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Bericht - Willie's Krieg: Der Conde Nast Umweltpreis im 21ten Jahr

Bericht - Willie's Krieg: Der Conde Nast Umweltpreis im 21ten Jahr


Willie’s Krieg: Der Conde Nast Umweltpreis im 21ten Jahr
von Jason Tedjasukmana

Wenn man es so sieht, scheint Nord-Sulawesi nicht gerade ein geeigneter Ort für eine Umwelt-Revolution zu sein. Die Ansammlung von indonesischen Inseln nahe der Sulawesi-See beheimatet unglaubliche Strände und Korallenriffe, die die lokale Tourismus-Industrie dazu inspiriert haben, dies als Platz für „Abenteuer jenseits aller Träume“ zu verkaufen, ganz besonders das spektakuläre Sporttauchen. Aber die Geschichte von Willie Smits zeigt, dass sich hinter den unbestreitbaren natürlichen Schönheiten der Küstenresorts eine bemerkenswerte Quelle für erneuerbare Energien versteckt.

Es begann 1989, als Willie Smits, ein geborener niederländischer Wissenschaftler, der für das indonesische Forstministerium arbeitete, einen Baby Orang-Utan fand, der in Ost-Kalimantan, einer Provinz auf Borneo, auf einen Müllhaufen geworfen worden war. Nachdem er Uce, wie er sie nannte, zurück ins Leben geholt hatte, begann Smits andere Orang-Utans, die krank oder entsorgte, ehemalige Haustiere waren, einzusammeln. Im Jahr 1991 gründete er das, was schließlich die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) wurde. „Willie hat sehr viel Aufmerksamkeit auf die Not der Orang-Utans gezogen,“ sagt Gabrielle Fredriksson, eine Tierschützerin, die den Anpassungsprozess der ersten 80 Orang-Utans untersuchte, die BOS in den Jahren 1992 bis 1997 in die Freiheit entlassen hatte. Ihre Not ist schrecklich: Baby Orang-Utans werden als Haustiere verkauft in Indonesien und ebenso an private Zoos in die benachbarten Länder wie auch in den Mittleren Osten. Die indonesische Regierung schätzt, dass seit 1970 beinahe 100.000 Orang-Utans getötet oder in Gefangenschaft verkauft wurden, und, dass nur noch etwa 50.000 wilde Orang-Utans in Borneo übrig blieben und weniger als 7000 auf Sumatra.

Seit 1991 hat BOS 1500 Orang-Utans gerettet, indem sie in Rehabilitationszentren überall im Land gebracht wurden. Indem er den illegalen Tierhandel auf’s Korn nahm, hat Smits Hunderte von Morddrohungen von den Tierschmuggelnetzwerken, von illegalen Holzfällern, die das Orang-Utan Habitat dezimieren, und von schurkischen Mitgliedern der lokalen Sicherheitskräfte bekommen. Im Jahr 1997 flohen Smits, seine Frau und drei Söhne von Balikpapan in Ost-Kalimantan, nachdem er sich in das, was er die Verwicklung des Militärs in den Wildtierhandeln und illegale Abholzung nennt, gemischt hatte. Und 2003 wurde er dazu gezwungen, Jakarta zu verlassen, nachdem er Tierhändler in Ost-Java verärgert hatte. „Sie wissen, sie müssen mich töten, wenn sie mich loswerden wollen,“ sagte Smits unnachgiebig. „Ich bin Indonesier.“

Smits kam 1980 zum ersten Mal nach Indonesien, um seine Diplomarbeit in tropischer Forstwirtschaft zu beenden, die er in den Niederlanden begonnen hatte. 1985 holte ihn der indonesische Forstminister zurück, damit er bei den Problemen die das Land mit Pilzen hatte, die die Hartholzbäume attackierten, mithalf. Seine Rettung von Uce war der Anfang einer lebensverändernden Mission, die sich nun über den Lebensraum der Orang-Utans und die Industrie, die ihn verschlingt, hinaus erstreckt.
Entwaldung und der illegale Tierhandel sorgen immer noch dafür, dass die schwindende Population dezimiert wird. Nach einer Reise vor kurzem in den Dschungel von West-Kalimantan, hat Smits einen anderen Orang-Utan, der für 800.000 Rupiah, oder 90 US Dollar, verkauft wurde, gerettet. „Das sind drei Monatseinkommen für diese Leute,“ erklärte er. Armut sei einer von vielen Gründen, weshalb man den Handel so schwer stoppen kann.

Smits, nun 53 Jahre alt und indonesischer Staatsbürger, hat beinahe eine Million Bäume auf Nord-Sulawesi gepflanzt und die Bewunderung von vielen aus der Stadt Tomohon, seiner Wahlheimat, erworben. Von hier aus steuert er verschiedene lokale Unternehmen, einschließlich eines Palmzucker-Geschäftes, einer Fabrik, die Möbel aus Abfallholz herstellt, und einer technischen Universität. Seine neue Herausforderung ist es die Welt zu alarmieren, was uns unser unstillbarer Durst nach Palmöl, das in allem verwendet wird, von Schönheitsprodukten bis hin zum Biosprit, kosten wird. Laut dem Worldwatch Institut ist Indonesien der größte Lieferer auf dem Planeten, mit Plantagen, die jedes Jahr etwa 800.000 Hektar Wald verschlingen. Für die Zukunft der weniger als 300 Millionen Hektar an tropischem Wald, die noch in Indonesien verbleiben, sieht Smits schwarz: „Wir sind Zeugen der Ausrottung von großen Teilen der Biodiversität in Südost-Asien,“ fügt er hinzu.

Der Schlüssel, um diese Zerstörung zu stoppen, sagt Smits, ist die Arenga Zuckerpalme und er ist auf einer missionarischen Tour, um die Vorteile dieser Palme zu verbreiten. „Palmzucker produziert drei mal mehr Zucker als Rohrzucker,“ sagt er und stellt die Vorteile gegenüber Rohrzucker heraus, der von Brasilien bei dessen erfolgreichem Ethanol-Programm verwendet wird. „Palmzucker hat auch einen niedrigeren, glykämischen Index als regulärer Zucker.“ Dennoch, das größte Versprechen der Zuckerpalme liegt in dem was Smits als deutliche Überlegenheit gegenüber der Ölpalme bezeichnet. Die Ölpalme laugt den Boden aus und fruchtet dann nicht. Im positiven Kontrast dazu wächst die Zuckerpalme nur in sekundären Mischwäldern und erlaubt anderen Pflanzenarten und Gemüsen zu existieren und zu wachsen. Und nach den ersten zwei oder drei Jahren braucht sie keinen Dünger mehr – ganz im Gegensatz zur Ölpalme. Die Zuckerpalme kann bei einem Berg gedeihen, [Zuckersaft, Anm.] wird täglich geerntet, und, so Smits, „bietet 20 mal mehr Arbeitsplätze für die Ernter und Bauern, als Ölpalmen oder Zuckerrohr.“ Er behauptet, dass es die einzige Form von erneuerbarer Energie ist, die in großen Mengen produziert werden kann und das bereits heute.

Smit’s Palmzucker-Fabrik, die von seiner Masarang Foundation geleitet wird, ist eine makellose, gut funktionierende Sache, bei der “Null Abfall” das Ziel ist. Jeder Stamm und jeder Wedel wird benutzt, um Zucker für den Export zu machen, Ethanol um die Fabrik am Laufen zu halten, eine Soja-artige Soße, Essig, Palmsaft und sogar Rum.

Weil Zuckerpalmen auch feuerresistent sind, hat Smits Tausende davon um sein Tierschutz-Zentrum und die Ökolodge auf Borneo, Samboja Lestari („Samboja Forever“) angepflanzt, um die Orang-Utans zu schützen, falls es zu Feuerbränden in der Umgebung kommt. Samboja Lestari liegt auf einem 5000 Hektar großen Areal, das BOS aufgeforstet hat, ungefähr 25 Meilen von der Hafenstadt Balikpapan entfernt. Heute ist es die Heimat eines üppigen Regenwaldes mit fast 500 verschiedenen Schmetterlings- und Insektenarten, 578 Pflanzenarten und 1232 Baumarten (genug um als Habitat für bis zu 1000 Orang-Utans zu dienen). Die Ökolodge hat 26 einfach möblierte Zimmer aber mit Klimaanlage und nimmt Gäste ebenso auf wie Volontäre, die dafür bezahlen, im Rehabilitationszentrum zu arbeiten.

Man könnte denken, dass Smits‘ Erfolg bei der Wieder-Begrünung von tausenden von Hektar auf Borneo und großen Teilen Nord-Sulawesi’s ihm den Respekt der lokalen Politiker eingebracht hätte. Im Gegenteil, seine Bemühungen, die Umwelt zu schützen und das Leben von tausenden von lokalen Bauern zu verbessern, wurden wiederholt von korrupten Bürokraten und Geschäftsleuten mit Macht im Rücken behindert. Smits möchte die Menschen davon überzeugen, nicht an den kurzfristigen Nutzen zu denken, sondern über Wege, wie man natürliche Ressourcen für die Zukunft erhalten kann. Seine furchtlose Einstellung dabei, mag seine Familie zermürben, aber sie haben mit der Zeit seinen Mut akzeptiert und sind nun einig im Kampf. „Willie hat so viele Ideen. Er braucht nur den Rückhalt derer mit politischer Macht,“ sagt seine Frau, Syennie Watoelangkow, ein Mitglied des Minahasa Volkes, die die Region dominieren.

Syennie muss es wissen. In ihrem Kampf gegen Korruption in ihrer Heimatstadt Tomohon, lies sie sich diesen Sommer als Bürgermeister zur Wahl stellen. Sie war der Favorit, verlor aber dennoch die Wahl, wegen nicht mehr als 2% – ein Ergebnis, das sowohl sie als auch ihr Mann einer betrügerischen Abstimmung zuschreiben und weitverbreiteter Betrügereien. “Wir nehmen keine Bestechungs­geschenke und deshalb sind wir gefährlich,“ sagt Smits, „Wir sind beliebt und nicht kontrollierbar.“

Die Umsetzung von Ideen in die Wirklichkeit ist überall schwierig, und ganz besonders in Indonesien, wo die Kultur der Korruption so tief eingegraben ist, dass nahezu jede Institution davon betroffen ist und wo es üblich ist, dass Beamte hinter Gitter kommen. Drei Jahrzehnte haben einen Tribut von Smits gefordert und ihn zynisch werden lassen über viele Dinge – aber nicht über die Vorteile und die Versprechen der Arenga Zuckerpalme. „Es gibt nichts ähnliches wie diese Palme,“ sagt er. „Wir können die Energie-Probleme der Welt lösen mit diesem einfachen Baum.“

Es ist ein steiler Anstieg durch kniehohen Schlamm und Dickichte aus drahtigen Zweigen, bis zum Mount Masarang, in einer abgelegenen Ecke von Nord-Sulawesi. Aber Smits schafft den Anstieg mit der übernatürlichen Fähigkeit einer Bergziege. Nach ungefähr 90 Minuten, kommen wir am Gipfel an, um eine einsame weiße Kuh vorzufinden, die auf einem ausgedehnten Hügel grast. Eines Tages, so hofft Smits, kann er diesen Spot in eine sich selbst erhaltende Gemeinschaft umwandeln, die Intellektuelle, Künstler und Umweltschützer von überall auf der Welt anzieht. Seine Idee ist, dass sie zusammen große Fragen in Angriff nehmen, wie man den Energie-Bedarf der Welt löst und was man zukünftig braucht, um die weitere Zerstörung der Regenwälder aufzuhalten, die so wichtig für die Gesundheit des Planeten sind.

In der Zwischenzeit müssen andere bestehende Kämpfe gewonnen werden und Denkmuster verändert werden.

Quelle: Concierge.com