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TEM'BAK

13.07.2014
Diese Geschichte wurde von Agung Berdura, einem jungen Dayak aus Tem´bak geschrieben. Es ist eine eindrucksvolle Erzählung über die Gewohnheiten, die Geschichte und die Schwierigkeiten der Menschen, die hier leben. Und sie erzählt über die anhaltenden Probleme mit den Palmöl-Unternehmen. Genau aus diesem Grund unterstützt Masarang International die Menschen von Tem´bak. Weiterlesen...
 
 

Tem´bak ist ein Dorf im Bezirk von Ober-Tempunak und besteht bereits seit sehr langer Zeit. Das erste Dorf mit Namen Tem´bak wurde vor 300 Jahren in Tembawang Lalang gegründet, ca. 700 Meter südlich oder stromaufwärts vom heutigen Dorf entfernt. Das Dorf damals wurde nur von ein paar Familienoberhäuptern gegründet, die die „Officials“ genannt wurden. Jedoch passierte dort jährlich, monatlich, manchmal sogar wöchentlich ein Unglück: die Dorfbewohner fanden eines ihrer Familienmitglieder tot auf, oder manche verschwanden einfach auf mysteriöse Weise. Das war natürlich sehr problematisch für alle Bewohner von Tem´bak. Einer der Männer hatte einen Traum, dass dieser Ort das Zuhause eines Geistes oder einer übersinnlichen Kraft war. Schließlich beschlossen die Menschen, diesen Ort zu verlassen und das Dorf dort aufzubauen, wo es sich heute befindet. Der neue Ort wurde ursprünglich nur von einigen der Haushaltsvorstände gegründet.
 
Jeden einzelnen Tag arbeiteten die Familien am Bau des traditionellen Langhauses, mit acht Türen für acht Familien. Als das Langhaus fertig war, lebten sie dort für viele Jahre. Und wenn eine Familie wuchs, dann wuchs das Haus mit. 1988 war die Gemeinschaft bereits ziemlich angewachsen, was natürlich zu Meinungsverschiedenheiten von verschiedenen Familien im Langhaus führte. Einer nach dem anderen von den führenden Familien, verließ das Langhaus und baute sich sein eigenes Haus. Aber wie auch immer, die Gemeinschaft von Tem´bak hat immer noch einen sehr starken Sinn für das Leben entsprechend dem traditionellen Weg und den Gebräuchen und der Kultur,  die die Menschen während ihrer Zeit im Langhaus innehatten. Ein Beispiel: es gehörte zu ihren Angewohnheiten, alles zu teilen. Und bis heute steht die Gemeinschaft von Tem´bak fest zu diesem Brauch, vor allem dann, wenn es um die Umwelt und die Zukunft der nächsten Generation geht.

Das ist etwas, das die Gemeinschaft in Tem’bak von anderen Dörfern unterscheidet. Denn heute ist es üblich, dass Menschen, die das Recht haben, eine Gemeinschaft  anzuführen, wie zum Beispiel der Leiter des Dorfes, der traditionelle Leiter, etc. von den Dorfbewohnern ausgesucht werden nach Kriterien wie Weiterentwicklung, Regierung und Brauch der Dayak Seberuang.
 
Leider vergessen diese Dorfoberen aus Gier manchmal ihre Pflichten als Anführer eines Stammes, was zu Zerstörung und zum Ende des Dayak Seberuang Volksstammes führen kann, oder zur Vernichtung der Ressourcen, und zuletzt auch zum Aussterben der nächsten Generationen. Wir  sollen dann mit den Konsequenzen der Handlungsweisen der Anführer der Gemeinschaften leben, die verantwortungslos mit ihren Pflichten umgehen. Es ist einiges passiert hier in unserer Gegend. Situationen wie oben beschrieben kann man jederzeit in unserem Nachbardorf, Desa Sungai Buluh, beobachten, wo das Dorfoberhaupt Land, Wald und Land der Gemeinde an Palmöl-Firmen oder Investoren in Palmöl-Plantagen verkauft hat. Das ist wirklich enttäuschend für unsere Gesellschaft, und die Auswirkungen können wir als Nachbarn ebenso spüren.
 
Im Jahre 2009 versuchte ein PR-Mitarbeiter einer Palmöl-Firma, mit unserer Gemeinschaft im Dorf Mali Gurung, und mit dem Dorf Sungai Buluh, dem Dorf Tem´bak und anderen Dörfern in Tempunak Hulu in Verbindung zu treten. Die Dörfer aber hatten viele Gründe, diesen Versuch der Annäherung abzulehnen. Leider konnten diese Firmen trotzdem nicht weniger als 700 Morgen von ursprünglichem Regenwald nahe dem Dorf Sungai Buluh zerstören. Das Unternehmen nahm das Land, unseren Boden, ohne auch nur die geringste Genehmigung von der Gemeinschaft dafür zu besitzen!
 
Seit dieser Zeit lehnten wir jedes Unternehmen ab, das unsere Zukunft zerstört, unsere Wälder, und uns unsere Identität als Stammesmitglieder der Dayak untergräbt. Wir wollen unser Land und unsere zuverlässig geschützten Wälder nicht aufgeben, an niemanden abgeben, das beinhaltet selbst die Regierung. Wir wollen von unserer Regierung, dass sie unsere Existenz als Ureinwohner anerkennt, als Dayak, die wir seit Anbeginn hier lebten. Wir verlangen, dass der Staat uns anerkennt und schätzt als eine Gesellschaft für die es normal ist, den bestehenden Wald zu bewirtschaften und zu schützen. Wenn der Staat uns nicht anerkennt, dann werden wir ihm das gleiche antun....
 
Bis zum Jahr 2010 hatten wir noch immer Probleme mit den Palmöl Firmen, weil es schwierig ist, jemanden von unseren Ressourcen und Fähigkeiten zu überzeugen.
 
Im Juli 2011 bekamen wir Besuch von einer Gruppe Studenten, die der „Global Exploration“ Organisation angehören, aus den Niederlanden, geführt von Mr. Jean Kern, oder wie er bei uns genannt wird, Mr. Jho. Zur selben Zeit hielten wir gerade unser jeden Juli stattfindendes Event „Gawai Dayak“ ab. Das ist unser Ritual, um dem Allmächtigen für die Ernte zu danken, die wir das Jahr über einholen konnten.
 
Der Besuch der jungen Leute war für uns sehr ungewöhnlich, unglaublich und etwas völlig Neues für uns. Wir konnten sie nur direkt in den Wald führen, weil wir zugegebenermaßen nicht gut Englisch sprechen. Wir brauchten Mr. Josafat (einen Lehrer der SMA PANCA SETYA High School in Sintang) um mit den Leuten und ihren Lehrern kommunizieren zu können. Mr. Jean Kern erzählte uns, er hätte einen Freund namens Dr. Willie Smits, der äußerst engagiert und involviert ist in den Orang-Utan Schutz und einer der Berater des früheren Ministers für Forstwirtschaft war. Er sagte uns, dass unser Wald für das „Forest Conservation Program“ ideal wäre, und später könnte er als Orang-Utan Auffangstation dienen. Unsere Leute begrüßten diese Idee, und wir hoffen, dass früher oder später die Orang-Utans zu uns in den Wald zurückkehren können.
 
Im späten September 2012 lud Mr. Jean Kern, Dr. Willie Smits in unsere Heimat ein, um den Wald zu beobachten und die Durchführbarkeit der Projekte zu prüfen. Dr. Willie Smits befand den Wald als ideal, um hier eine Orang-Utan Schutz Station einzurichten. Er entwickelte einen Plan, und heute befindet sich hier eine Klinik für die Orang-Utans, die auch als Hauptquartier für die Pfleger und die Tierärzte dient.
 
Was das Wohlergehen und die Entwicklung anbelangt, ist das Dorf von Tem´bak sehr fortgeschritten, verglichen zu anderen Dörfern in den höher gelegenen Regionen von Tempunak. Ein paar Höhepunkte aus unserer Gemeinschaft:
 
Wir sind das erste Dorf, das ein einfaches, kostengünstiges und umweltfreundliches Mikrowasser-Kraftwerk gebaut hat, und das in der ganzen Sintang-Region.



Mini-Wasserkraftwerk Tem'bak 

Für uns und viele andere Menschen hier ist eine Motivation, die Vorteile der Natur zu nutzen. Natürlich tun wir dies au  umweltverträgliche Weise; wir achten die Umwelt und wir schützen den Regenwald, unseren Regenwald, weil wir verstanden haben, dass die Wasser-Ressourcen nicht existieren würden ohne den Wald, den Dschungel.
Zweitens sind wir eines der wenigen Dörfer oder Communities, die immer noch zu unserer Übereinkunft stehen, die Palmölindustrie und -Investoren von unserer Gegend zurückzuweisen.
 
Wenn wir unser Land einmal verkauft haben, gibt es keinen Weg, es „zurückwachsen“ zu lassen, weil es keine Fabriken gibt, die Land erzeugen können. Stattdessen investieren wir in unsere und die Zukunft der künftigen Generationen.
 
Drittens sind wir eine der wenigen Gruppen von Menschen, denen es möglich ist, den Wald möglichst nahe am Dorf zu erhalten, es sind zirka 100 Meter nach Westen von unseren Häusern. Die jungen Leute können so den Wald erforschen und von medizinischen Pflanzen lernen, ohne dafür bezahlen zu müssen.


 
Der medizinische Garten Tem´bak
 
Und viertens wird das Orang-Utan Erhaltungs-Programm von Dr. Willie Smits viele Touristen in unser Land bringen (und automatisch natürlich in andere Gegenden hier). Jetzt können wir unser „Langhaus“ sehr gut für Veranstaltungen und Versammlungen nützen. Es ist auch leichter für uns, mit den Jungen unsere kulturellen Aktivitäten zu organisieren und sie dazu zu animieren,  zu Weben und Schnitzen oder Musikinstrumente zu spielen, oder unsere traditionellen Tänze zu erlernen; oder die Geschichten der Seberuang Dayak nieder zu schreiben..
Das Langhaus unterstützt uns dabei, unsere Kultur unseren Kindern weiterzugeben.
 
Wir haben herausgefunden, dass zirka 80% unserer jüngeren Generation haben unsere Kultur bereits vergessen, und, was noch schlimmer ist, sie wissen nichts über unsere eigene Kultur.
So müssen wir die Jugend in Tempunak immer wieder dazu motivieren, unsere Lebensweise zu erhalten und hochzuhalten.
 
Und zu guter Letzt, mit der Gründung der Tenkawang-Fett-Fabrik können wir Wohlstand für mehr Menschen der Gemeinschaft bringen, und den Wert der Tengkawang Bäume steigern, sodass die Menschen die Bäume schützen und nicht abholzen.
Ein Großteil dieser Bäume wurde bereits gefällt, was einen Rückgang der Tengkawang Nüsse in unserem Gebiet zur Folge hatte. Wir wissen alle, dass der Verlust dieses Einkommens, eines der wichtigsten für die Dayak Gemeinschaft, der Vorteil der Palmölindustrie ist, da wir dann natürlich von diesen Unternehmen abhängig sein würden.


 
Agung Bedura
 
 
Englischer Text hier
 
 
 
 
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