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Ein detailierter Blick auf 8 Wochen Freiwilligenarbeit in Tasikoki

07.10.2015
Myrte Voormolen, eine holländische Freiwillige, berichtet über ihre Erlebnisse im Tierrettungs- und Bildungszentrum Tasikoki auf Nord-Sulawesi, in dem sie den Sommer 2011 verbracht hat. Weiter...
 

Ankunft

Nachdem ich die holländische Fernseh-Sendung Reunion (‚Klassentreffen‘) gesehen hatte, in der Willie Smits zu Gast war, war ich so enthusiastisch, dass ich am 20. Juni 2011 ein Flugzeug nach Indonesien bestieg, um für 8 Wochen in Tasikoki freiwillig mit zuarbeiten. Am nächsten Tag kam ich sicher in Manado auf Nord-Sulawesi an, wo Billy von Masarang auf mich wartete, um mich mit seinem Auto in den Park zu fahren.

Nur ein weiterer Tag im Park
Die Tage in Tasikoki sind, ganz besonders wenn man mehrere Wochen dort verbringt, ziemlich ähnlich, aber niemals gleich. Um 05:30 Uhr klingelt der Wecker für die meisten von uns, d.h. für diejenigen, die eine Tasse Kaffee oder Toast brauchen, bevor sie um 06:00 Uhr anfangen zu arbeiten. Die erste Schicht geht von 06:00 Uhr bis 08:00 Uhr. Die Aktivitäten hängen davon ab, in welches Team man eingeteilt wird. Wenn es genug Volontäre gibt, sagen wir mal so mindestens 6, arbeitet man in 3 Teams: ‚Primaten‘, ‚Borneo‘ und ‚Vögel‘.

Das Team ‚Primaten‘ muss sich um die 44 Makaken und um Betty, den Siamang, kümmern. Am Morgen gibt man ‚Äsung‘ (Vegetation) an sie alle aus. Äsung ist ein Begriff, der uns zuerst völlig verwirrt hat, aber es ist etwas, an das man sich in den folgenden Tagen gewöhnt. Die Tiere bekommen ‚Äsung‘ zweimal am Tag: niedrige Vegetation am Morgen, hohe Vegetation am späten Nachmittag. Das Gute an ‚Äsung‘ ist, dass der Park es selbst zur Verfügung stellt. Das Team ‚Borneo‘ ist verantwortlich für die Orang-Utans, die Sonnenbären und die Gibbons. Die Volontäre müssen nicht alle Gehege sauber machen, die Tierpfleger machen das meiste. Doch das Säubern des Sonnenbären-Geheges ist ein Teil der Arbeit des Teams ‚Borneo‘. Das ist ganz schön harte Arbeit am frühen Morgen. Obwohl es nur zwei davon gibt, machen sie jeden Tag ordentlich viel Dreck. Eine ordentliche Dosis Bärendreck auf nüchternen Magen, nun, das gehört alles dazu! Wenn man im Team ‚Borneo‘ ist, dann macht das doch etwas mehr Mühe, weil man die Tiere füttern muss, und zwar nicht einfach indem man „das Futter über den Zaun schmeißt“. Man muss es ernsthaft verstecken oder verstreuen. Eine der Haupt-Philosophien von Tasikoki liegt darin, dass die Futtersuche und das Essen so lange als möglich ausgedehnt werden. In der Wildnis sind die Tiere stundenlang jeden Tag auf Futtersuche unterwegs.  Indem wir das Futter verstecken oder es in komplizierte Konstruktionen verpacken, versuchen wir diesen Prozess nachzuahmen. Ein positiver Nebeneffekt liegt darin, dass sie länger brauchen an ihr Futter zu kommen, wodurch verhindert wird, dass sie sich langweilen, aggressiv oder frustriert werden; Dinge, die in ‚normalen‘ Zoos sehr leicht vorkommen können.

Und dann gibt es noch das Team ‚Vögel‘, das sich um ungefähr 120 Vögel kümmert. Die Vögel sind auf mehrere Volieren verteilt. Es gibt ein großes Aviarium mit zwei Teichen, wo sich die schwefelgelben Haubenkakadus, Edelpapageien, Spaltfussgänse und Kronentauben befinden. Jeden zweiten Tag wird einer der beiden Teiche sauber gemacht, damit immer ein Teich frisch ist. Das Futter wird darum herum auf speziellen Fütterungsplattformen verteilt oder auf Nägel aufgespießt. Es gibt auch ein paar kleinere Volieren, wo die anderen Kakadus und Loris sind. Sie bekommen ‚Äsung‘ am Morgen.

Nach dem Frühstück arbeiten alle Teams an den Aufwertungen der Gehege ("Enrichment"). Das kann alles Mögliche sein, von einem Bambus-Puzzel bis hin zu gefrorenen Eiswürfeln, von neuen Schaukeln für die Vögel bis hin zu Seifenblasen für die Orang-Utans. Jeden Tag gibt es ein spezielles ‚Enrichment‘-Treffen, wo sowohl für den Nachmittag als auch für den nächsten Tag die Enrichments geplant werden. Diese Enrichments werden vor dem Mittagessen verteilt. Nach dem Mittagessen gibt es eine zweite Runde Fütterung, man arbeitet an den anderen Enrichments und verteilt die ‚Äsung‘. Die Arbeit endet um 4 Uhr Nachmittags. Endlich Zeit, um ein wenig zu entspannen!

Was noch erwähnt werden sollte

Glücklicherweise war ich, neben der täglichen Routine, auch noch in einige größere Projekte involviert.
 
Zusammen mit den Tierpflegern haben wir es geschafft, ein neues Makaken-Gehege zu bauen. Es gibt im Moment 44 Makaken, einige in Einzelkäfigen und einige in Familiengruppen. Mit diesem neuen Gehege ist es möglich, die verschiedenen Familien umzusiedeln und mindestens 10 einzelne Makaken zu einem neuen Familienverbund zusammen zuführen. Das sind großartige Neuigkeiten, nicht nur weil die die Tiere mehr Platz haben als zuvor. Es ist für sie auch viel natürlicher, in Gruppen zu leben.

Bereits in meiner zweiten Woche bekam ich die Möglichkeit (zusammen mit zwei Freunden), nach Tomohon zu gehen und Willie zu besuchen, der uns durch die Masarang Palmzuckerfabrik führte. Wir kamen zu einem recht ungewöhnlichen Zeitpunkt an: Willie war gerade dabei, einen Adler von zwei Wilderern zu konfiszieren, die den Vogel aus dem Nest genommen hatten, um ihn zu verkaufen. Wir haben den Vogel mit uns am Abend nach Tasikoki mitgenommen, wo wir sie in einen Quarantäne-Käfig setzten. Abgesehen davon, dass der Vogel, wenn man die Umstände berücksichtigt, in Ordnung zu sein schien, gab es keinen passenden Käfig für sie. Nachdem ich Tasikoki verlassen hatte, begannen die verbliebenen Freiwilligen und eine enthusiastische Gruppe von Schulkindern damit, eine Voliere für sie zu bauen, die nun (fast) fertig sein sollte. Natürlich hoffen wir alle, dass sie bald wieder in die Freiheit entlassen werden kann.

Andere gute, oder besser gesagt außerordentliche Neuigkeiten bestehen darin, dass sie vor kurzem einen Touch-Screen für die Orang-Utans installieren konnten. In der Vergangenheit haben Untersuchungen mit Computern, die andere Affenarten einbezogen ganz erstaunliche Ergebnisse gezeigt. Theoretisch bedeutet das, dass in Zukunft Bento und Is wirklich mit anderen Orang-Utans skypen können.

Merkmale eines typischen Freiwilligen / Volontärs

In der gesamten Zeit, während der ich in Tasikoki war, waren dort hauptsächlich Freiwillige aus Holland. Das liegt vor allem an der Fernsehsendung mit Willie, dem Grund aus dem auch ich dorthin ging. In den nächsten Monaten werden noch mehr holländische Freiwillige ein Flugzeug in Richtung Tasikoki besteigen, vor allem da jetzt die Episode im August nochmal ausgestrahlt wird. Neben Leuten aus den Niederlanden gab es dort viele verschiedene Nationalitäten, Briten, Australier, Franzosen, Deutsche, Belgier und so weiter. Offensichtlich wissen die Leute wie man Tasikoki findet! Alter und Hintergrund sind wirklich sehr unterschiedlich, was das ganze noch interessanter macht. Natürlich gibt es dort Leute mit einer zoologischen oder Umwelt-orientierten Ausbildung, aber ich selbst bin Geschichtswissenschaftlerin. Viele junge Menschen, die gerade das Gymnasium abgeschlossen haben, sind bereit, ihre Sommerferien für diesen guten Zweck zu verwenden, bevor sie zur Universität gehen. Sogar ein paar Rentner haben sich freudig für ein paar Wochen zur Verfügung gestellt.

Allgemeine Information

Im Moment besteht das Personal in Tasikoki aus ungefähr 12 Einheimischen. Sie arbeiten im Büro, als Tierpfleger, oder als Koch/Hausangestellte. Das Personal und die Volontäre brauchen einander wirklich sehr: Obwohl es manchmal Schwierigkeiten mit der Sprachbarriere gibt, besteht ein sehr starkes Band zwischen beiden Seiten. Oft laden sich Volontäre und Personal gegenseitig zu Festen und Parties ein.

Um den Park sowohl finanziell als auch arbeitstechnisch am Laufen zu halten, braucht Tasikoki durchschnittlich 12 bis 14 Volontäre durchgehend. Als ich dort war, haben wir fast diese Anzahl erreicht. Dies war in der Vergangenheit anders, vor allem zu der Zeit, als Tasikoki anfing mit Volontären zu arbeiten. Zurzeit gibt es sogar zwei Koordinatoren für die Volontäre. Dies erspart den Managern eine Menge Zeit und Mühe, die ihre Zeit wirklich besser nutzen können. Zusätzlich zu den zahlenden Volontären gibt es noch eine wachsende Anzahl von Schulkindern aus den Nachbardörfern, die einen Tag oder länger aushelfen. So sind genügend „Hände“ da, um an größeren Projekten zu arbeiten und es ist gleichzeitig eine günstige Gelegenheit, die Kinder über die Wichtigkeit des Parks zu informieren, über die Tiere zu unterrichten und über Naturschutz im Allgemeinen.

Leider können viele der Tiere aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in die Freiheit entlassen werden. Dies liegt in erster Linie daran, dass so viele von ihnen von (inter)nationalen Schmuggelrouten konfisziert werden, was bedeutet, dass sie nicht endemisch sind. Dann ist die Freilassung in Sulawesi nicht möglich. Wenn es um die Tiere geht, die in Tasikoki bleiben müssen, arbeiten die Mitarbeiter sehr hart daran, um ihnen Gehege zu bauen, die auch auf längere Zeit ausgerichtet sind. Glücklicherweise gibt es aber einige Tiere, die wieder ausgewildert werden können. Der Nashornvogel zum Beispiel könnte demnächst freigelassen werden, gerade nachdem sie festgestellt haben, dass sie für sich selbst sorgen kann. Bei der letzten Tiergruppe versuchen sie auf zu viel menschlichen Kontakt zu verzichten.
 
23 Dezember 2011
Englischer Original Text: http://www.masarang.nl/en/news/index.jsp?ACTION=GONEWS&NEWS1=217

Wenn Sie Interesse haben, ebenso wie Myrte in Tasikoki zu voluntieren, informieren Sie sich bitte hier. Es werden immer Volontäre gesucht. Aktuell besteht die Möglichkeit über einen längeren Zeitraum (6 Monate und mehr) mitzuhelfen. Eine einzigartige Erfahrung in einem der landschaftlich schönsten Flecken der Erde.

Hier finden Sie auch eine Wunschliste für die tiermedizinische Klinik in Tasikoki mit dringend benötigten Dingen.
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