie sich den Katheder rauszieht. Sie schien ruhiger zu werden und ihr Herzschlag und ihr Atem normalisierten sich. Sie war ziemlich glücklich, sich anschmiegen zu können und war fasziniert von dem Film, den sich die Jungs auf ihrem Computer anschauten, um wach zu bleiben!
 
Aber dann kurz vor Mitternacht, kam ein weiterer Schwall an Erbrochenem. Ich gab ihr Metoclopramid in die Vene und schließlich, ungefähr um 2 Uhr nachts, ging es ihr besser. Sie hat sich sehr geschämt und versuchte, sich in einem Handtuch zu verstecken. Aber alle Handtücher in der Klinik waren bereits voll mit Erbrochenem. Paulinus hat ihr dann sein T-Shirt gegeben, damit sie es warm hat, und er hat mit den Moskitos gekämpft.
 
Als der Morgen graute, war Pinoh schon wach. Es ging ihr offensichtlich viel besser, als sie über mich hinweg kraxelte und versuchte, die Vorhänge aus den Schienen zu ziehen! – Aber sie hat sich immer noch geweigert, mehr als einen Mund voll zu trinken, von allem, was wir ihr anboten. Ihr Bauch war nicht mehr so angespannt, und die meiste Flüssigkeit war durch das Erbrechen weg. Jetzt konnte ich ihren Bauch besser abtasten und sah, dass ihr Darm recht voll war. Ich vermute, ihre Verstopfung hat zu einem Rückstau und zum Erbrechen geführt. Sie bekam ein Abführmittel und so konnte sie etwas Kot absetzen.
 
Nach dieser Demütigung hat Pinoh entschieden, dass sie nun frische Luft braucht! Sie hat Michel zur Warnung kurz in die Hand gekniffen, als er sie aufhalten wollte. Sie hat aber nicht versucht, ihren Katheter rauszuziehen und so gingen wir alle nach Draußen, zu einem kurzen Spaziergang durch den Garten. Sie hat es wirklich genossen, wurde aber schnell müde, so dass wir sie zum Schlafen zurück zur Klinik trugen.
 
Nach dem Mittagessen kam Herr Niko, der der eigentliche Pfleger von Pinoh ist, in die Klinik. Wenn wir in der Waldschule sind, findet er immer ein paar Leckerbissen für sie. Er brachte ein Bündel mit Pinoh’s Lieblingsspeisen mit – Rattanschösslinge, gut schmeckende Blätter und kleine Früchte, ein bisschen ähnlich wie Passionsfrucht. Nach einem kurzen Zögern, hat Pinoh ein wenig davon gegessen. Sie war aber immer noch sehr müde und trank nur wenig von der Elektrolyt-Lösung. Am Abend hat sich Pinoh neben mich gelegt und sich während der Nacht kaum bewegt, obwohl ich sie alle paar Stunden untersucht habe. Der Katheder blockierte um 3 Uhr nachts. Ich entfernte ihn und wollte schauen, wie es ihr damit geht.
 
Am Donnerstagmorgen ist sie um 6 Uhr aufgewacht und schien nun viel mehr an der Welt interessiert zu sein. Als wir ihr eine Flasche mit Elektrolyten anboten, hat sie die wieder weg gestoßen. Ich ging also in die Küche und bereitete ihr ein Glas mit warmer Milch vor und mir selbst eine Tasse Kaffee. Dies schien viel mehr nach ihrem Geschmack zu sein (obwohl sie sehr neugierig war, was ich trinke und warum es eine andere Farbe hat als ihres). Wir saßen etwas schläfrig zusammen – ich mit meinem Kaffee und Pinoh mit ihrem Glas Milch.
 
Als Herr Niko zur Arbeit ankam, setzte sich Pinoh auf, ging zur Tür und begrüßte ihn. Sie aß ein gutes Frühstück und als ich dann ihre Schüssel auswusch, sah ich, dass sie sich selbst die Vordertür hinausgelassen hatte und schon halb die Auffahrt hinauf war! Wir entschieden, dass auch wenn sie noch nicht 100% hergestellt ist, sie doch fit genug ist, um in ihren Käfig in der Klinik zu kommen bevor sie noch mehr Unfug anrichtet!
 
Rosalie Dench, Sintang Orangutan Centre, September 2010