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Der Biokraftstoff-Revolutionär

08.01.2013
Im Januar 2012 erschien ein Artikel über Willie Smits in chinadialogue. Weiterlesen...
 
Chinadialogue

von Isabel Hilton

05.01.2012
 
Von Begegnungen mit Orang-Utans bis hin zu Zuckerpalmen-Projekten in Indonesien, war Willie Smits auf einer bemerkenswerten Reise – und könnte auf diesem Weg vielleicht sogar eine vielversprechende Quelle einer sauberen Energieform gefunden haben, wie Isabel Hilton berichtet.
 
Willie’s persönliche Revolution begann im Jahr 1989, als er auf ein Orang-Utan Baby im Käfig traf, auf einem Markt in der Provinz Ost-Kalimantan in Indonesien. Es hatte, wie er den Zuhörern seines TED-Vortrages 2009 erzählt, die traurigsten Augen, die er jemals gesehen hatte. Er rettete den Orang-Utan und begann dann, andere zu retten.
 
Die Bedrohung für die Orang-Utans kam, wie er wusste, aus einer Mischung von Faktoren, einschließlich der Jagd auf die Tiere zum Verkauf oder als Nahrung, und der Zerstörung ihrer Lebensumgebung durch die Einheimischen, die nur geringe, andere Einkommensmöglichkeiten hatten.
 
Mehr als 20 Jahre später hat Willie Smits dazu beigetragen, Tausende von Orang-Utans zu retten, hat Tausende Hektar Wald wiederhergestellt auf degradiertem Land und hat, zufällig, wie er meint, eine Energie-Quelle entwickelt, die Wohlstand in die tropischen Gemeinschaften bringen könnte, die dynamischen und artenreichen Lebensräume schützen kann und das Potential hat, die Welt mit nachhaltigem Biotreibstoff zu versorgen. Ist das die Fantasie eines Umweltaktivisten oder eine Vorstellung, die auf Wissenschaft basiert?
 
In ganz Indonesien kämpfen lokale Gemeinschaften gegen die rasante Ausbreitung der Ölpalmen, die angepflanzt wurden, um den steigenden Hunger der Welt nach Biotreibstoff zu sättigen. Allein in Indonesien sind es mehr als 30.000 Quadratkilometer. Aber diese Plantagen zerstören die Lebensgrundlage der Kommunen, genauso, wie sie die tropischen Regenwälder zerstören, die auch als Kohlendioxid-Speicher dienen. Die Palmöl-Produktion und die dazugehörige Abholzung hat Indonesien auf den 3.Platz der Länder mit dem weltweit größten Ausstoß an Treibhausgasen katapultiert.
 
Smits, 54, ein indonesischer Mikrobiologe, Forstwirt und Tierschützer, der in Holland geboren wurde, glaubt daran, dass er einen Treibstoff gefunden hat, der keinen der o.g. Nachteile besitzt. „Wenn man von den 1,6 Milliarden Hektar an kritischem Land in den Tropen, 540 Millionen Hektar mit Zuckerpalmen (Arenga pinnata) bepflanzen würde, könnte man bis zum Jahr 2030 das ganze, weltweit produzierte Öl ersetzen.“ Sagte er. „Dies ist es, was ich mir wünsche, das die Menschen verstehen.“
 
Wir treffen uns in Hong Kong, wo Smits mit möglichen Investoren sprach. Er öffnete seinen Laptop, um eine von vielen Power Point Präsentationen zu starten, die eine 30-jährige Reise von Entdeckungen veranschaulichen. Als er seine indonesische Frau im Jahr 1980 heiratete, lernte Smits zu seiner Überraschung, dass man in Nord-Sulawesi von ihm einen Brautpreis in Höhe von sechs Zuckerpalmen forderte. „Ich fragte mich warum,“ erzählte er chinadialogue, „und ich entdeckte, dass sechs Zuckerpalmen genügen, um eine junge Familie zu ernähren.“
 
Nach Jahren der Forschung, ist Smits heute ein Zuckerpalmen-Prediger, bemüht, die Vorteile der Palme aufzulisten. „Sie braucht keine Pestizide oder Dünger, und wenn sie einmal angefangen hat zu produzieren, kann man sie zweimal am Tag anzapfen. Dies stellt Arbeitsmöglichkeiten für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung,“ erklärt er, „Es werden 20 mal mehr permanente Jobs pro Hektar geschaffen, als durch Palmöl. Sie ist sehr effizient darin, Sonnenlicht in Energie umzuwandeln, und weil sie nicht in Monokulturen gedeiht, trägt sie auch zur Erhaltung der Biodiversität bei. Sie hat sehr tiefreichende Wurzeln, weshalb sie nie austrocknet und sie verbessert den Boden, weil sie Nährstoffe nach oben bringt. Sie speichert Kohlendioxid sehr tief und benötigt nur die Hälfte des Wassers eines vergleichbaren Baumes wegen ihrer wächsernen Blätter. Und, sie produziert 60 nützliche Produkte, einschließlich eines Holzes, das härter als Eiche ist.“
 
Und als ob das nicht schon genug wäre, fährt er fort, übersteht sie Feuer und Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und Salzwasser, kann Landrutsch verhindern, indem sie Hänge stabilisiert und verbessert letztendlich die Bedingungen für die Landwirtschaft. Vielleicht am wichtigsten für das globale Klima: eine Palme kann genügend Ethanol produzieren, um ein Jahr lang ein Auto fahren zu lassen.
 
Smits begann im Jahr 1985 damit selbst die Zuckerpalmen anzupflanzen und widmete die nächsten 20 Jahre der Erforschung und Verbesserung von Kultivierung und Ertrag der Zuckerpalmen: es war schwer, sie zum Keimen zu bringen, sagte er, und der Ertrag unterschied sich sehr stark von Distrikt zu Distrikt, abhängig davon, was die Dorfbewohner von ihnen ernten wollten.
 
“Ich entdeckte, dass auf Java, wo die Menschen Muslime sind, die unreifen Palm-Früchte als Delikatesse verwendet werden. Man kann 65 verschiedene Produkte von dieser Palme ernten, aber weil sie die unreifen Früchte ernteten, hatten die größten Bäume eine viel geringere Chance sich zu vermehren. Sie essen auch eine Delikatesse, die aus der Stärke (Sago) gemacht wird, so dass sie die größten Palmen abholzten, bevor diese Früchte trugen.“ In einem anderen Gebiet bevorzugten es die Dorfbewohner Palmwein zu trinken, so dass sie die ertragreichsten Palmen weitervermehrten, und schlussendlich Palmen heranzogen, die 3-mal so ertragreich waren wie jene auf Java.
 
Smits hat auch ein wichtiges technisches Problem gelöst – die Tatsache, dass Zuckerpalmsaft sofort fermentiert (anfängt zu gären), was gut für die Herstellung von Wein ist, aber für nichts anderes. Die traditionelle Methode, die Fermentierung aufzuhalten ist Hitzebehandlung, mit lokalem Holz als Brennstoff, was zur Entwaldung beitrug.
 
“Dies bedeutet, dass entweder die Produktion begrenzt ist, oder wir die Umgebung zerstören,“ sagte er. Seine Pilot-Fabrik nutzt Restwärme von der staatlichen Energiefirma und er hat den Prozess 5,6-fach Energie-effizienter gemacht.
 
Es gab auch, wie er zugibt, ein menschliches Problem: vor vier Jahren, begannen die gewählten Führer der ersten Kooperative, die er auf Nord-Sulawesi ins Leben gerufen hatte, zu seiner Bestürzung, Geld zu unterschlagen. Nach teuren, juristischen Beratungen glaubt er nun, dass er ein betrugssicheres, organisatorisches Modell hat. Eine andere Episode, als die Zapfer anfingen, den Gewinn zu vertrinken, war schnell gelöst, als die Frauen intervenierten.
 
Er hastet durch seine Folien: Abbildungen mit Energie-Erträgen pro Hektar, die zeigen, dass die Zuckerpalme 24.000 Liter Ethanol pro Hektar und Jahr als Norm produziert; Diagramme, die den vermehrten Regen über seinen wiederaufgeforsteten Wäldern zeigen; Organisations-Diagramme von den Kooperativen, die er aufgesetzt hat und Fotografien von einigen der mehr als 6000 dörflichen Shareholdern der Masarang Palmzapfer Kooperative, die er 2007 in Indonesien ins Leben gerufen hat.
 
Die Dorfbewohner zapfen die Palmen und betreiben die Fabrik, die Ethanol und Zucker produziert. Sie haben, sagte er, ihr Einkommen verdreifacht und können nun ihren Kindern eine Ausbildung finanzieren und soziale Absicherung genießen. Jedes Jahr stimmen sie darüber ab, wie sie die Gewinne anlegen. „Sie können sie nur in soziale Projekte investieren,“ sagte Smits, „wie Gesundheitszentren oder Schulen. Dieses Jahr haben sie dafür gestimmt, Waisen zu unterstützen und die Wildtiere zu schützen,“ eine Entscheidung, die ihren Förderer ganz besonders freut.
 
Smits’s Behauptungen über seine Projekte wurden von sechs unabhängigen Studien bewertet. Letzterdings auf Verlangen der holländischen Regierung, die das Pilot-Projekt unterstützte. Diese Bewertungen seiner Arbeit beinhalten eine gewisse Vorsicht, sind aber auf breiter Basis unterstützend. Smits sucht nun ethische Investoren, die es ihm ermöglichen, eine Unternehmung groß anzulegen von der er glaubt, dass dies den Energiebedarf der Welt decken wird, im Rahmen eines Produktionsmodells, das den kleinen Produzenten Wohlstand bringt. Er zieht eine Karte der Welt auf seinem Laptop hervor und zeigt auf ein breites Band über der tropischen Zone.
 
“Dies zeigt, wo Zuckerpalmen profitabler wachsen als Zuckerrohr,” sagt er. Er hat das Patent für eine Fabrik für’s Dorf: es hat eine Mini-Fabrik, mit einer Satellitenverbindung, die Saft, Hefe und Arbeit benöigt und Ethanol sowie Elektrizität, Trinkwasser, Hitze, um die Produkte zu trocknen, Biogas, Tierfutter und Kompost für das Dorf zur Verfügung stellt. „Die Investoren bekommen Zucker und Carbon Credits daraus, jeder gewinnt also dabei – die Umwelt, die lokale Bevölkerung und die Investoren.“
 
“Wenn man Zucker hat, hat man alles andere,” fährt er fort. „Man kann daraus Wasserstoff, Ethanol und Lipide, oder biologisch-abbaubares Plastik machen. Wo kriegt man den Zucker her? Aus den Tropen.“
 
Aber wenn es so ein Wunderbaum ist, warum wurde sein Potential nicht schon früher entdeckt? Der Grund, so glaubt Smits, liegt im Modell des agro-industriellen Investments.
 
“Zuckerpalmen wachsen nur in sekundärem Wald, den man nur in Gebieten mit Wechselbewirtschaftung findet. Dies bedeutet, dass geeignetes Land der lokalen Bevölkerung gehört, und viele Firmen sind einfach nicht daran interessiert, sich mit sozialen und kulturellen Dingen auseinanderzusetzen. Die größten Kosten liegen in der Arbeitskraft, was viele Firmen als Risiko ansehen. Aber wenn man die lokale Bevölkerung mit guten Abmachungen ausstattet, dann bekommt man immer noch eine sehr hohe Rendite für das Investment.“
 
In einer jüngsten, unabhängigen Bewertung, einer Ecofys und Winrock Analyse zur Durchführbarkeit und Nachhaltigkeit, erreicht die Rendite eine Höhe von 43%, ohne die Nebenprodukte mit einzuberechnen. Der Bericht rät aber auch zur Vorsicht, da eine Ausweitung des Projektes durch den Grad an Fähigkeiten, die für die erfolgreiche Kooperation nötig sind, erschwert ist und sich die Investoren in Geduld üben müssten, weil es eine Zeit lang dauert, bis die Palmen herangewachsen sind.
 
“Sie müssten mein Beispiel nachahmen,” gibt Smits zu, “die besten Palmen anbauen und die besten Zapftechniken benutzen. Ich möchte dies unter einem ethischen Modell herausbringen und nicht Geld um des Geldes willen machen. Ich möchte, dass meine Patente und meine Forschung auf ethische Weise verwendet werden.“
 
Um diese potentiell großen Entlohnungen zu ernten, müssen die Investoren sich zu 100% Nachhaltigkeit, sozialer Fairness und Umweltschutzkriterien verpflichten, die er ausgearbeitet hat. Smits selbst hat die Kontrolle an eine Firma und eine Stiftung übergeben, die er ins Leben gerufen hat: Tapergie BV company und Tapergie World Foundation. Für sich selbst sagt er „ich möchte nicht ins Management involviert sein. Ich bin ein Wissenschaftler. Ich mag keine Routine oder Geld. Ich mag es zu lehren, zu forschen und zu erfinden.“
 
Sein Gesicht fängt an zu leuchten, bei der Aussicht auf neue Gebiete, die es zu bewältigen gilt. „Ich habe mich in Kolumbien umgesehen,“ sagte er. „Sechs Millionen Hektar, die perfekt wären, in Tansania genauso. Und ein paar Leute wollen mich nach Hainan bringen.“
 
Isabel Hilton ist Editor von chinadialogue.
(Englischer Originaltext:  http://www.chinadialogue.net/article/show/single/en/4710-The-biofuel-revolutionary-)
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