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Die erste Mini-Tengkawang-Fabrik der Welt

05.10.2014
Lesen Sie hier zwei Berichte zur ersten Mini-Tengkawang-Fabrik der Welt, die in Tembak gebaut wurde. Im ersten Bericht werden die Anfänge des Baus beschrieben und im zweiten Bericht wie die Fabrik bereits arbeitet. Die Fabrik ist eine Idee von Willie Smits und er hat die Fabrik zusammen mit seinem Bruder Theo Smits designt.Lesen Sie hierzu auch den Blog "Aussicht auf Hoffnung" von Willie.
 
Die erste Mini-Tengkawang Fabrik wird diesen Monat den Betrieb aufnehmen

(
verfasst von Nicolien Reith von Orangutan Rescue.nl)

Im Dorf Tembak wird gerade eine Tengkawang Fabrik gebaut. Tengkawang-Fett ist eine Alternative zum Palmöl und deshalb interessant für die Herstellung von Kosmetika und Nahrung.

Nuss des Wohlstandes

Der Holländer Dirk-Jan Oudshoorn, der vorübergehend in Borneo beschäftigt ist, leitet den Bau der Tengkawang Fabrik. Dirk-Jan studierte an der Technischen Universität Delft Technologiemanagement und strategische Produktentwicklung. Vorher arbeitete er als Manager des von Willie Smits gegründeten Tierrettungszentrum Tasikoki auf Sulawesi. Seit Mai diesen Jahres koordiniert Dirk-Jan mehrere Projekte von Willie auf Borneo, unter Anderem den Bau der Tengkawang-Fabrik. Er schrieb auch den Businessplan für dieses Projekt.

Wir fragten ihn nach dem Grund für den Bau dieser Fabrik.

“Die Bauern um den Saran-Berg verkaufen traditionell die Tengkawang-Nuss und ihr Fett. Vor dem Beginn der Massenproduktion des Palmöls benutzten Großhersteller von Kosmetika Tengkawangfett in ihren Produkten. Palmöl ist billiger, aber die Qualität des Tengkawangfettes ist viel höher. Dazu ist es auch gesünder und leichter anwendbar als Palmöl und die Nüsse enthalten mehr Fett. Ein Nachteil hingegen ist die eingeschränkte Haltbarkeit der Nuss. Die Nuss muss innerhalb von 2 Tagen nach der Ernte getrocknet und innerhalb von 3 Wochen zu Fett verarbeitet werden. Dies hat in der Vergangenheit Probleme verursacht. Palmöl-Firmen kauften die Nüsse von den Bauern für einen Preis, der von der Qualität abhing. Die Nüsse mussten sehr trocken und ohne Löcher und frei von Sand sein. Die Kriterien waren aber so streng, dass es für die Bauern fast unmöglich war eine hohe Qualität und den dazugehörigen Preis zu erreichen. Durch einen Mangel an alternativen Verkaufsmöglichkeiten, waren die Bauern aber gezwungen die niedrigen Preise zu akzeptieren. Palmölfirmen verdienten so durch den Verkauf von Tenkawangfett ein Vermögen.“

Energieeffiziente Biokohle

Die Tengkawang-Fabrik bietet der Dayak-Bevölkerung die Technologie, um ihr eigenes Tengkawangfett zu produzieren und zu verkaufen. Wie funktioniert es?

Dirk-Jan: „Die Ernte fängt zwischen Ende August und Anfang September dieses Jahres an. Die von den Bäumen herabfallenden Nüsse sind feucht. Wir trocknen, schälen, sortieren und quetschen sie, und drücken dann schließlich das Fett heraus. Außer dem Schälen und Sortieren, geschieht all dies mechanisch. Für das Trocknen wird ein energieeffizienter Biokohleofen benutzt welcher mit Biomasse und Abfällen aus dem Wald befeuert wird. So findet der ganze Prozess vom Trocknen bis zur Produktion des Fettes im Dorf statt. In den Monaten in denen keine Tengkawang-Nüsse geerntet werden, kann der Trockenraum zum Trocknen von Reis, Früchten, Holz oder Gummi verwendet werden. Bislang trocknete die Dayak-Bevölkerung all diese Produkte in der Sonne. Gibt es aber sehr viel Regen, kann der Reis oft nicht rechtzeitig geerntet werden was zu einem Ernte-Ausfall führt. Der Trockenraum bietet den Menschen daher mehr Sicherheit bei ihrer Ernte. In der Nebensaison kann die Ölpresse auch zum Produzieren anderer Öle wie Kokosnussöl verwendet werden.

Jeder profitiert

Ungefähr fünfzehn Leute werden in der Tenkawang-Fabrik benötigt. In drei Monaten produziert die Fabrik aus 500 Tonnen Nüssen ungefähr 90 Tonnen Fett. Die Nüsse werden von ungefähr 450 Bauern, aus fünfzehn naheliegenden Dörfern gekauft. Nachdem der Kredit an die Investoren zurückgezahlt ist, wird der Profit der Fabrik an die Tengkawang Bauerngenossenschaft fließen. Zusammen werden sie entscheiden in welches gemeinnützige  Projekt sie dieses Geld investieren werden, wie zum Beispiel in eine Asphaltstraße. 

„Es ist großartig an einer realisierbaren Alternative zu Palmöl arbeiten zu dürfen“ sagt Dirk-Jan enthusiastisch. „Dazu ist Tengkawangfett ein hervorragendes Produkt. Es ist das beste von der Natur angebotene Fett.“

Die Fabrik in Tembak ist die erste von vielen welche die Position der Dayak-Bevölkerung um den Saran-Berg in ihrem Kampf gegen die expandierenden Palmölplantagen stärken wird. Verkaufsverhandlungen mit mehreren internationalen Herstellern in der Kosmetik- und Lebensmittelbranche sind am laufen.

(Hier geht es zum englischen Artikel)
[Übersetzung ins Deutsche von Tobias Ehrlich]


Eröffnung der Tengkawang-Fabrik!

Am 19. August 2014 wurde im Dorf Tembak die erste Tengkawang (Illipe-Butter oder "grüne" Butter) Mini-Fabrik der Welt eröffnet. Tembak liegt ungefähr 75 km von der Distrikts-Hauptstadt Sintang entfernt.


Die historische Eröffnung

Das historische Ereignis wurde vom Gründer der Masarang Foundation Dr. Willie Smits, Pater Jacques Maessen (Gründer der Kobus Foundation) und Theo Smits (Advisor der Masarang Foundation) moderiert und von vielen Menschen aus den umliegenden Dörfern besucht. Nach Ansprachen durch Willie und Pater Jacques, forderte der örtliche Kulturverantwortliche die 9 alten Dajak-Götter auf, die Fabrik zu segnen (er sprach zu ihnen in Versform während er ein Huhn hielt), gefolgt von einem Gottesdienst mit Pater Henkie, um die Fabrik auch im Namen der Katholischen Kirche zu segnen. Wir hätten uns keinen besseren Start wünschen können!
 
 


   

Links: Eine der Sammelstellen für die Tengkawang-Nüsse;          Rechts: Tengkawang-Nüsse


Verschiedene Produktionsschritte

Am Tag nach der Eröffnung begann die Produktion des Tengkawang Fettes und läuft seither. Wir erwarten, dass die Produktion bis Mitte Oktober weitergeht. Kürzlich erhielten wir die großartige Neuigkeit, dass in ein paar Dörfern und Distrikten in der Nähe der Fabrik viele Bäume gerade blühen. Dies bedeutet, dass in 6 Monaten die Fabrik wieder Tengkawang-Fett produzieren kann.
 
Die neue Fabrik

Die neue Fabrik bringt den Dajaks viel mehr als nur das Einkommen von der Fett-Produktion. Vom Gesamt-Budget des Projektes gingen 40% direkt an die Gemeinde (z.B. für Holz und handgefertigte Ziegelsteine für die Fertigstellung der Fabrik, der Kauf der Tangkawang-Nüsse und die Gehälter). Die Fabrik gibt 14 Menschen Jobs, genauso wie vielen temporären Arbeitern, z.B. um die Haut von den getrockneten Nüssen zu pellen. Zwei der jüngeren Mitarbeiter haben jetzt (noch) nicht die weiterführende Schule beendet, aber mit ihrem Gehalt können sie es sich nun leisten zurück zur Schule zu gehen. Und ein kleiner Laden hat neben der Fabrik geöffnet, wo das Mittagessen für die Mitarbeiter zubereitet wird.

Die Menschen von Tembak machen Pläne, ihr Elektrizitätsnetzwerk (das jetzt mit Hilfe von 3 Mini-Wasserkraftwerken läuft) an den Generator der Fabrik anzuschließen, damit sie stabile Elektrizität haben für mehrere Stunden pro Tag, wenn die Fabrik geschlossen ist. Der Generator kann genügend Strom für bis zu 300 Haushalte erzeugen. Die Abgase des Generators werden durch einen Wärmeaustauscher geleitet wodurch Wärme für den Trocknungsprozess gewonnen wird. Die andere Wärmequelle, der Holzkohle-Ofen, produziert auch Holzkohle (kann benutzt werden als Dünger), Holzessig (als Unkrautvernichtungsmittel), Teer (zur Behandlung von Holzfundamenten, damit sie länger halten). Ein biologischer Gemüsegarten wird direkt neben der Fabrik angelegt so dass die Menschen unmittelbar die Vorteile sehen können, wenn man ein Holzkohle/Kompost-Gemisch für die Düngung verwendet. Zudem sind die Überreste der gepressten Tengkawang-Nüsse ein gutes und gesundes Futter für Schweine und Fische.


Tengkawang-Nüsse beim Trocknen

Nach dieser Tengkawang-Saison kann der Trockenraum dazu benützt werden, um z.B. Kokosnüsse und andere Früchte, Holz, Reis oder Kautschuk zu trocknen. Die Ölpressen können Kokosnussöl und getrocknete Kokosnuss-Flakes produzieren. Und zu einem späteren Zeitpunkt können die lokal angepflanzten Jatropha-Samen in den selben Maschinen gepresst warden, um Diesel für den generator zu produzieren.
 
Wir möchten allen Menschen, die an diesem Projekt beteiligt sind, danken, und ganz besonders den Menschen von Tembak und den benachbarten Dörfern, für ihre harte Arbeit und ihre Unterstützung.

(HIer geht es zum englischen Text)
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